Wenn ein Polizist auch Jäger ist, welche Waffenbesitzregeln gelten für ihn dann, die als Polizist oder die als Jäger, darf er doppelt bewaffnet sein?

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8 Antworten

Für den Polizisten als Jäger gelten die allgemein gültigen Vorschriften.

Für den Polizisten als Waffenträger in seiner Freizeit gelten die dienstlichen Vorschriften.

Eine Vermengung beider Rechtsgebiete gibt es nicht. 

Würde ein Polizeibeamter aber seine Jagdwaffe benutzen, um eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung abzuwehren, sprich: er erschießt mit seinem Jagdgewehr einen wildgewordenen ausgebrochenen Bullen, dann gilt das Polizeirecht. 

Als Privatperson gelten für ihn die selben Regeln wie für alle anderen Waffenbesitzer auch. Die einzige Ausnahme ist, wenn der Dienstherr es zulässt, dass er seine Dienstwaffe auch mit nach Hause nehmen kann. Ein Polizist kann sich auch jederzeit selbst in den Dienst versetzen und die Dienstwaffe dann entsprechend führen. Die Eigenschaft als Polizist reicht aber weder für den Erwerb privater Waffen, noch für das Führen dieser aus. Wenn er also Jäger und Jagdscheininhaber ist, darf er seine privaten Jagdwaffen außerhalb des vom Bedürfnis umfassten Zwecks trotzdem nicht führen, nur weil er seine Dienstwaffe führen darf. Hier gilt das Waffengesetz genauso wie für jeden Nicht-Polizisten.

DrCyanide3 19.06.2017, 09:17

Die Dienstwaffe darf er auch nicht für private Zwecke (z. B. Fangschuss bei der Jagd) benutzen, genau so wenig wie er seine privaten Jagdwaffen dienstlich einsetzen darf. Also so wie du es wahrscheinlich mit "doppelt bewaffnet" gemeint hast: Nein, das darf er nicht.

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furbo 19.06.2017, 09:28
@DrCyanide3

genau so wenig wie er seine privaten Jagdwaffen dienstlich einsetzen darf. 

Das sehe ich anders. Zur Gefahrenabwehr wäre das durchaus drin. 

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ES1956 19.06.2017, 10:11

Hat nicht die Münchner Polizei 1972 in FFB Polizisten mit privaten Jagdwaffen eingesetzt?

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furbo 19.06.2017, 10:56
@ES1956

Ja. Und die Polizeibeamten waren einfache Schutzleute, keinerlei Spezialausbildung. Das Desaster war dann der Anlass für Genscher, die GSG 9 zu gründen. 

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DrCyanide3 19.06.2017, 10:15

@furbo Ja, wenn er zu Hause oder bei der Jagd im Wald in eine entsprechende Situation kommt darf er das natürlich. Das darf aber jeder andere Jäger/Waffenbesitzer auch (Notwehr/Nothilfe) und es hat nichts mit dem Polizeidienst zu tun. Er darf aber seine private Waffe nicht mit zum Dienst nehmen.

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furbo 19.06.2017, 10:54
@DrCyanide3

Auch das sehe ich immer noch anders. Muss aus Gründen der Gefahrenabwehr ein Tier aus der Entfernung getötet werden, so kann das durchaus der Polizeibeamte mit seiner privaten Jagdwaffe, die er, aus welchen Gründen auch immer, in seiner Reichweite hat. Der Schuss aus der Jagdwaffe ist dienstlich erforderlich und gerechtfertigt. 

Spinne meinen Fall weiter .. der Beamte hat zwar seine Jagdwaffe in Reichweite, aber aus den von dir genannten Gründen schießt er nicht. 50m weiter tötet der Bulle einen Menschen... wäre der Beamte einer meiner Mitarbeiter, würde ich gegen ihn einleiten.  

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DrCyanide3 19.06.2017, 10:17

@ES1956 Das weiß ich jetzt nicht, aber da wird es dann wohl einen entsprechenden Erlass gegeben haben.

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DrCyanide3 19.06.2017, 11:48

Aber das ist doch bei einer Privatperson das gleiche. Wenn ich als Waffenbesitzer sehe, dass ein wildes Tier drauf und dran ist Menschen anzugreifen und davon auszugehen ist, das dies tödlich enden kann, darf ich das Tier ebenso erschiessen. Dass es in Notfällen keine Rolle spielt welche Schusswaffe verwendet wird ist ja unbestritten, aber der Fragesteller wollte wohl darauf hinaus ob ein Polizist z. B. sein privates AR-15, dass er auf Jagdschein besitzt, mit auf Streife nehmen und es ggf. dann im Dienst einsetzen kann. Und das ist eben nicht gestattet.

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furbo 19.06.2017, 12:14
@DrCyanide3

Ich sehe schon, auf einen Nenner kommen wir nicht. 

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wiki01 19.06.2017, 12:23
@DrCyanide3

Man kann ein AR-15 nicht auf einen Jagdschein besitzen. Das Gewehr unterliegt dem KWKG, weil es alle Merkmale einer vollautomatischen Kriegswaffe hat.

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DrCyanide3 19.06.2017, 14:32

Ähh, nein, das wichtigste Merkmal fehlt, der vollautomatische Feuermodus. Das AR-15 ist die zivile halbautomatische Version des vollautomatischen Sturmgewehrs und darf ohne Probleme von Zivilisten (sowohl Jäger als auch Sportschützen) besessen werden. Bitte erstmal informieren bevor man postet!

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Natürlich muss er doppelt bewaffnet sein. Er wird ja kaum mit seiner Dienstpistole auf Jagd gehen. Genauso wenig wird er mit einer Jagdwaffe Dienst beim G20-Gipfel schieben.

Während der Jagd dürfte er seine privaten Jagdwaffen (plural) + seine Dienstwaffe führen.
Im Dienst und privat ausserhalb der Jagd nur die Dienstwaffe.

Einen kleinen Vorteil hat er allerdings: Der Sachkundenachweis entfällt für ihn.

wiki01 19.06.2017, 12:32

Der Sachkundenachweis entfällt für ihn.

Das ist falsch. Auch ein Polizist, und im übrigen auch ein Soldat, muss seine Sachkunde nachweisen. Selbstverständlich tut er sich dabei leichter, wenn es um eine normale WBK geht. Macht ein Polizist oder ein Soldat einen Jagdschein, befreit ihn seine berufliche Tätigkeit nicht von dem Sachkundelehrgang. Im Gegenteil. Bei dem Sachkundelehrgang für Jungjäger sind schwerpunktmäßig die jagdlichen Belange maßgeblich. Da geht es um Dinge, mit denen ein Polizist nie oder selten in Berührung kommt. Und um Munition, die bei Polizei und BW nicht verwendet werden.

Ich kenne kaum einen Polizisten oder Soldaten, die etwas wissen über Stecher, Drillinge, Schonzeitbüchsen, Chokebohrungen, und wann man welche einsetzt. Oder über jagdliche Visierungen und Absehen.

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welche Waffenbesitzregeln gelten für ihn dann, die als Polizist oder die als Jäger

Wenn ein Polizist als Jäger unterwegs ist, weil er Jäger ist, dann gelten für ihn die jagdrechtlichen Waffenvorschriften. Seine Schusswaffen, die er privat für die Jagd angeschafft hat, darf er nur führen, wenn er in seinem Revier seinem Waidwerk nachgeht. Ansonsten gelten für ihn die normalen Vorschriften für den Transport von Schusswaffen.

Immer die, die seiner aktuellen Tätigkeit entsprechen. - Eine waffenrechtliche Erlaubnis ist immere an ein Bedürfnis geknüpft.

Der Polizist unterliegt als Privatmann dem gleichen Waffengesetz wie jeder andere Bürger auch.

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