Wenn ich durch ein großes Fernglas sehen und damit einen Planeten sehe der Lichtjahre weg ist sehe ich diesen dann bewegend?

10 Antworten

Niemand hat jemals einen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems direkt gese­hen, also als hellen Punkt in einer Aufnahme. Dazu sind die Dinger zu klein und zu licht­schwach, und die Dinger um die sie Kreisen zu hell. Vergleiche dazu mal die Licht­stärke eines Planeten wie z.B. Mars und der Sonne (die Entfernungen sind im Mittel ähnlich).

In einem Teleskop siehst Du Sterne, also Sonnen, und dazu vielleicht noch Wolken und Galaxien. Nur sehr wenige Sterne (Beiteigeuze als Beispiel) sind groß genug, um räum­lich aufgelöst zu werden; die allermeisten werden nur als Punkt abgebildet. Planeten sind sehr viel kleiner als Sterne; selbst wenn eine zukünftige Generation von Tele­sko­pen de­ren Licht direkt einfangen kann, ist an räumliche Auflösung nicht zu denken.

Planeten in anderen Sonnensystemen (also Lichtjahre entfernt siehst du i.d.R. nicht so einfach) kommen nicht in Frage. Aber einen Planeten z.B. Saturn unseres Sonnensystems kannst du mit gutem Fernglas und Stativ beobachten . Und bei einiger Geduld bemerkst du auch seine Bewegung. Wegen der großen Entfernung (keine Lichtjahre !) ist die mit hoher Geschwindigkeit zurückgelegte Strecke doch sehr winzig im Fernglas.

(1.) Planeten, welche Lichtjahre von uns entfernt sind, kann man weder mit einem Fernglas noch mit einem Großteleskop sehen - auf keinen Fall im Detail.

(2.) Dass man seit einigen Jahren trotzdem feststellen kann, dass ein Stern (in der recht nahen Umgebung der Sonne) einen oder mehr als einen Planeten haben muss, liegt daran, dass man (unter günstigen Umständen) eventuell aus Langzeit-Vermessungen des Sternlichts erkennen kann, dass der Stern in periodischen Zeitabständen kurze Phasen einer leichten Abschwächung zeigt (wenn der Planet genau zwischen uns und dem Stern vorübergeht) oder dass seine Spektrallinien ganz minimal rot- bzw. blauverschoben erscheinen. Direkte Beobachtungen von Exoplaneten sind erst in ganz wenigen Fällen erfolgt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Exoplanet#Direkte_Beobachtung

Ob du Jupiter nur als Punkt siehst oder ob du Details erkennen kannst, hängt davon ab wie stark dein Teleskop vergrössert.

Ein Planet, der mehrere Lichtjahre entfernt ist, kannst du selbst mit dem besten Teleskop nicht direkt sehen. Der ist einfach nicht hell genug im Vergleich zu dem Stern um den er kreist.

Hallo Chilloma,

wie @rumar schon ganz richtig geschrieben hat: Im Prinzip geht heute in außergewöhnlichen Systemen die direkte Beobachtung von Exoplaneten. Die allermeisten Exoplaneten werden aber über andere Methoden nachgewiesen.

Kann man heute schon - wenigstens in besonders günstigen Systemen - die Bewegung von Exoplaneten sichtbar machen?

Ja.

Und an der Stelle möchte ich selber als Astronom darauf hinweisen, dass mich das technisch ähnlich dolle beeindruckt wie der Nachweis von Gravitationswellen. Das sind irrsinnige Messgenauigkeiten, die man da erreichen muss.

Zum Sichtbarmachen der Bewegungen benutzt man spezielle Interferometrie-Technologie. Das kann man zum Beispiel im optischen Wellenlängenbereich am VLT in Chile machen. Das Gerät dazu dort heit "GRAVITY" und ist hier beschrieben:

https://www.eso.org/sci/facilities/paranal/instruments/gravity.html

Es gibt auch in Australien ein Array, mit dem man Interferometrie im Radiowellenbereich betreiben kann:

https://www.atnf.csiro.au/projects/askap/index.html

Außerdem braucht man natürlich mehrere Aufnahmen, damit genügend Zeit verstreichen kann, dass sich die Dinger überhaupt von Umlauf zu Umlauf bewegen... und um es ein bissi einfacher zu machen, deckt man den Zentralstern ab.

Und wie schaut dann der ganze Stolz der Exoplanetenastronomie dann aus? So:

https://en.wikipedia.org/wiki/File:HR_8799_Orbiting_Exoplanets.gif

Wenn man bedenkt, dass das beobachtete System 129 Lichtjahre weit weg ist, ist das doch wirklich super!

Grüße

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Diplom in Physik, Schwerpunkt Geo-/Astrophysik, FAU

Danke für die Antwort das sieht aus wie ein schwarzes loch

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@Chilloma

Das ist kein Schwarzes Loch... wie ich geschrieben habe, muss der Zentralstern für solche Aufnahmen abgedeckt werden. Der überstrahlt sonst alles. Der schwarze Kreis in der Mitte ist nichts anderes als diese Abdeckung im Aufnahmegerät.

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Vielen Dank an Ute.

Kleine Ergänzung für den FS:

Das dargestellte Bild wurde aus Messungen des Teleskops berechnet.

Niemand hat das als direktes Bild im Teleskop gesehen. Es ist aus Messdaten von mehreren Jahren entstanden.

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Guten Tag Ute - und vielen Dank für diese Informationen und Links. Für die Erstellung der Animation von HR_8799 wurde allerdings (außer der ausgeklügelten Aufnahmetechnik) auch noch etwas "getrickst". Man stützte sich auf nur 7 (sieben) Einzelaufnahmen aus einem über 7 Jahre langen Beobachtungszeitraum. Dann wurde die Animation durch Interpolation auf dem Computer erstellt, um eben nicht bloß 7 Einzelbilder, sondern eine anscheinend "kontinuierliche" Bewegung der Lichtflecke zu erzeugen. Natürlich wäre es viel zu aufwendig und viel zu teuer gewesen, über die 7 Jahre weg nicht nur 7, sondern z.B. 700 Einzelaufnahmen des Systems zu machen, um daraus einen kurzen Zeitraffer-Film zu erstellen.

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