Wenn man nicht alles Glauben soll was man denkt, an was soll man dann Glauben?

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2 Antworten

Zunächst: Das Wort "Glauben" ist hier schlecht gewählt, weil es vielfach falsch angewendet wird aufgrund unterschiedlicher Bedeutungen. In diesem Zusammenhang hätte ich gesagt: "Wenn man nicht jede Annahme direkt als wahr annehmen soll, wie soll man dann die Realität erkennen"

Zum Thema "Annehmen das der Partner einen nicht schätzt":

Wer solche Gedanken hat, hat zum einen ein sehr geringes Selbstwertgefühl und zum anderen kein richtiges Vertrauen zu seinem Partner. Ein geringes Selbstwertgefühl läßt oft gar nicht zu, dass man zu anderen Vertrauen hat. Wenn man sich selbst nicht einmal kennt, wie soll man dann andere kennenlernen?

Ich folge einem ganz einfachen Weg:

Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt etwas zu interpretieren, dann nehme ich immer an, dass es Positiv gemeint ist. Und meist ist die einfachstes Variante auch die richtige.

Insbesondere bei geschriebenem Wort ist diese Einstellung extrem hilfreich.

Ein Beispiel: Dei Arbeitskollege schreibt kurz und knapp per Email, dass ein Fehler passiert ist und du ihn umgehend korrigieren sollst. Du kannst nun annehmen, dass er es dir übel nimmt, dich anschwärzen wird und es noch ein Nachspiel hat und er dich nicht leiden kann. Du kannst aber auch annehmen, dass er gerade unter Streß steht und dir daher keinen Roman schreibt, sondern schnell und effektiv arbeiten will. Und er wäre dir sehr dankbar, wenn du schnell handelst. Vielleicht bedankt er sich hinterher sogar dafür, dass du so schnell reagiert hast und findet es gut, dass du deinen eigenen Fehler sofort korrigiert hast, anstatt eine Ausrede vorzuschieben oder den Fehler jemand anderem zuschiebst.

Wenn dein Partner dich mal kurz abfertigt und vielleicht einen negativen Tonfall dabei hat, dann reagiere nicht beleidigt oder denke sofort an das Schlimmste. Statt dessen analysiere, ob du ihm gerade seine Ruhe lassen solltest, damit er mit seiner aktuellen Beschäftigung klar kommt, oder ob du irgendwie helfen kannst. Da DU deinen Partner kennen solltest, kannst nur du die Situation beurteilen und reagieren. Wenn ich gerade in einer Sache vertieft bin und meine Frau abwimmel, weiß sie genau wie sie das deuten soll.

Ist eine Beziehung aber noch nicht sehr reif, dann greift wieder meine oben genannte Einstellung.

In Bezug auf Weltanschaulichungen und Religion kann man sehr wohl wissen, ob sie stimmen oder nicht. Religionen beispielsweise sind immer frei erfunden. Sie sollen den Menschen manipulieren um ihn leichter regieren zu können.

Ob eine Weltanschauung vernünftig ist, kannst du auch beurteilen. Fokussiere dich auf die Fakten. Z.B. wenn du nicht weißt wie du eine politische Richtung beurteilen sollst, stelle Fragen wie: "Welche positiven/Negativen Folgen hat diese Einstellung auf mich und die ganze Gesellschaft?"

Aber mach es dir nicht zu schwer! Sei einfach du selbst, denke nach was DICH Glücklich macht und entscheide dich auch glücklich zu werden. Glück kommt nicht von allein, sondern muss von dir selbst erzeugt werden.

Wenn du eine Weltanschauung, Meinung, Ideologie etc. nicht einordnen kannst, dann lass es. Du musst nicht zu allem eine Meinung haben. Solange es nicht zwingend erforderlich Stellung zu beziehen, sollte man niemals eine Meinung entwicklen, ohne sich multiperspektivisch mit der Themaitk auseinandergesetzt zu haben.

Viele verkomplizieren ihr Leben. Lass es, es bringt nichts, sich über jeden Mist Gedanken zu machen. Wir haben nur dieses eine Leben und es wird einem nichts geschenkt. Vergeude deine Zeit nicht mit Dingen, die deine Laune verschlechtern, solange es nicht zwingend notwendig ist und vielleicht zukünftiges wesentlich verschlechtert (zb wenn du deine Ausbildung für nervig hälst, breche sie nicht einfach ab, sondern schau ob sie dir in Zukunft etwas bringt oder ob ein Abbruch deine berufliche Zukunft verschlechtert).

In diesem Sinne wünsche ich dir in jedem Fall alles Gute und hoffe das du deinen Weg findest, den nur du allein finden kannst.

LG

Wildcarts2

Ich würde ja sagen der Mittelweg ist die gesunde Alternative.

Bezogen auf dein Beispiel hieße das, man nimmt es schlicht als gegeben hin, dass sie im Moment keine Zeit/Lust hat, sich mit dem Mann zu beschäftigen mit dem Gedanken "es wird schon seine Gründe haben - ich bin auch manchmal nicht in der Stimmung und weiß, dass es sich irgendwann wieder legt". Aber es sich anzugewöhnen, so zu denken, dauert und muss bewusst gelernt werden (ich spreche aus eigener Erfahrung)

Leider, wenn man sich die Erziehung und "Formung" der Kinder in deutschen (und sicher auch anderen) Tagesstätten und Schulen mal mit der Lupe genauer ansieht, wird man erkennen, dass man im Prinzip bereits von Kleinauf darauf getrimmt wird, an sich zu zweifeln (ob das nun Absicht ist oder nicht, sei mal dahingestellt).

Man muss alles geben, man muss der beste sein und wenn man das nicht schafft, erfüllt man nicht die Erwartung und fühlt sich schuldig, minderwertig, nicht gut genug oder als Versager etc. Das zieht sich bis ins Erwachsenenalter und da wird die Schule einfach durch die Arbeitswelt abgelöst, denn auch hier muss wieder alles gegeben werden, um "gut genug" oder "besser" zu sein.

Selbstzweifel sind also, meiner Meinung nach, anerzogen, denn als Babies (denen ja die ERFAHRUNG noch fehlt) sehen wir Misserfolge nicht als Scheitern sondern als Herausforderung an - sie motivieren uns, es noch mal zu versuchen und zwar mit Freude, nicht mit Unlust.

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