Wellensittich zähmen - Hilfe?

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4 Antworten

Ich würde Clickertraining empfehlen. Es gibt im Netz diverse Seiten, auf denen das erklärt wird (auch youtube-Videos) und in den Vogelforen ein großes Clickerunterforum, in dem man fragen kann.

Clickertrainng: Der Vogel macht erst etwas, das wird mit dem Click markiert/ bestätigt und er bekommt dann eine Belohnung. 

Vorteil 1: Der Vogel muss sich nicht überwinden und lernt im eigenen Tempo. Erst macht er etwas, dann kommt die Belohnung, er muss nicht voller Angst zur Hirse laufen und voller Angst Hirse aus der Hand fressen (und dann immer die Angst mit der Hand verbinden), sondern er schaut zur Hand und bekommt Hirse serviert. Das motivert ihn, dies öfter zu tun, später mal sich zur Hand zu strecken, einen Schritt darauf zu zu tun, die Hand zu berühren etc.

Vorteil 2 (jetzt kommt's!): Der andere Vogel lernt mit nur vom Zusehen!!!!

Der merkt nämlich schnell, oh, mein Partner bekommt immer Hirse, wenn er (bspw.) auf der Hand sitzt - und irgendwann überspringt oft (meist) alle Teilschritte, die der erste machen musste, und zeigt die Übung ebenfalls, um Hirse zu bekommen. 

Anfangen: 

Clicker kaufen, chinesisches Essstäbchen kaufen (am besten mehrere, man verlegt sie leicht). Hirse (am besten rote) ein paar Tage nicht mehr geben. Dann clicken und entweder Hirse am ganz langen Stil reichen oder ein Sitzbrett anbringen und einen "Hirseknubbel" dort ablegen. Weggehen und warten, bis die Vögel gefressen haben - das kann durchaus auch mehrere Stunden dauern. Oder eine halbe Stunde. Also an dem Tag nicht nur das Clickern einplanen. Das wiederholst du mehrere Male. Dann stellst Du Dich - bei ängstlichen Vögeln - ans andere Zimmerende oder wo immer sie Dich noch gut sehen können, aber keine Angst zeigen, und hältst den Targetstick - das Stäbchen - hoch. Click. Hirse geben. Weggehen, damit sie fressen können.

Das machst du anfangs einmal - wenn es lange dauert, bis sie an die Hirse gehen - und wenn sie schneller kommen, bis zu 10 mal. Am Schluss legst Du ein paar dieser Hirseknubbel ab. Freundlicherweise sagst du dazu, dass jetzt Schluss ist (immer das gleiche Wort "Ende, das war's" etc.).

Irgendwann wirst du merken, dass sie entspannter sind als vorher, wenn du mit dem Stick kommst, also gehst du einen Schritt weiter nach vorne. Gleiche Prozedur. Mache es wieder so lange, bis sie immer entspannt sind, und gehe wieder nach vorne. Das wird, bei ängstlichen Vögeln, durchaus mehrere Tage dauern. 

Irgendwann stehst du mit dem Stick vor dem Käfig. Jetzt wartest Du, bis mal ein Vogel zum Stick schaut und clickst und belohnst dann (inzwischen essen sie, wenn Du anwesend bist, da sie auch belohnt wurden, wenn du näher zum Käfig gehst mit dem Stick). Ab jetzt belohnst du nur noch, wenn sie zum Stick schauen. Wiederhole das so lange, bis beide es sofort machen. Probeweise halte den Stick mal weit nach links oder rechts. 

Jetzt wartest du ab, bis einer sich etwas zum Stick streck. Ab da wird nur noch das geclickt (wenn der andere langsamer ist, bekommt er noch Belohnungne für Blicke). Später wartest du, bis einer etwas zum Stick geht. Dann hältst du den Stick zwischen die Gitter und wartest wieder (es kann länger dauern - das kennen sie noch nicht - bis einer schaut, sich streckt etc.). Am Schluss kommen sie immer näher - das wird mehrfach belohnt - und stehen vor dem Stick. Dann wartest du, bis sie ihn berühren. Das wird sehr, sehr dicke belohnt und intensiv geübt. Jetzt kannst du sie über den Stick am Gitter entlang führe - laufe nach links, laufe nach rechts, klettere einen Schritt hoch, einen Schritt runter. Fliege ganz nach links, fliege ganz nach rechts etc.

Dabei rufst Du ab jetzt jedes Mal den Namen des Vogels, der dran ist - kommt der andere, wird er nicht belohnt!

Nach kurzer Zeit kennen sie ihre Namen und die des Partners!

Wenn ihr so weit seid, versuche das Ganze mal mit offener Käfigtür (richte dich darauf ein, wieder von vorne beginnen zu müssen - die Situaiton ist wieder neu und unsicher). führe sie am Käfiggitter außen herum, auf dem Käfig umher, an den Freisitz, an Spielzeuge heran. Mache dann mit deiner Hand das gleiche wie anfangs mit dem Stick - Annäherung. Bis die Hand nahe am Vogel sein darf. Führe dann mit dem Stick die Vögel an und später auf deine Hand.

Dazu gibt es bei youtube viele Videos, Stichworte "Tartet training bird/ budgie" "Clickertraining Targetstick Wellensittich/ Papagei". 

Später lernen sie, auf deine Hand zu fliegen. Oder andere Spiele (Ideen im Netz). Gib Euch für das Auf-die-Hand-Kommen ein halbes Jahr oder sogar ein Jahr Zeit. Durch den Stick kannst du in dieser Zeit trotzdem schon mit ihnen in Kontakt treten. Ängstliche Vögel brauchen aber am Anfang sehr, sehr lange.

ANDERER PUNKT:

Versuche, sie JEDEN Tag mehrere Stunden rauszulassen!!!

Baue oder kaufe einen Freisitz, den sie anfliegen können, mit einer Futterpflanze (Golliwoog) oder interessanten Sachen zum Nagen (Korkröhre, Weidenspielzeug für Nagetiere aus dem Zoohandel) und frischen Ästen. Nach einiger Zeit ist es kein Problem mehr, dass sie frei fliege und du im Zimmer bist. Du kannst sie sogar an Zeiten gewöhnen, zu denen du lüften willst (kleines Stück Hirse in den Käfig, wenn sie drin sind, Käfig zu - später umgekehrt - Vögel mit Stick in den Käfig locken, Käfig schließen, Hirse als Belohnung rein). Öffne nach dem Lüften den Käfig wieder, so dass sie Vertrauen fassen, nicht dort eingesperrt zu werden und freiwillig reingehen, weil sie wissen, dass sie hinterher auch wieder raus dürfen.

Irgendwann solltest du so weit sein, dass sie morgens um 7 oder so rausgelassen werden, mittags/ nachmittags mal gelüftet wird, ggf. auch noch mal abends, und sie abends zwischen 20 und 22 Uhr wieder in den Käfig gehen. Wenn du clickerst, kannst du d/eine Clickersitzung auch auf abends verlegen und am Ende etwas mehr Hirse geben, das fördert die Motivation, abends in den Käfig zu gehen, dort passiert dann noch etwas Spannendes (allerdings erst, wenn sie so zahm sind, dass sie im Käfig clickern und auch andere Übungen als Targetstick machen, ohne Angst).

Videos auf youtube: Karen Pryor Clickertraining, Nymphensittich Clickertraining, für fortgeschrittene Übungen, Ideen zum Freiflug und Anregungen diese Userin:

https://www.youtube.com/user/StadlinAn

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Kommentar von Malavatica
18.06.2016, 18:02

Wow. Wahnsinnstext

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Du musst sie jeden Tag fliegen lassen. Du willst doch auch jeden Tag vor die Tür. Deine Vögel brauchen Bewegung, das stärkt die Muskulatur und die Gesundheit. 

Biete Hirse aus deiner Hand an, irgendwann wird eine mutig werden und zu dir kommen. Natürlich kann der andere dabei sein. Denn der eine lässt sich vom anderen ermutigen und guckt sich alles ab. Das musst du täglich und mit Geduld machen. Käfig saubermachen nur, wenn die Vögel gerade draußen sind. Im Käfig sollen sie sich absolut sicher fühlen. 

Immer mit ruhiger Stimme zu ihnen sprechen und keine hastig Bewegungen. Niemals von oben auf die Vögel zugehen. 

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Kommentar von bastidunkel
18.06.2016, 17:11

Dass durch das Fliegen die Muskeln gestärkt werden ist zwar absolut richtig, hat jedoch rein gar nichts damit zu tun, dass der Vogel zahm wird.

Und dass Körner immer zur Verfügung stehen sollen, ist sonnenklar. Die kann man ja schließlich nicht von außen am Käfig mit der Hand füttern. Gemeint waren da Obst und Gemüsestücke.

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Das wird schwer - wenn es überhaupt noch gelingt - und erfordert sehr viel Geduld und Aufmerksamkeit deinerseits.

Zum Zähmen sind die Wellensittiche schon zu alt, als daß es noch einfach ginge.

Da hättest du gerade futterfeste Wellensittiche, 6 bis 7 Wochen alt, kaufen sollen.

Was die Zähmung selbst angeht, gibt es verschiedene Strategien. In älteren Wellensittichbüchern findest du Angaben dazu, wie man Wellensittiche abrichtet.

Man braucht dazu keinen "Clicker". Das ist nur ein moderner Name für die alte erfolgreiche Methode der Tierdressur. Und die Tiere tun es auch nicht freiwillig, wie manche hier träumen. Sie tun es erst aus Neugier und dann für Futter, wie früher auch, und werden darauf im pawlow'schen Sinne konditioniert.

Leider verbreiten Tierschützler zum Clickern sehr viel Unsinn, was das Fachliche anbetrifft.

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Das braucht viel Geduld. Du kannst immer nur einen einzigen Welli handzahm machen. Der Partner darf da nicht bei sein, weil der sonst abgelenkt ist. Du musst das JEDEN Tag mindestens eine halbe Stunde lang üben. Also dann abwechselnd immer erst den einen, dann den anderen Welli, während der eine dann in einem anderen Zimmer ist. Du brauchst zwei Volieren (bitte keinen kleinen Käfig !!!!

Unbedingt musst du jeden Tag sehr viel mit deinen Wellis sprechen.

Mit der Hand darfst du dich immer nur so nahe nähern, wie der Welli es zulässt. Wenn du die Hand IN den Käfig steckst und der Welli hat Panik, hast du schon alles kaputt gemacht!!!!! du musst ihn nur noch aus der Hand füttern mit seinen Lieblingssachen. 

Und ganz zum Schluss muss du wissen, dass man nicht alle Wellis zahm bekommt.

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Kommentar von Malavatica
18.06.2016, 17:05

Nur noch aus der Hand füttern ist ein schlechter Rat. Friss oder stirb, das geht gar nicht. Futter muss immer zur Verfügung sein. Die Vögel sollen freiwillig kommen oder eben gar nicht. Tut mir leid, nicht böse gemeint. 

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Kommentar von Tasha
18.06.2016, 17:08

Bitte vergesst den Tipp von wegen "Partner darf nicht dabei sein". Der Vogel wird sich dann nicht besser konzentrieren, weil beide ständig den Partner rufen werden. Mit Clickertraining (s.u.) und ähnlichenMethoden ist der Partner sogar von Vorteil!

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