Bin ich zurückgeblieben, wenn ich Phasen habe, in denen ich die Anrede Sie nicht mag?

8 Antworten

Ich verstehe deine Frage nicht. Nachdem ich versucht habe, auf Basis der Antworten zu kapieren, was du meinst, verstehe ich aber leider noch weniger. Die Antworten passen m.E. größtenteils nicht zu deiner Frage. Na, ich versuche trotzdem eine Antwort.

Du hast also Phasen, in denen du nicht gesiezt werden möchtest und selbst auch niemanden siezen willst? Und nun willst du wissen, ob deine phasenweise Abneigung gegen das Sie bedeutet, dass du von deiner geistigen Entwicklung her nicht auf dem Stand bist, auf dem du von deinem Alter her sein müsstest?

Wann hast du diese Phasen denn? Und wie lange dauern sie? Oder meinst du nicht Phasen, sondern besondere Situationen, in denen dir ein Sie unangenehm ist?

Vielleicht bist du ein Teenager, der jetzt langsam von immer mehr Menschen als Erwachsene/r angesehen und deshalb von vielen nicht mehr geduzt wird. Auch im Gymnasium gehen ja die Lehrer ab der 11.Klasse zum Sie über. Zumindest war das zu meiner Schulzeit so. Wenn du das meinst: Ja, das ist am Anfang etwas irritierend, vor allem, wenn es sich um Lehrer handelt, die du auch in der letzten Klasse hattest. Vor den Sommerferien haben sie dich noch geduzt, und 6 Wochen später siezen sie dich plötzlich. Das fand ich damals zunächst auch mehr als komisch. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Und das Interessante ist, man fühlt sich plötzlich mehr ernst genommen, mehr auf Augenhöhe mit den Lehrern, überhaupt mit allen Erwachsenen. So ging es uns damals fast allen. Und der positive Nebeneffekt (auf jeden Fall für die Lehrer!) war, dass wir uns in der 11.Klasse plötzlich auch erwachsener benommen, also nicht mehr solch einen "Kinderquatsch" gemacht haben.

Wenn es also das ist, was du meinst, dann kann ich nur sagen: Deine erste Reaktion darauf ist ganz normal, du bist deshalb keineswegs zurückgeblieben. Vielleicht brauchst du nur ein bisschen länger, um dich daran zu gewöhnen. Nach einiger Zeit wirst du merken, dass das Sie viele Vorteile hat. Es schafft eine positive Distanz zwischen dir und anderen. Man begegnet sich einfach höflicher. Das schlägt sich auch in der ganzen Ausdrucksweise nieder. Dieses derbe Anpöbeln, das mit dem Du möglich ist, hört sich mit einem Sie nämlich ziemlich "daneben" an. Man vergreift sich also auch in einer Situation, in der man wütend ist, nicht so schnell im Ton.

Und das Du ist ja nicht weg. Ne, unter Studenten ist es sowieso üblich. Auch in Lokalen, die vorwiegend studentisches Publikum anziehen, ist das Du an der Tagesordnung, es sei denn man ist deutlich jenseits der "jung"-Grenze. Da fühlt sich dann evt. ein betagter Mensch wie ich geradezu geschmeichelt, wenn er noch nicht "respektvoll ausgegrenzt" wird. Auch im Berufsleben ist es in vielen Bereichen üblich, sich zu duzen oder man geht zumindest unter Kollegen auf der gleichen Ebene relativ schnell zum Du über, wenn man erst mal warm geworden ist. Auf jeden Fall sollte es nicht (wie früher) vorkommen, dass der Meister den Azubi duzt, der Azubi aber den Meister zu siezen hat - das wäre anmaßend!

Ansonsten, in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Umgangs miteinander ist es doch schön, wenn einem nach einiger Zeit von jemandem das Du angeboten wird oder umgekehrt. Man gibt sozusagen die "markierte Schutzzone" auf, bittet den anderen herein und zeigt ihm damit auch an, dass man ihm vertraut und gern mehr Nähe zu ihm hätte.

Ich finde es wunderbar, dass wir im Deutschen genauso wie in den romanischen Sprachen diese zwei Möglichkeiten haben und dass beides durchaus nicht immer das Gleiche bedeutet. Wenn ich jemanden nicht sonderlich mag, dann möchte ich überhaupt nicht mit ihm per Du sein. Es gibt aber andere Menschen, mit denen ich gerade deshalb, WEIL ich sie so sehr schätze, die Grenze zum vertraulichen Du nicht überschreiten möchte.

Eine wunderschöne Antwort!

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@Tanzistleben

Ich bin 35 und 15 Jahre lang hat das mit dem Sie auch super geklappt.

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@Johanna842

Sollte dein Kommentar wirklich an mich gehen oder eher an den Antworter spanferkel14?

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Nein, das Sie ist etwas, was den gesellschaftlichen Umgang komplizierter macht. Darum sollte es abgeschafft werden, so wie auch alles andere Unnütze abgeschafft werden sollte.

Zwar kann der Staat Privatleute nicht zwingen, auf das Sie zu verzichten, er kann aber Beamte anweisen, im Dienst nur das Du zu verwenden und auch in offiziellen Texten nur noch das Du zu schreiben. Das gilt auch für Lehrer. Damit wäre dann ganz schnell das Ende des "Sie" gekommen, denn niemand würde es noch benutzen.

Und was unnütz ist oder nicht, bestimmt jetzt genau wer? Schon einmal etwas von Respekt, gutem Benehmen und Kultur gehört? Ich fürchte nicht!

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Wtf? Natürlich NICHT!

Das ist halt einfach eine persönliche Vorliebe. Du kannst ja auch nicht sagen, jemand sei zurückgeblieben, weil er jedes Wochenende in einen Swinger-Club geht oder gerne Fensterbilder häkelt oder seine Bekannten immer mit "Hey, du" begrüßt.

...oder jemand wie ich, der es ablehnt, ohne mein Einverständnis geduzt zu werden. Social media ist eine große Ausnahme. Überall anders protestiere ich scharf, wenn irgendjemand versucht, mich ohne vorher zu fragen, zu duzen. Firmen, die mich in ihrer Werbung per Du ansprechen, können ihren Kram gleich behalten.

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zurückgeblieben ? na danke - ich bin ü60 und duze eigentlich die meisten leute, ob junge oder alte ist mir egal. wenn sie mir smpathisch sind geht mir das °°du°° automatisch über die lippen

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

zurückgeblieben - oder: fortschrittlich.
Kommt auf die Person und die Umstände drauf an.

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