Wenn die Korallenriffe absterben, sterben die Fische ab - stimmt das?

5 Antworten

Sicher trifft das nicht auf alle Fischarten zu, denn nicht alle Fische laichen in tropischen Korallenriffen ("unsere" heimischen Fische in Nord- und Ostsee z. B. nicht) auf den Großteil von ihnen aber schon.

Die tropischen Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in unseren Ozeanen. Ihre Artenvielfalt ist in etwa vergleichbar mit den immergrünen tropischen Regenwäldern am Äquator. Die Hochsee dagegen ist vergleichbar mit den Wüsten an Land. Das meiste Leben in den Ozeanen spielt sich in den küstennahen Gewässern ab. Fast alle Fischarten haben ihre Kinderstube in küstennahen Gewässern, z. B. in Korallenriffen oder in Mangrovenwäldern. Dort können ihre Jungen sich einigermaßen gut vor Räubern verstecken und können vergleichsweise wohlbehütet aufwachsen, bis sie groß genug sind, um aufs offene Meer hinaus zu schwimmen, wo es keine Deckung mehr gibt.
Außerdem finden die Jungen in den küstennahen Gewässern viel Nahrung, denn in den Korallenriffen entsteht viel Biomasse durch Photosynthese. Die Korallenpolypen leben nämlich in Symbiose mit einzelligen Algen, den Zooxanthellen. Die Biomasse, die sie aufbauen, ernährt letzten Endes das gesamte Ökosystem. Dafür ist aber Sonnenlicht notwendig und das wird vom Wasser sehr schnell verschluckt. Deshalb dringt nur in die oberen Wasserschichten genug Sonnenlicht vor, um damit Photosynthese betreiben zu können und deshalb sind die küstennahen, flachen Schelfbereiche besonders gut für die Photosynthese geeignet. Auch auf dem offenen Meer wird der Großteil der Biomasse an der Oberfläche generiert. In der Tiefsee lebende Arten ernähren sich von dem, was als so genannter Meeresschnee oder Detrtitus vom Buffet an der Oberfläche übrig bleibt und nach unten rieselt - hauptsächlich Überreste von Kadavern, abgestorbenes Plankton und Exkremente. Nur dort, wo in der Tiefsee schwarze Raucher von Schwefel-Bakterien besiedelt werden, gibt es Ökosysteme, die (fast) unabhängig von der Photosynthese an der Oberfläche sind (nur fast, weil die Bakterien für ihren Stoffwechsel Sauerstoff benötigen und sämtlicher Sauerstoff auf der Erde ist durch Photosynthese entstanden).

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Wenn man die Menge der Biomasse als Maßstab nimmt, dann ist die Hochsee keine Wüste. Zumindest war sie es nicht, bevor sie im ganz großen Stil leer gefischt wurde. Die Berichte von Meeren, die über und über voll mit Fischen sind, sind noch nicht so wahnsinnig alt und wegen ihrer Verbreitung und Einheitlichkeit sind diese Berichte wahrscheinlich wahr. Auch heute noch ist die Biomasse z.B. von Heringsschwärmen nicht zu unterschätzen, das sind immernoch Abermillionen Tiere. Die Individuenzahl vieler im offenen Meer lebender Arten ist größer als die Individuenzahl der meisten riffbewohnenden Arten.

Wenn man die Artenvielfalt als Maßstab nimmt, dann ist in der Hochsee wirklich sehr deutlich weniger los als in den Riffen und Küstengewässern.

Noch völlig unklar ist die Größe von Biomasse und Artenvielfalt der Tiefsee. Es gibt keine flächendeckende Tiefseeforschung, sondern nur Stichproben. Die Meeresforschung hat leider nicht die Multimilliarden Etats wie sie die Raumfahrt hat. Wenn man bedenkt, dass bei den meisten Tiefseetauchfahrten mindestens eine völlig neue Art entdeckt wird, dann kann man vorsichtig hoch schätzen, dass die Artenvielfalt in der ewigen Dunkelheit der Tiefsee wahrscheinlich höher ist als die der oberflächennahen Hochsee. Da die Tiefsee viel mehr Platz bietet als Riffe und Küstengewässer, könnte es sogar sein, dass die Artenvielfalt der Tiefsee ähnlich groß ist wie die der Riffe. Zumal optisch ähnliche Arten oft nur sehr schwer zu unterscheiden sind, wenn man sie nur von ein paar Fotos, Videoschnippseln und als totes Präparat kennt. Wir wissen es leider nicht. Und es ist zu befürchten, dass wir sehr viel davon zerstören, bevor wir es entdecken können.

Auch die Bedeutung der Hochsee für die Photosynthese ist nicht zu unterschätzen. Der Großteil der einzelligen, planktonischen Algen lebt in der offenen See und nicht an der Küste oder in Riffen und ihre Biomasse ist wahrscheinlich riesig.

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So ähnlich.

Der größte Teil des marinen Artenreichtums - zumindest was subtropische und tropische Arten betrifft - spielt sich in den Korallenriffen ab. Sterben die Riffe, dann sterben auch die meisten ihrer Bewohner, weil ihre Nahrungsgrundlage und ihr ganzer Lebensraum nicht mehr vorhanden ist. Das Ergebnis ist eine gewaltige Aussterbewelle, die weit mehr als die Hälfte aller Tierarten der Meere betrifft.

Die Zahl der Arten, deren Nachkommen im Riff aufwachsen, ist viel geringer als die Zahl der Arten, die ihr Erwachsenenleben im Riff verbringen.

Auf die Jungfische der meisten Arten (aber nicht allen) hat das Sterben der Riffe zunächst wenig Einfluss. Die meisten Arten von marinen Fischen und Wirbellosen, darunter die meisten Riffbewohner, verfolgen eine Vermehrungsstrategie, bei der unzählige Eier in die Strömung abgegeben werden und dann fernab der Riffe in der offenen See treiben. Dort schlüpfen die Larven, die zunächst weiterhin in der offenen See planktonisch leben. Sie sind nicht ortsgebunden, sie driften mit den Meeresströmungen, ernähren sich dort von kleinerem Plankton und sie wachsen. Der Hintergrund dieser Vermehrungsstrategie ist einfach. In der offenen See gibt es für so kleine Jungtiere mehr Nahrung, weil verteilt auf die riesige Fläche die Nahrungskonkurrenz nicht so groß ist wie im Riff selbst. Außerdem ist da draußen die Chance besser, aufzuwachsen ohne selbst gefressen zu werden.

Wie genau sie dann, wenn sie groß genug sind, den Weg in ein Riff finden, ist nicht ausreichend erforscht. Fische, die aktiv schwimmen können, könnten aktiv ein Riff ansteuern, hier ist eher die Frage wie sie es finden. Aber wie die unzähligen Larven von Wirbellosen das machen, ist ein Rätsel. Weder Korallen, noch Seesterne können aktiv schwimmen. Sie müssen mit der Strömung treiben und hoffen, an einem passenden Ort vorbeizukommen, wo sie sich dann fallen lassen.

Die meisten Arten, die ihr Leben in der offenen See und nicht ortsgebunden in einem Riff verbringen, sind nicht auf einen Laichplatz in einem Riff angewiesen. Je nach Art haben sie unterschiedliche Strategien für die Vermehrung. Die meisten setzen wie die Tiere der Riffe auch auf größte Zahlen winziger Nachkommen, die Laichgebiete sind aber sehr uneinheitlich. Manche laichen in der offenen See, andere im Flachwasser der Küsten oder Riffe und bei vielen Arten ist leider noch nicht genau bekannt wo sie laichen. Auf lebende Riffe sind die meisten dabei nicht angewiesen, weil das Laichgebiet nur der Treffpunkt für die Vermehrung ist, aber nicht der Ort an dem der Nachwuchs dann aufwächst.

Hey,

was sind denn "die Fische"? Wenn mit "die Fische" alle Fische im Meer gemeint sind, dann ganz sicher nicht.

Wenn damit Fische gemeint sind, die zu ihrer Lebenszeit Korallenriffe benötigen, dann klar, dann ist ihr Lebensraum weg und sie sterben.

Lebensraum der sich wandelt sorgt zwangsläufig dafür, dass andere Arten ansiedeln. Die einen gehen, die anderen kommen.

Gruß

Ohne Korallen und die von ihnen abhaengigen Meeresbewohner bricht das Oekosystem zusammen und ein von Algen dominiertes Oekosystem tritt an seine Stelle. Sobald Korallenriffe verschwinden, werden wir alles verlieren, was sie bieten, einschließlich der Artenvielfalt im Meer, der produktiven Fischerei und potenzieller Arzneimittelquellen.

Korallenriffe gehoeren zu den vielfaeltigsten und wertvollsten Oekosystemen der Erde, in ihnen wimmelt es nur so vor Leben, wobei vielleicht ein Viertel aller Meeresarten auf Riffe als Nahrung und Unterschlupf angewiesen sind. Dies ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Riffe weniger als 2 Prozent des Meeresbodens bedecken.

Immer wenn eine Art verschwindet oder stark dezimiert wird hat das nachhaltige Auswirkungen für die Natur. Die ist so komplex, daß niemand vorhersehen kann, was passieren wird. Dass dann alle Fische aussterben halte ich allerdings für unwahrscheinlich.

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