Wenn der Mensch eine Weiterentwicklung des Affen ist,warum gibt es dann noch Affen?

20 Antworten

Das ist ein Missverständnis: Menschen und Affen hatten irgendwann vor jahrmillionen mal den gleichen Vorfahren. Der hat sich zu vielen verschiedenen Unterarten entwickelt die sich immer weiter aufgeteilt haben. So entstanden nebeneinander, nicht nacheinander die Arten, die wir heute kennen.

Von Experte ThomasJNewton bestätigt

Hallo,

Erst einmal störe ich mich an dem Begriff "Weiterentwicklung". Dieser impliziert einen gerichteten Prozess hin zu einem höheren Ziel. Dabei ist jede heute lebende Art, so auch wir, lediglich an ihre Lebensverhältnisse angepasst.

Und es gibt nicht den Affen, sondern sehr viele heute lebende und noch viel mehr bereits ausgestorbene Affenarten. Insofern ist es etwas unglücklich zu sagen, wir stammen vom Affen ab, so als gäbe es nur einen einzigen. Sehr wohl aber stammen wir von Affen ab. Eben von ausgestorbenen Affenarten, die es heute nicht mehr gibt. Insofern ist deine Frage eigentlich schon hinfällig.

Zwangsläufig ist es aber nicht so, dass bei Entstehung einer Art die Ursprungsart aussterben muss, sie kann sich zB auch aufspalten, sodass dann neben der Ursprungs- noch eine oder auch mehrere Arten existieren, die aus dieser hervorgegangen sind. So kann man sich das zB bei der Entstehung der Darwin-Finken vorstellen, die aus einigen Exemplaren einer südamerikanischen Finkenart entstanden sind, die es auf die Galapagos- Inseln verschlagen hat. Dort haben sie sich im Lauf der Zeit an die zahlreichen Lebensmöglichkeiten angepasst, sich in verschiedene Richtungen spezialisiert und schließlich zu zahlreichen neuen Arten entwickelt. Warum hätte daraufhin der große Rest der ursprünglichen Art, der in Südamerika geblieben war, aussterben müssen?

Du denkst bloß weil sich einige weiterentwickelt haben, müssen es alle getan haben. Das stimmt nicht. Der Mensch hat sich zu Fuß und aufrecht entwickelt. Die Affen sind weiter auf ihren Bäumen geblieben. Überleg doch mal, rein geoökonomisch. Dort wo es Bäume gab, gab es plötzlich keine mehr. Dann haben sie eben eine alternative Lebensweise angenommen. Und alles Leben kommt aus dem Wasser. Pflanzen, Tiere, Menschen.

Liebe Grüße

Die plumpe Aussage: "Der Mensch stammt vom Affen ab!" ist falsch.

Der Mensch und die Affen haben gemeinsame Vorfahren.

Die Evolution beruht auf Anpassung an die Gegebenheit. Die Entwicklung einer neuen Spezies schließt nicht den Untergang der vorhergegangenen Spezies ein.
Die Evolution kennt kein gut gelungen oder schlecht gelungen.

Ob eine Spezies ausstirbt oder besteht, hängt einzig vom Lebensraum ab. Ändert sich ein Lebensraum zu schnell in eine FÜR DIE SPEZIES NEGATIVE Richtung, sodass die Reproduktion der Induvieden geringer ist als die Sterberate, stirbt die Spezies unweigerlich aus.

man kriegt diese Behauptung einfach nicht weg. Und da wundern wir uns, dasas Menschen so wissenschaftsresistent sind...seufz

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Weil es in der Evolution so etwas wie Höherentwicklung nicht gibt. Wäre das der Fall, müssten ja auch alle Einzeller durch höherentwickelte Mehrzeller ersetzt worden sein. Überhaupt dürfte es dann auf der ganzen weiten Welt nur eine einzige Art geben, als "höchstentwickelte" Form den Menschen. Man könnte ja genauso gut fragen: Wenn der Mensch eine Weiterentwicklung der Säugetiere ist, warum gibt es dann noch (andere) Säugetiere?

Aber so funktioniert Evolution nicht. Evolution strebt nicht nach einem "höher, besser, weiter, komplexer, intelligenter", sondern sie ist ein ungerichteter Prozess. Der Fortschritt ist in der Evolution eine Illusion, die nur entsteht, weil der Mensch sich selbst gern in den Mittelpunkt stellt. Was in der Evolution einzig zählt, ist aber nicht eine höhere Komplexität, sondern dass die Arten an ihre jeweilige ökologische Nische zum je aktuellen Zeitpunkt unter den gegebenen Umweltbedingungen angepasst sind. Einen Bandwurm gibt es, weil er an seine parasitische Lebensweise im Inneren von Wirbeltieren perfekt angepasst ist. Alles, was er benötigt, um evolutionär erfolgreich zu sein, hat er dort. Bandwürmer sind sogar den Weg gegangen, die höhere Komplexität ihrer Vorfahren aufzugeben und wurden sehr viel einfacher. Ein Bandwurm besitzt nicht einmal mehr einen Darm. Den braucht er auch nicht, denn alles, was er zum Überleben braucht, liefert ihm sein Wirt und er kann seine Nahrung direkt über seine Körperoberfläche aufnehmen. Von seinen inneren Organen sind nur noch die Geschlechtsorgane geblieben, die dafür sehr groß und sehr komplex sind.

Was die anderen, nichtmenschlichen Affen (faktisch ist der Mensch in jeder Hinsicht immer noch ein Affe) betrifft, so gibt es sie noch, weil auch sie an ihren jeweiligen Lebensraum perfekt angepasst sind.

Man nimmt heute an, dass der Mensch viele seiner Eigenschaften und Fähigkeiten entwickelt hat, weil sich sein Lebensraum stark veränderte. Die Vorfahren des Menschen und seiner nächsten Verwandten, der Schimpansrn, haben sich vor etwa 6 bis 7 Mio. Jahren in Zentralafrika getrennt. Die Linie der Menschen wanderte von dort nach Ostafrika aus, während die zu den heutigen Schimpansen führende Linie im zentralen Afrika blieb. Klimatische Veränderungen, die vielleicht mit der Gebirgsbildung im ostafrikanischen Grabenbruch zusammenhängen, führten dazu, dass die tropischen Regenwälder in Ostafrika verschwanden. Das Klima wurde trockener und es entstanden weitläufige Savannenlandschaften mit weiten Grasebenen, Buschland und Galeriewäldern. Die Fähigkeiten des Menschen halfen ihm, in dieser neuen Landschaft zu überleben und perfektionierten sich dort nach und nach. Der sich verändernde Lebensraum zwang ihn dazu. Vermutlich deshalb lernte der Mensch das Feuermachen, entwickelte eine komplexe Sprache und perfektionierte den Werkzeuggebrauch (tatsächlich stellen auch Schimpansen einfache Werzeuge her, diese Fähigkeit muss demnach bereits der gemeinsame Urahn von Menschen und Schimpansen besessen haben und an seine Nachfahren weitergegeben haben).

Der Lebensraum der Schimpansen blieb dagegen gleich, nämlich tropischer Regenwald. Ihre Vorfahren waren an dieses Ökosystem schon hervorragend angepasst, für sie bestand demnach einfach nicht die Notwendigkeit, sich zu verändern. Warum sollte man auch ein evolutionär erfolgreiches Modell verändern?

Auch heute sind Schimpansen in ihrem Lebensraum perfekt angepasste Überlebenskünstler. Leider sind sie heute stark bedroht. Schuld daran ist aber nicht mangelnde Anpassungsfähigkeit, sondern der Mensch. Er zerstört ihre natürlichen Lebensräume. Außerdem werden Schimpansen gewildert. Man tötet die erwachsenen Tiere, um die Jungtiere an reiche Menschen zu verkaufen, die sich die Schimpansen als exotisches "Haustier" halten wollen. Schätzungsweise müssen für einen in Gefangenschaft lebenden Schimpansen zehn Schimpansen getötet werden! Man braucht kein Rechengenie zu sein, um zu begreifen, dass die Art dadurch in wenigen Jahrzehnten ausgerottet sein könnte, wenn sie nicht besser geschützt wird.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

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