Wenn jemand stolz auf seine Hautfarbe/Herkunft ist: Gibt es überhaupt einen "Stolz" ohne Abwertung anderer Menschen?

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8 Antworten

Hi.

Gibts nen Grund, stolz auf seine Herkunft/Hautfarbe zu sein? Weil dafür hat man nichts geleistet. Und dann existiert schlicht kein Grund, stolz drauf zu sein.

Außer vll, wenn es im Zuge einer Gegenreaktion passiert. So wie bei der Bürgerrechtsbewegung, als "black is beautiful" aufkam, wahrscheinlich um dem damals vorherrschenden Vorurteil entgegenzutreten, dass "black" halt "minderwertig" oder halt einfach "not beautiful" ist.

Dieses "Stolz auf Herkunft/Hautfarbe" sein kommt wahrscheinlich eher daher, dass der Mensch sich als Rudeltier irgendwo zugehörig fühlen will. Oder, nach Schopenhauer: wenn man sonst nix hat, dann muss es halt der Teint sein...

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Das ist schwierig zu beantworten. Ich denke das hat wirklich was mit der Geschichte zu tun. 
Es gibt z.B. einen Unterschied zwischen "Ich bin stolz Schwarz zu sein" oder "ich bin stolz weiß zu sein". Eben weil die Schwarzen jahrelang von den weißen unterdrückt wurden. Möglicherweise auch weil es leider immer noch viele Menschen gibt, die einen dafür diskriminieren.

Andererseits finde ich es aber auch bekloppt das zu sagen. Man wurde so geboren, stolz kann man auf das sein, was man im Leben erreicht hat. 

Ob es als abwertend verstanden wird hat vor allem was damit zu tun wie man was sagt , und wer was sagt.

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Natürlich kann man stolz auf seine Herkunft sein, ohne dabei gleichzeitig auch Arroganz und Abwertung auszustrahlen. Den Mittelweg nennt man Selbstbewusstsein. Es ist nicht verwerflich, zu seinen Wurzeln, zu seiner Kultur und zu seinem Glauben zu stehen. Anfeindungen gegen Menschen aufgrund bestimmter optischer oder ethischer Merkmale sind heutzutage ubiquitär. Da sollte man unbedingt zu sich selbst stehen.

LG

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Der Begriff Stolz hat heute meistens einen negativen Beigeschmack, weil mit dem Stolz in vielen Fällen keine bewunderungswürdige Leistung verbunden ist. Stolz im Falle einer berechtigen Auszeichnung, eines bestandenen Examens oder "gut gelungener Kinder" ist durchaus akzeptiert.

Der nun von dir thematisierte "zugefallene" Stolz ist in der Regel eher die Freude in bestimmter Weise "auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen", d.h., einer Volksgemeinschaft anzugehören, die eine allgemein gute Reputation genießt, oder einer Familie, die eine hohe Würdigung innerhalb einer Sozietät genießt. Das schließt nach meinem Gefühl nicht unbedingt eine Abwertung der anderen mit ein. Im Gegenteil gibt es viele Familien, in denen mit Nachdruck darauf hin gearbeitet wird, dass die Kinder keinerlei Arroganzstrukturen entwickeln. Sie sollen dezidiert die "eigene Klasse" im Verhalten gerade dadurch dokumentieren, dass sie die allgemeine Menschenwürde jedermann gegenüber durch absolut unüberhebliches Verhalten unter Beweis stellen. Indirekt wird dadurch natürlich dennoch ein "Sonderstatus" etabliert, doch das ist unvermeidbar, wenn man sich generell moralischen Grundsätzen verpflichtet fühlt, die zu einer Auszeichnung gegenüber anderen Gruppierungen führen.

Das ist natürlich auch ein starkes Antriebsmoment, was sicher eine allgemein positive Wertschätzung genießt und nicht in deiner oben formulierten negativen Begleiterscheinung der Arroganz gegenüber anderen  führen sollte. 

Bilanz: Jedes ausgeprägtes Selbstbewusstsein einer positiv wertgeschätzten Gruppierung anzugehören, birgt die Gefahr überhebliche Attitüden anderen gegenüber zu entwickeln. Doch eben dann, wenn dieses Faktum erkannt und als Problem benannt wurde, können die Strukturen systematisch entwickelt werden, die zur Kompensation möglichen Arroganzverhaltens erforderlich sind, so dass die Mitmenschen hier ein gutes Gefühl behalten.

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Man könnte 'Stolz auf seine Herkunft' ja als etwas Positives sehen: Man identifiziert sich mit seiner Heimat, Sprache, Geschichte, etc. 

Gleichzeitig wird dadurch aber die Spaltung und 'wir' und 'die anderen' betont. In diesen Kategorien denken wir alle, ob wir das wollen oder nicht. Aber ich denke, wenn man auf seine Herkunft sehr stolz ist, bedeutet das oft: 'die anderen' sind ja sooo anders als wir.

Und das wiederum kann leicht in Vorurteile und irgendwann auch Abneigung umschlagen. Aus der Sozialforschung ist bekannt: Wer keine ausländischen Kollegen oder Nachbarn hat, ist eher ausländerfeindlich. Also Kenntnis des 'anderen' führt auch zu Verständnis und Freundschaft.

Wenn man nun das große Bedürfnis hat, sich von 'anderen' abzugrenzen, dann freundet man sich mit ihnen evtl. nicht so leicht an und bekommt also keine Chance, die Vorurteile, die wir alle irgendwie haben, abzubauen.

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Kommentar von sumi79
18.06.2017, 17:49

Gleichzeitig wird dadurch aber die Spaltung und 'wir' und 'die anderen' betont. In diesen Kategorien denken wir alle, ob wir das wollen oder nicht. Aber ich denke, wenn man auf seine Herkunft sehr stolz ist, bedeutet das oft: 'die anderen' sind ja sooo anders als wir.

Die Spaltung in "wir" und "die anderen" sehe ich nicht als schlimm an, solange "die anderen" dadurch nicht abgewertet bzw. als minderwertiger gesehen werden.

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WEnn man auf seine eigene Leistung stolz ist,muss man andere Menschen nicht abwerten.

WEnn man auf den Zufall der Geburt stolz ist - ich bin stolz,Deutscher zu sein - muss man andere abwerten.

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Warum soll es abwertend sein wenn ich sage "Ich bin stolz, Australier zu sein".

Fühlst du dich dadurch minderwertig?

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Die Frage ist ziemlich interessant. Ich würde die Frage mit "Jein", es gibt tatsächlich Menschen, die Stolz auf ihre Herkunft sind bzw. auf die Kultur (zb. Essen ihres Landes) sind, aber zwischen Patriotismus und Nationalismus, ist manchmal ein schmaler Grat. Und da alle Länder in der Geschichte Feinde hatten/haben, kann das ganz schnell mal in Hass/Abwertung wandeln.

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Kommentar von sumi79
18.06.2017, 17:50

Sehr gut beantwortet!

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