Wenn alles aus Atomen besteht, woher kommt das Leben?

15 Antworten

Leben ist eine Abfolge von chemischen Reaktionen, sofern wir das vom wissenschaftlichen Standpunkt wissen. Ich lasse die göttliche Komponente jetzt mal weg, da hat jeder seine eigene Version.

Eine chemische Reaktion zwischen zwei Stoffen kann ganz langsam sein, zum Beispiel der Einfluss von Feuchtigkeit, Salzen und Sauerstoff auf Metall (Rost), oder schnell, z.B. wenn ich mit einer Flamme trockenes Holz entzünde. Zwischen manchen Stoffen finden gar keine Reaktionen statt.

So ist Leben auch entstanden. Verschiedene chemische Stoffe sind zusammengekommen und es gab einfache chemische Reaktionen, und im Laufe von Jahrmillarden sind diese Reaktionen immer komplexer geworden. Der Mensch ist nichts anderes als eine kleine chemische Fabrik, nicht mal ein einziges Lebewesen, sondern im Grunde genommen sind viele Teile des Menschen Lebewesen für sich, die eine symbiotischen Beziehung miteinander bilden. Du könntest beispielsweise nicht ohne Darmbakterien existieren, und die hat Dein Körper nicht selbst gebildet.

Ja, Du bestehst aus vielen leblosen Teilen, aber diese haben genau das richtige chemische Potenzial, um nach außen hin Leben zu signalisieren. In einigen Jahrzehnten sind Forscher vielleicht in der Lage, aus einfachen chemischen Bestandteilen sich selbst fortpflanzendes Leben zu erzeugen. Würdest Du dann den Menschen als (göttlichen) Schöpfer bezeichnen?

Außerdem hast Du zwei Fragen gestellt und dann gefragt, ob das der Beweis für einen Schöpfer wäre? Ein Beweis ist eine Reihe von zwingenden Schlussfolgerungen. Die allgemein gültige Definition eines Schöpfers umfasst die Tatsache, dass er Leben aus dem Nichts ohne kausalen Zusammenhang geschaffen hat. Wenn das aber so ist, dann erübrigt sich doch die Frage, woher das Leben kommt, denn dann gibt es keine Erklärung, keinen Grund, keine Rechtfertigung.

Wie aus unbelebter Materie im Rahmen der Selbstorganisation Leben entsteht und sich weiterentickelt, hat Ilya Prigogine in seiner Theorie Dissipativer Strukturen gezeigt, für die er 1977 den Nobelpreis erhielt. Wenn man so will, hat er damit die Physik des Lebens begründet. Bekannt ist diese Theorie auch unter dem Stichwort Emergenztheorie, Theorie komplexer Systeme, Selbstorganisationstheorie. 

Mit dieser Theorie, die inzwischen allgemein anerkannt ist, lässt sich rein naturwissenschaftlich die Entstehung von Leben erklären, incl. der Entstehung der genetischen Information mittels Markovketten. Seit etwa gut 10 Jahren wird weltweit auf dieser Theorie rumgeforscht und insbesondere in der Biologie sowie der Hirnforschung hat sie ganz neue Impulse gebracht. Mit Hilfe dieser Theorie versucht man nun, die einzelnen Schritte bei der Entstehung des Lebens nachzuvollziehen. Stuart Kaufmann wäre da z.B. zu nennen.

Eines ist jedenfalls klar: für die Entstehung des Lebens braucht man keinen Schöpfergott mehr, die kann man inzwischen auch rein physikalisch erklären.

Der Naturwissenschaftler hat gelernt all jenes was er nicht versteht zu begutachten.

Soweit eine Systematik erkannt wurde entwickelt dieser ein Modell, möglichst passgenau zu den schon existierenden die sich etabliert haben und womit er angesetzt hat. Erklärt sein Modell plausibel die erkannte Systematik, ist das Modell mit der Zeit "wahrhaftig".

Schnell kommt man unbewusst in die Situation anzunehmen, dass Modelle echt wären, aber es sind nur Modelle und die Physik nur ein von Menschen gebildetes Konstrukt um die Realität zu beschreiben (wie ist das?), aber nicht zu erklären (wieso ist das so?).

Es genügt hier wenn die Wirkung der Realität für den Menschen plausibel erklärbar ist (wieso ist das so?: es scheint so zu sein, weil ...).

Inwiefern unterscheidet sich Glaube und "Wissen"? Glaube wird anscheinend zum Wissen, wenn du es plausibel erklären kannst, argumentativ.

Eine Unterhaltung mit einen Muslimen war sehr lehrreich:

Wer sagt, was Allah oder Gott oder wer auch immer ist? Klar ist der Glaube an einen Schöpfer den man nicht hinterfragt und dass man nicht denkt zu wissen wie dieser auszusehen hat. Niemand behauptet, dass der Schöpfer lebt oder eine Sache ist.

Dann scheint es wohl so zu sein, dass die Naturwissenschaft eine Religion ist, die an die physikalischen Konstanten des Universums glaubt.

Eben jene Religion zu sein, die eben all jenes vereint, was die meisten anderen Religion sich nicht anmaßen:

Ein Gottesbild zu schaffen (Modelle) und, wohl der wichtigste Unterschied, Gott zu hinterfragen.

Vielleicht wohl auch die Ursache, dass sie sich am besten etabliert hat: Wir hinterfragen Gott und versuchen seine Systematiken zu verstehen. Es ist doch damit allzulogisch, dass damit der Lebensstandard der Menschen bei richtiger Anwendung verbessert werden kann.

Wir vermeiden den Gang des Betens und der Hoffnung nach Hilfe Gottes und nehmen seine Griffe selbst in die Hand.

Hat was von schwarzer Magie.

Ich persönlich bin nicht gläubig und gehöre keiner Religion an.

Wenn du die Religion der Naturwissenschaften verstehen willst wieso wir etwas kategorisieren als lebendig oder nicht lebendig und die Ursache (Modelle) für diese, dann empfehle ich dir unsere "Lehren" zu studieren. Alle "ungläubigen" Naturwissenschaftler denken eh' von sich, dass die Sichtweise unserer Religion die einzig wahre wäre, oder die Rationellste.

Inwiefern unterscheiden sich die Naturwissenschafter dann von den Gläubigen?

Wenn du eine Antwort haben willst, wieso Leben existiert:

Das System, dass sich das Leben (sei es drum) erst zufällig aufgebaut hat, hat einen Zustand angenommen der ihn dazu befähige eine identische Kopie von sich anzufertigen. Das nicht Lebendige tut dies nicht. Was etabliert sich nun mit der Zeit?

Das eine vermehrt sich, dass andere stagniert in ihrer Zahl.

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