Wenn an meiner Tissot Uhr an der linken Seite eine Kleine "Einkerbung" ist an der steht HELIUM VALVE, was bedeutet das dann?

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2 Antworten

Bei Taucheruhren findet man des öfteren ein sogenanntes Heliumventil. Dieses gibt es als automatisches Ventil (meist flach integriert) oder als manuell verschraubbare Variante (ähnlich einer Krone).

Der Gedanke dahinter (so die Werbung): In großen Wassertiefen dringen kleine Heliumatome in die Uhr ein, da diese durch die Dichtungen passen. Sollte man die Uhr nun einer plötzlichen äußeren Druckentlastung (Wasseroberfläche) aussetzen, wäre der Innendruck im Gehäuse so groß, dass das angesammelte Helium das Glas aufsprengen kann. Um dieser Gefahr zu entgehen, entweicht der Überdruck in der Uhr über das Heliumventil.

Soweit das, was man als Kaufgrund anführt.

Schauen wir mal auf die Tatsachen: Das Eindringen von Heliumatomen setzt das Vorhandensein von Helium voraus. Das ist nicht im Wasser enthalten, sondern in einem für Berufstaucher in großen Tiefen erforderlichen Atemgasgemisch, was Helium beinhaltet. Dieses Atemgasgemisch ist u. a. in der Atmosphärevon Taucherglocken vorhanden, in denen sich die Taucher während der Arbeit aufhalten. Von diesen Spezialtauchern dürfte es im Übrigen nur wenig mehr als eine Handvoll weltweit geben. Also haben wir Druck und Helium in der Atmosphäre. Jetzt erst hat man die Situation, dass Helium in die Uhr eindringt und den Innendruck erhöht.

Aber wie kommt man nun zum plötzlichen Druckverlust? Eigentlich gar nicht. Denn für die Taucher ist es lebensnotwendig, dass sie nach getaner Arbeit sehr langsam an den Oberflächendruck angepasst werden müssen. Und jetzt rate mal, wie lange... Diese Taucher befinden sich bis zu drei Wochen in einer Dekompressionkammer! Das sollte ausreichen, dass auch das allerletzte Heliumatom die Uhr wieder verlassen wird.

Selbst wenn man eine Uhr aus der Tiefe ganz allein mit einem Auftriebskörper umgehend zu Oberfläche aufsteigen ließe, würde auf dem Weg das Helium schon soweit austreten können, dass der Überdruck - an der Oberfläche angekommen - an heutigen professionellen Taucheruhren nicht für eine Absprengung ausreichen würde. Man hat heute 4-5 mm dicke Saphirgläser, die deutlich aufwendiger eingefasst sind als früher. Die Dichtungen geben heute 200 bar und mehr her. Selbst das Eindringen von Helium darf bezweifelt werden.

Abschließend bleibt nur die Erkenntnis, dass ein Heliumventil eigentlich nichts weiter ist, als eine weitere Schwachstelle für Undichtigkeiten am Gehäuse. Und so überflüssig wie ein Tourbillon...

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Kommentar von MJH1998
03.12.2015, 09:30

krass voll gut ausführlich danke:D

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Eine Röhre, die mit He gefüllt ist.

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Kommentar von darkhouse
03.12.2015, 08:19

Quatsch, Erklärung siehe meine Antwort...

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