Wem gehören die Rechte zu Kunstwerken?

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5 Antworten

(Wer meine vollständige juristische Beurteilung nicht lesen möchte: Ganz am Schluss stehen 4 kurze, praktische Lösungsvorschlage)

Erst einmal: Ein Kunstwerk darf nach dem deutschem Urheberrecht nicht ohne die ausdrückliche Genehmigung seines Schöpfers nicht öffentlich zugänglich gemacht werden. Nicht einmal in einem Forum, bei Facebook oder einer privaten Seite. Ob die Veröffentlichung kommerziell oder privat erfolgt ist vollkommen unerheblich.

In deinem Fall ist die Verwendung höchstwahrscheinlich rechtlich problematisch. Und hier muss ich auch ausnahmsweise Gerd aus Berlin widersprechen (mit dem ich sonst fast immer einer Meinung bin)

Es stimmt zwar, dass das Urheberrecht an einem Werk 70 Jahre nach Tod des Schöpfers ausläuft. Jedoch verwendest du als Profilbild ja nicht etwa das Originalbild, sondern eine digitale Fotografie des Originalbilds. Und an dieser Fotografie bestehen höchstwahrscheinlich weitere Rechte.

Zwar hat der BGH bereits 1989 in seinem "Bibelreproduktionsurteil" grundsätzlich fest gelegt, dass an original getreue Kopien von zweidimensionalen Kunstwerken keinerlei Urheber- oder Leistungschutzrechte bestehen. Jedoch scheint ein Konsens unter Urheberrechtlern zu bestehen, dass das nicht für Gemäldefotografien gilt. Denn durch die korrekte Ausleuchtung und Bedienung eines fortgeschrittenen Fotoapparates, sei eine "geistige Leistung" gegeben, die so genannten "Lichtbildschutz" rechtfertigt. (Bilder unter Lichtbildschutz dürfen bis 50 Jahre nach Erstveröffentlichung nicht ohne die Genehmigung des Fotografen oder eines anderen Rechteinhabers öffentlich zugänglich gemacht werden. UrhG §72)

Wikipedia führt zwar gegenwärtig einen Grundsatzprozess am Landgericht Berlin, um Fotografien von Gemälden grundsätzlich als gemeinfrei festzustellen, aber erstens gehen bis zu einem Urteil noch Jahre ins Land und zweitens scheinen nach den internen Diskussionen selbst die Urheberrechts-Wikipedianer skeptisch, ob sie den Prozess gewinnen.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Die Verwendung eines Gemäldes als Profilbild ist rechtlich problematisch. Wenn der Maler noch am Leben ist, verstößt es ohnehin gegen Urheberrechte. Selbst wenn der Maler aber schon 70 verstorben ist, existiert wahrscheinlich "Lichtbildschutz" an der digitalisierten Version des Gemäldes.

Mögliche Lösungen:

1. Suche dir bei Wikicommons eine Gemäldefotografie, bei der der Fotograf explizit auf seine Schutzrechte verzichtet hat.

2. Besorge dir Bildbände, die vor mehr als 50 Jahren veröffentlicht wurden, und scanne daraus Bild-Fotografien ab, deren Ursprungskünstler schon 70 Jahre tot ist.

3. Frage den Maler und/oder den Fotografen, ob du das Bild als Profilbild verwenden darfst.

4. Lade das Bild einfach als Profilbild hoch, und hoffe, dass dich niemand erwischt. (auf eigene Gefahr)

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Kommentar von GerdausBerlin
22.11.2015, 19:08

Das klagende Museum argumentiert laut https://irights.info/artikel/wikipedia-streit-um-gemaelde-fotos-aus-museum-landet-vor-gericht/26075

"Besonders, wenn die Inhalte kommerziell verwendet würden, sei ein Entgelt berechtigt und diene dazu, die Kosten ihrer Digitalisierung zu decken."

Dies hat nichts mit Urheberrecht zu tun, höchstens mit Leistungsrecht oder mit Wettbewerbsrecht!

Und selbst das Leistungsrecht (UrhG § 72 Lichtbilder) dient hier nur als Vorwand, wenn andere Leistungserbringer daran gehindert werden, ein eigenes Lichtbild des Werkes (auf eigene Kosten) anzufertigen.

Dass es in solchen Streitfällen eben nicht um Urheberrechte geht, sondern um die kommerzielle (oder auch gemeinnützige) Verwertung von Eigentumsrechten, wird im Kommentar von Prof. Dr. Markus Ruttig deutlich: "BGH zur BilderverwertungMein Schloss, mein Park, mein Bild" (googeln).

Gruß aus Berlin, Gerd

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Die Erben des Urhebers haben 70 Jahre lang die ausschließlichen Nutzungsrechte an dem Werk. Oder aber ein Vertragspartner des Urhebers bzw. der Erben, also z. B. ein Verlag oder ein Museum.

Nimm also besser Dürers "Betende Hände": Die sind seit 1599 schon gemeinfrei - auch für Profilbilder ;-).

Gruß aus Berlin, Gerd

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Kommentar von ThomasMorus
22.11.2015, 15:50

Da muss ich dir ausnahmsweise widersprechen. Denn wenn auch das Bild der Betende Hände selbst urheberrechtsfrei ist, ist es die digitale Kopie des Gemäldes noch lange nicht.

Das hat erst im Mai diesen Jahres zu zahlreichen Abmahnungen geführt und ist gegenwärtig Gegenstand eines Rechtsstreits zwischen der Wikipedia und dem Reiss-Engelhorn Museum Mannheim. (welches übrigens auch die Massenabmahnungen veranlasste) https://irights.info/artikel/wikipedia-streit-um-gemaelde-fotos-aus-museum-landet-vor-gericht/26075

Meine Einschätzung dazu (mit der Rechtsprechungs-Geschichte) weiter unten in meinem Beitrag)

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Urheberrechte enden hier in Deutschland 70 Jahre, nachdem der letzte Urheber verstorben ist. Danach ist die Sache gemeinfrei.

Falls das Bild aber fotographiert oder bearbeitet wurde, kann das Photo oder die Bearbeitung wieder dem Urheberrecht unterliegen.

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Privat kanst du machen was du willst, aber offiziell gehören die Rechte daran den "Rechteinhabern" also oft den Verwandten, Erben und sonstigen Personen, etc., die sie eventuell gekauft haben, ..!


etwa hier nachzulesen

(Suchbegriff: "Bildrechte bei Kunstwerken",..)


http://www.rechtsanwaltdrpalm.de/bildrechte.htm


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Kommentar von ThomasMorus
22.11.2015, 15:45

Nur zur Klarstellung. (hast du wahrscheinlich so gemeint.) Ein Gemälde als Profilbild zu verwenden ist keine "Private Nutzung" sondern eine "öffentliche Zugänglichmachung" im urheberrechtlichen Sinne und ist rechtlich nicht gestattet.

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