Wenn Gott alles mit Gründen und Zwecken erschafft, warum hat er dann die Hölle erschaffen... Was sollte man daraus lernen, wenn man eh' für immer darin bleibt?

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Die Hölle ist weder eine Strafe, noch dient sie zur Abschreckung.

Eine Strafe kann sie nicht sein, da eine Strafe immer die Besserung beabsichtigt. Bei einer ewigen Hölle gibt es aber kein Danach, für welches dann eine Besserung erzielt werden sollte.

Eine Abschreckung ist die Hölle ganz und gar nicht, da völlig offensichtlich jemand, der Böses tun will, es dennoch tut. Angst vor der Hölle haben eigentlich nur Menschen, die sich um das Gute bemühen und dabei Sorge (bis hin zu Skrupeln) haben, ob sie denn auch wirklich gut genug seien.

Die Hölle ist nichts, das erschaffen wurde, sondern es ist ein innerer Zustand.

In der Hölle befinden sich nach christlicher Lehre ausschließlich diejenigen Menschen und Engel, die das auch wollten.

Die Entscheidung heißt: Bei Gott sein bzw. nach seinem Gewissen handeln oder: Sich gegen Gott und gegen das eigene Gewissen entscheiden.

In sofern hat Gott die Hölle zugelassen, um niemanden zu zwingen, bei Ihm zu sein, sondern auch fern von Ihm sein zu können.

In der Hölle gibt es also nur Freiwillige. Und die Hölle ist auch nicht ein äußeres Feuer oder andere Qualen, wie sie z.B. Dante in seiner "Göttlichen Komödie" beschreibt.

Die Hölle besteht in einem Mangel an dem, was innerlich Frieden oder Gemeinschaft, Individualität, Erfüllung und ähnliches gibt.

Der Mensch leidet dann an seiner eigenen Rebellion, an seinem In-sich-selbst-gefangen-sein, an seinem Widerspruch gegen das eigene Gewissen, und dass er nicht zu seiner eigenen Vollkommenheit bzw. zu seinem wahren Selbst gekommen ist.

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Danke für deine tolle Antwort

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Hallo 65matrix58,

leider ist durch die Höllenlehre ein völlig falsches Bild von Gott entstanden und es entstehen viele Widersprüche. Ich kann zu Deiner Beruhigung sagen, dass es gem. er Bibel eine ewige Strafe durch ein Höllenfeuer nicht gibt. Das haben auch einige Kirchenlehrer erkannt, z.B. John R.  W.  Stott aus Großbritannien, der schreibt, dass die „Heilige Schrift auf Vernichtung hindeutet“ und daß „die Lehre von der ‚ewigen Qual bei Bewußtsein‘ eine Überlieferung ist, die sich der höchsten Autorität der Heiligen Schrift unterordnen muß“ (Essentials—A Liberal-Evangelical Dialogue).

Die Bibel lehrt also eindeutig nicht, dass Menschen für böse Taten oder Ungehorsam ewige Qualen in Aussicht stehen. In vielen Bibelübersetzungen erscheint zwar mehrfach das Wort "Hölle", doch gibt dieser Begriff nicht den eigentlichen Sinn der zugrundeliegenden Wörter aus dem ursprünglichen Text der Bibel wieder.

In den hebräischen Ursprungstexten findet man z.B. das Wort "scheol", dass manchmal mit dem Begriff "Hölle" wiedergeben wird. Da es kein genau entsprechendes deutsches Wort für "scheol" gibt, haben es einige Übersetzer in dem ursprünglichen Wortlaut wiedergegeben. Dieses Wort wird zwar in einigen Übersetzungen manchmal mit "Totenreich" oder "Hölle" übersetzt, gibt damit jedoch die alttestamentliche Bedeutung dieses Begriffs nicht richtig wieder.

In der Encyclopædia Britannica (1971, Bd.  11, S.  276) heißt es dazu: : „Der Scheol war irgendwo ‚unter‘ der Erde. Die Toten empfanden dort weder Schmerz noch Freude. Mit dem Scheol war weder eine Belohnung der Gerechten noch eine Bestrafung der Bösen verbunden. Gute und Schlechte, Tyrannen und Heilige, Könige und Weise, Israeliten und Heiden — alle schliefen zusammen, ohne voneinander zu wissen.“

Damit ist "scheol" einfach sozusagen der symbolische Aufenthaltsort der Toten oder das allgemeine Grab der Menschheit. Dies ist in Übereinstimmung mit vielen weiteren Aussagen des Alten Testaments, so z.B. dieser: "Denn die Lebenden sind sich bewusst, dass sie sterben werden; was aber die Toten betrifft, sie sind sich nicht des geringsten bewusst, auch haben sie keinen Lohn mehr, denn die Erinnerung an sie ist vergessen...Alles, was deine Hand zu tun findet, das tu mit all deiner Kraft, denn es gibt weder Wirken noch Planen, noch Erkenntnis, noch Weisheit in dem Scheọl, dem Ort, wohin du gehst (Prediger 9:5,10). Um durch ein Höllenfeuer gequält zu werden, muss man jedoch ein Bewusstsein haben also am leben sein.

In dem englischsprachigen Lexikon Collier’s Encyclopedia wird dies bestätigt, da man hier über das Wort „Hölle“ folgendes lesen kann: "In erster Linie steht es für das hebräische Wort Scheol im Alten Testament und für das griechische Wort Hades in der Septuaginta und im Neuen Testament. Da Scheol in alttestamentlichen Zeiten einfach den Aufenthaltsort der Toten meinte, ohne zwischen den Guten und den Bösen zu unterscheiden, ist das Wort ‚Hölle‘, wie man es heute versteht, keine glückliche Übersetzung." ( Collier’s Encyclopedia, 1986, Bd.  12, S.  28).

Wenn also die Lehre vom Höllenfeuer keine biblische Lehre ist, sondern eher ein Mythos, warum findet sie innerhalb der Christenheit überhaupt Anhänger? Die Erklärung dazu liefern die beiden Auszüge aus verschiedenen Nachschlagewerken:

„Unter den klassischen griechischen Philosophen ist Platon derjenige, der den traditionellen Gedanken von der Hölle am meisten geprägt hat“ (Die Hölle: zur Geschichte einer Fiktion von Georges Minois, Seite  63).

„Ab Mitte des 2.  Jahrhunderts  n.  Chr. verspürten Christen mit einer gewissen Vorbildung in griechischer Philosophie den Drang, ihrem Glauben in entsprechenden Begriffen Ausdruck zu verleihen .  .  . Die Philosophie, die ihnen am geeignetsten erschien, war der Platonismus“ (The New Encyclopædia Britannica, 1988, Band  25, Seite  890).


Die Höllenlehre ist somit keine biblische, sondern eine Lehre, die durch die Philosophie in die kirchliche Lehre Eingang fand. Die Frage ist also: Was ist glaubwürdiger - die Aussagen der Bibel oder die philosophischer Lehrer früherer Zeit? Das muss sich jeder selbst beantworten.

LG Philipp

Wer hat das "Nichts" um unser Universum geschaffen? (wenn es sich ausbreiten kann, kann ja da nichts sein. also muss da "nichts" sein. aber ... geschaffen hat es niemand. es War da).

Gott hat die "Hölle" auch nicht geschaffen.
Hölle heißt "Gottesferne". Gott kann keinen Kontakt mit Sünde haben. Deshalb werden irgendwann alle von ihm geschaffenen Wesen gerichtet nach ihren taten bzw. ob sie bereit waren/sind Gott als ihren Schöpfer und Herrn anzuerkennen. Und dann wird sich Gott von denen zurückziehen und keinen Kontakt mehr mit ihnen haben (können/wollen).
Gott durchdringt bisher alles ("ich lasse die sonne über allen aufgehen"). Irgendwann ist das aber vorbei. Und erst dann wird man merken was man hatte.
solange man Luft hat wird sie nicht wirklich wahrgenommen. ist sie aber weg ... Das Leben hier wäre auch zu ende wenn die sonne tatsächlich nicht mehr scheint (ist also eigentlich auch unwissenschaftlich zu sagen "die sonne scheint nicht"). und genauso werden wir jetzt nicht merken das Gott alles durchdringt und da ist. erst wenn es zu spät ist.
Es wird immer geredet davon, das das alles nur wegen Angst gemacht wurde etc. finde ich quatsch. Ich finde es gut wenn man gewarnt wird. Wird ja auch im hier und jetzt immer wieder gemacht:
* fahren Seit nicht zu schnell. kostet x Euro
* bringe niemanden zum. kommst in den Knast.
was wäre das wiederum für ein Gott der uns das NICHT sagen würde und irgendwann: ätsch bätsch. ab in die Hölle. DAS fände ich sadistisch.
ach ja .. in der Bibel steht nix davon dass das nur temporär wäre (wie manche sich erhoffen). es steht auch nix darüber drin dass der Teufel uns in der Hölle quälen wird (er wird selbst in die Hölle geworfen; ist also auch jetzt noch nicht dort). Uns würde dort nur die Gottesferne quälen, nichts anderes.

PS: ich habe ja nix gegen "Pfeil runter"; wäre nur schön wenn ihr das plausibel erklären könnt.

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