Wenn die Zeit dinge verändert, ist das noch gut?

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7 Antworten

Hallo  Hehl18,

mit jedem Blick auf mein Leben stehen ich unter dem Einfluss gegenwärtiger Wünsche und Ängste.

Dein Leben hat sich mit dem ersten Semester radikal verändert. Was Du schreibst, vermittelt mir den Eindruck, dass Du noch nicht herausgefunden hast, welche Wünsche Du in Deinem Leben verwirklichen willst, vor welchen Ängsten Du Dich bewahren möchtest.

Kann es sein, dass all das Neue für Dich noch  keine scharfen Konturen bekommen hat, dass Du daher noch nicht genau weißt, wozu Du Dich entschließen sollst?

In der Vergangenheit fügte sich vieles  meist wie von selbst. Ungeplant waren die Lebensverhältnisse einfach da. So ein schlichtes und im Rückblick glückliches Da-Sein scheint jetzt entschwunden.

Die Freunde von damals – besonders die Urlaubsfreunde! -  gehen ihre eigenen Wege, ziehen zum Studium in eine andere Stadt. Einer hat sich abgespalten, weil er irgendwie zu Gott gefunden hat und deswegen einen anderen Lebensstil eingeschlagen musste.

Die Trennung von ihm geht Dir wohl besonders nahe.

Auch bedauerst Du die Trennung von dem Freund, der zum Studium weggezogen ist und nun Dir vorschwärmt, wie er sein neues, tolles Leben lebt.

Du hast Deine gegenwärtige Lage ja selber kritisch auf den Punkt gebracht:

Alles befindet sich im Umbruch und je mehr Zeit verstreicht, desto mehr wird mir klar, wie sehr ich die Vergangenheit vermisse und in ihr feststecke.

In der Vergangenheit steckst Du fest, weil die Herausforderungen der Gegenwart noch nicht zu Dir gekommen sind. Ich glaube, wir haben ein erfülltes Leben, wenn wir in der Spur unseres Lebens bleiben können.

Schwierig ist es nur, herauszufinden, was das Leben von uns will.

Mein Eindruck ist, dass Du vor der Aufgabe stehst, Dein eigenes Leben zu entdecken.

Wenn Du Dir dafür viel Zeit nimmst, Zeit in der Du Deinen eigenen Gefühlen und Gedanken zuschaust, Dich ernsthaft auf diese abenteuerliche Reise in Dein Inneres begibst, dann kommen plötzlich Bilder Deiner Zukunft zu Dir.

Ein wehmütiger Blick auf die Vergangenheit mag bleiben. Aber der wird Dich dann nicht mehr an Deiner Freude auf Deine Zukunft hindern.

Und das Glück, das mensch in fernen Ländern sucht,  findet er nicht selten vor der eigenen Haustür.

Tja, willkommen im Leben!

Wo steht geschrieben, dass nicht mit alten Freunden Urlaub machen kannst, weil jetzt eine Freundin hast? Erkläre es ihr und gib auch ihr die Chance, lieb gewonnene Kontakte zu pflegen, wenn sie das nicht ohnehin schon tut.

Mädels sind da meist erstaunlich unkompliziert.

Blicke stets nach vorn, denn was hinter Dir liegt, kannst nicht mehr ändern und es kehrt nie wieder zurück.

Du wirst im Leben noch öfter an einem Punkt ankommen, wo sich vor Dir eine Tür öffnet und hinter Dir eine andere schließt.

Manche Menschen werden Dich länger begleiten und ein großes Stück des Lebensweges mit Dir gemeinsam gehen, andere sind nur kurz Gast.

Lass sie ziehen und bewahre Dir die schönen Erinnerungen, was ja offensichtlich auch tust.

Bleibe neugierig. Kindliche Neugier ist charmant und eröffnet neue und manchmal ungeahnte Wege.

Finde neue Freunde. Du weißt, wie es geht, denn Du hattest schon welche.

Das Leben ist ein Auf und Ab und nur, wer das Ab wirklich kennt, weiß das Auf zu schätzen.

Lass Dich nicht hängen, es wird besser.

Jeder Mensch hat mal so eine Zeit, wo er denkt: "Früher war alles besser!" Du vermisst die alte Zeit und wünscht sie dir zurück, logisch.

Man kann es jedoch nicht immer ändern und muss die Dinge einfach so akzeptieren wie sie sind. 

Freundschaften halten nicht immer ewig, denn jeder geht den Weg den er gehen will bzw. den Weg der für ihn vorgesehen ist.

Du gehst deinen Weg und wirst auch noch viele schöne Momente erleben!

Das Verhalten von dir nennt man einfach Nostalgie. :)

Du bist ein Gewohnheitstier und kannst Dich schlecht an neue Lebenssituationen gewöhnen.

Dass Du immer noch in Deiner Geburtsstadt lebst, liegt einfach daran, weil Du Dich dort wohl fühlst.

So wie Dein Kumpel von seinem neuen Leben in der Ferne schwärmt, findest Du nur deshalb toll, weil es Dein Kumpel ist, der das sagt und Begeisterung per se eben ansteckend ist. Wenn Du wirklich die freie Wahl hättest zu gehen oder zu bleiben, würdest Du trotzdem bleiben. Selbst wenn Du Dich in die Ferne zwingen würdest, bliebe Dein Herz "zu hause" und Deine Sehnsucht würde Dich immer wieder "heim" ziehen. Somit könntest Du niemals an einem anderen Ort – und sei er noch so toll und aufregend – "zu hause" sein.

Dies ist aber auch nichts Schlimmes. Das einzig Unangenehme daran ist einfach, dass nicht Deine ganze Welt so ist und sich weiter bewegt und ändert.

So gesehen wird Dir auf lange Sicht nichts Anderes übrig bleiben, als Dich wenigstens daran zu gewöhnen.

Du bist gerade in einer Übergangsphase. Wenn Du Dich mit Deiner Freundin so richtig zusammen geschmissen hast, Ihr evtl. mal heiratet, hast Du nur noch Augen für sie. Und wenn Ihr sogar mal Kinder haben werdet, dann muss man Dich erst an Deine jetzige Sehnsucht erinnern, damit sie Dir wieder einfällt, denn dann bist Du mit Deinem Kopf ganz woanders.

Aber etwas kannst Du machen, um Dich besser an den Wandel des Lebens zu gewöhnen:

Zieh in Deine eigene Wohnung – weit weg von Mutti. Führe Deinen eigenen Haushalt und führe ihn auch selbst und lass nicht Deine Wäsche von Mutti oder Freundin waschen. Ich hoffe, dass das bei Dir finanziell drin ist, denn dieser Schritt zwingt Dich in die Veränderung, die Du unbewusst ablehnst. Mach auch nicht den Fehler, gleich mit Deiner Freundin zusammen zu ziehen, denn dann wirst Du sie als Mama-Ersatz missbrauchen – da ist der Stress später echt vorprogrammiert.

Alleine klar zu kommen ist eine Herausforderung, die Du noch meistern musst. Aber diese Herausforderung wird Dich verändern – zu einem besseren und stärkeren und bewussteren Menschen. Und schon bald wird Dir klar werden, dass Dich das alte Leben nicht mehr zieht.

Leben heißt Veränderung. Stillstand ist der Tod.

Ein blöder Spruch, aber irgendwann wird es Dir ganz klar einleuchten. Das hat auch nichts mit "abstumpfen" oder "alt werden" zu tun. "Alt sein" und "alt werden" sind auch zwei völlig verschiedene Paar Schuhe.

Leider sind dies Erkenntnisse, die man nicht vermitteln kann. Man kann sie nur erfahren und erleben.

Kopf hoch, junger Mensch! Du stehst erst ganz am Anfang eines langen Weges. Wie aufregend und spannend oder beruhigen und bequem dieser Weg auch immer sein wird, liegt allein in Deinen Händen und in Deiner Einstellung. Inzwischen hast Du ein bisschen was vom Leben mit bekommen und nun wirst Du erwachsen. Damit hast Du alles was Du brauchst, um der Lenker Deines Lebens zu sein.

Die Augen weit, die Ohren offen und den Verstand wach, dann wirst Du einmal Meister sein.

Es wird immer besser – wenn Du es zulässt!

Hehl18 23.02.2017, 11:17

Gute worte, danke

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Meine Lebenserfahrung ist zwar nicht Grad die größte, aber ich kann dir meine Gedanken dazu gerne aufschreiben. Ich empfinde das gleiche im Bezug auf die Vergangenheit. Wenn man sich zurück errinert, hat man oft das Gefühl das die Zeit damals einfach besser war. Man hatte so viele Glücksgefühle jeden Tag, und das ganz ohne Drogen, Alcohol, Zigaretten usw usw. Man hatte unglaublich feste und starke Freundschaften mit Menschen die einem unendlich viel bedeutet haben. Ich denke es gibt verschiedene Gründe warum das heute nicht mehr so ist, bzw warum das Leben weniger schön erscheint, als damals. Meiner Meinung nach hat das natürlich mit einem selbst zu tun. Man ist noch Jung, jede erste neue Erfahrung fühlt sich besonders schön. Man hat ein Unglaublichen Tatendrang neues zu entdecken, die Welt gleicht einem riesigen Spielplatz. Sorgen und Ängste kennt man nicht, sofern man eine stabile Familie hat... Dann wird man älter und mit der grausamen Realität der heutigen Gesellschaft und dem System der Dinge konfrontiert. Man merkt das mit dieser Welt etwas nicht stimmt, merkt wir kaputt das System doch eigentlich ist. Man muss aber gleichzeitig jeden Tag Aufstehen und weitermachen. Man fängt an sich diesem System anzufangen, ja seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Die harten und schlechten Tage werden immer mehr. Diese komplizierte Welt, die man damals nicht kannte zerrt an der Substanz. Viele werden depressiv und merken es gar nicht wirklich. Es wird eine Art Dauerzustand. Die schönen Gefühle, die damals den Alltag bestimmt haben, bleiben nun nicht mehr als eine schöne errinerung. Selten gibt es noch Tage die einen wirklich mit Glück erfüllen. Das Leben scheint einem Kampf gleichzuwerden... Ich weiß genau was du empfindest. Glaub mir das geht vielen so. Das System heutzutage ist einfach komplett für den Arsch. Es ist eine hoffnungslose Situation, solange die Mehrheit nicht aufwacht und dagegen was unternimmt.

Der berühmte Komiker und Kabarettist Karl Valentin hat einmal gesagt: "ja, früher! Früher war ja auch die Zukunft noch besser!"

Und wie recht er doch hatte! Denn zu seiner Zeit hat es noch echte Komiker und Kabarettisten gegeben, und keine Comedians, die nach dem Motto agieren: "Witz, komm' heraus, du bist umzingelt"!

Radio Eriwan antwortet:

Im Prinzip ja. Weil sonst ein fertiger Akademiker immer noch so unbedarfte Fragen stellen würde wie nach dem ersten Semester.

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