Wendeunfall wer ist denn schuldig?

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5 Antworten

Hallo MyBooo,

also zum ersten:

 Die Polizeibeamten gaben mir die Schuld

Es ist weder Aufgabe der Polizei die Schuldfrage zu klären, noch sind sie dazu berechtigt.

Die Klärung der Schuldfrage, obliegt der Versicherung bzw. wenn sich die Versicherungen in der Klärung der Schuldfrage nicht einig sind, muss letztendlich ein Richter die Schuldfrage klären.

Die Aufgabe der Polizei ist es lediglich den Unfall aufzunehmen, zu dokumentieren und ggf. Beweise zu  sichern.

Die Polizei hat in ihren Unfallbericht nur Feststellungen zu dokumentieren. In Deinem Fall könnten die Feststellungen zum Beispiel folgende sein:

  • Fahrzeug 01 wendete sein Fahrzeug vor dem Kreisel
  • Fahrzeug 02, welches nach dem verlassen des Kreisels aus der Gegenrichtung kam, kollidierte mit Fahrzeug 01, welches unmittelbar nach dem Wendemanöver anhielt 
  • Es konnten folgende Bremspuren aufgezeichnet werden: ...
  • An Fahrzeug 01 entstand folgender Schaden: ....
  • An Fahrzeug 02 entstand folgender Schaden: ....
  • Der Fahrer von Fahrzeug 01 äußerte sich zum Unfallgeschehen wie folgt ...
  • Der Fahrer von Fahrzeug 02 äußerte sich zum Unfallgeschehen wie folgt ...
  • Zeuge ... machte folgende Angaben zum Unfall.

Die Versicherung nimmt zum Unfallgeschehen Akteneinsicht und beurteilt anhand dieser die Schuldfrage.

Wieso der Polizist meinte Du hast an dem Unfall Schuld ist für mich im Moment nicht nachvollziehbar.

Der Fahrer des anderen Fahrzeuges hat zumindest ganz klar gegen folgende Grundregel verstoßen:

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§ 9 StVO - Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren

(5) Wer ein Fahrzeug führt, muss sich beim Abbiegen in ein Grundstück, beim Wenden und beim Rückwärtsfahren darüber hinaus so verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist; erforderlichenfalls muss man sich einweisen lassen.

**********************************************************************************

Da er ganz offensichtlich gegen § 9 Absatz 5 der StVO verstoßen hat, dürfte er auch die Schuld an dem Unfall tragen.

Dir könnte man allenfalls eine Teilschuld geben und Dir zum Vorwurf machen, Du hättest gegen folgenden Paragraphen verstoßen:

************************************************************************************ 

§ 1 StVO - Grundregeln 

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. 

(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.  

************************************************************************************

Um eine Teilschuld an dem Unfall zu haben, muss man Dir aber unterstellen können, dass Du mindestens fahrlässig gegen § 1 StVO verstoßen hast. Fahrlässig im Fall Deiner Frage bedeutet, das Du dann Fahrlässig gehandelt hast, wenn Du die Verkehr nötige Sorgfalt außer acht gelassen hast und erkennen hättest müssen, dass das andere Fahrzeug wendet.

Meines Erachtens nach ist das nicht der Fall gewesen, insbesondere wenn der andere noch nicht einmal geblinkt hat.

Was Du jetzt tun solltest ist die gegnerische Versicherung anzuschreiben und diese zur Schadensregulierung auffordern.

Gleichzeitig solltest Du Deine Versicherung informieren und diese gleich dadrauf hinweisen, dass Du die Schuld beim Unfallgegner siehst, weil dieser ohne Ankündigung gewendet hat und Du keine Möglichkeit hattest den Unfall zu verhindern.

Wie die Versicherungen das dann sehen muss man halt abwarten.

Schöne Grüße
TheGrow

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Kommentar von schleudermaxe
28.02.2016, 06:46

Oh, ein Kenner?

Und warum nimmt die Polizei hier bei uns nur auf bei Personenschäden?

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Kommentar von claushilbig
28.02.2016, 21:12

Die Frage, welches Fahrzeug auf dem Unfallbericht als "01"oder "02" eingetragen wird, ist aber im Allgemeinen schon eine (zumindest vorläufige) Bewertung der Schuldfrage durch die Polizei, oder sehe ich das falsch?

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Kommentar von MyBooo
29.02.2016, 01:21

@TheGrow Vielen lieben Dank für deine Antwort du hast mir echt sehr weitergeholfen. Ich wünsche alles gute:)!

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Kommentar von siggibayr
29.02.2016, 15:02

.Hallo TheGrow,

Deine Aussagen:

Es ist weder Aufgabe der Polizei die Schuldfrage zu klären, noch sind sie dazu berechtigt.

Die Klärung der Schuldfrage, obliegt der Versicherung bzw. wenn sich die Versicherungen in der Klärung der Schuldfrage nicht einig sind, muss letztendlich ein Richter die Schuldfrage klären.Die Aufgabe der Polizei ist es lediglich den Unfall aufzunehmen, zu dokumentieren und ggf. Beweise zu  sichern.

..
kann ich so nicht stehen lassen.

Die Polizei vor Ort ist ermächtigt, festzustellen, wer gegen geltende Gesetze verstoßen hat. Wer z.B. gegen einen Paragrafen der StVO verstoßen hat, kann verwarnt werden, oder es wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet.
Derjenige, der gegen ein Gesetz verstößt wird deshalb als Betroffener bzw. als Verursacher geführt. Das ist Aufgabe der Polizei. Rechtsgrundlage hierfür ist die StPO bzw. das OWiG. Die Polizei klärt also vorab, wer gegen ein Gesetz verstoßen hat und als Verursacher dieses Unfalls geführt wird.

Das ist die ahndungsrechtliche Seite.

Haftungsrechtlich sieht das aber ganz anders aus. Selbst wenn die Polizei einen Verkehrsteilnehmer als Unfallverursacher führt, so bedeutet das noch lange nicht, dass dieser auch haftungsrechtlich -voll- die Schuld hat.
Die Polizei klärt also Straf- bzw. Ordnungswidrigkeitenrecht vor Ort und der Verursacher wird ggfs. gleich zur Kasse gebeten (gebührenpflichtige Verwarnung).
Die haftungsrechtliche Schuldfrage klärt dann die Versicherungsgesellschaft.

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Also war das Tempo zu hoch und der Abstand zu gering bzw. die >Bremsaktion zu spät eingeleitet worden. Meist alles eine Sache des Fahrers und somit wird die Versicherung der Halters regeln, so wie es sich gehört.

Viel Glück.

Versuche Deinen Schaden beim Gegner zu beweisen. Vielleicht gibt es ja etwas von seiner Versicherung.

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Kommentar von claushilbig
28.02.2016, 21:08

Wenn ich die Frage richtig verstanden habe, war der wendende Wagen Gegenverkehr, sonst wäre bei dem die linke Seite beschädigt worden, nicht die "rechte Vorderseite".

Zu geringen Abstand zum Vorausfahrenden kann man dem Fragesteller also nicht vorwerfen, da der Unfallgegner gar kein Vorausfahrender war.

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Dein Problem besteht darin, dass du deine Behauptung nicht beweisen kannst.

Eine Teilschuld bekommst du immer, wenn es danach geht, ob dein Sicherheitsabstand ausreichend war. Danach dürfte es eigentlich überhaupt keine Verkehrsunfälle geben.

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Ich bin aus einem Kreisverkehr herausgefahren.

Es überhaupt garnicht nötig War vor dem Kreisverkehr zu wenden da er es im Kreisverkehr tun konnte.

äh, sehr widersprüchlich, auch schreibst von Gegenverkehr; wie kann dann gewendet werden? 
Ob er nur Abbiegen wollte? zu schnell gefahren oder schlicht zu wenig Abstand gehalten. 

damit dürfte die Schuld tatsächlich bei dir liegen.

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Kommentar von MyBooo
28.02.2016, 04:29

Ich selber bin aus dem Kreisverkehr herausgefahren und er ist plötzlich am wenden gewesen, anstatt in Richtung Kreisverkehr zu fahren und dort zu wenden. Es ist eine breite Spur aber halt mit Gegenverkehr. Ohne irgendwelche Straßenmarkierungen

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Es haben beide eine Teilschuld: der Fahrer vor Dir, weil er ohne Signale zu geben bremst und wendet und Du, weil Du nicht genug Abstand gehalten hast oder unaufmerksam gefahren bist. Haften tun in beiden Fällen gegenseitig die KFZ Haftpflichtversicherungen.

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Kommentar von bronkhorst
28.02.2016, 08:51

Der letzte Satz stimmt nicht so ganz: Die Haftpflichtversicherungen haften eben nur im Maß der eigenen Teilschuld für den Schaden des Anderen:bei hälftiger Teilschuld wird jedem von der andere Seite nur der halbe Schaden bezahlt; beide werden dann zum nächsten Jahr zuückgestuft.

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Kommentar von claushilbig
28.02.2016, 21:05

Wenn ich die Frage richtig verstanden habe, war der wendende Wagen Gegenverkehr, sonst wäre bei dem die linke Seite beschädigt worden, nicht die "rechte Vorderseite".

Mangelnden Abstand zum Vorausfahrenden kann man dem Fragesteller also nicht vorwerfen, da der Unfallgegner gar kein Vorausfahrender war.

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