Welches Schicksal hatte ein Diabetiker früher?

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Diabetes ist definitiv eine tödliche Erkrankung, wenn er nicht behandelt wird - und richtig behandelt werden kann er erst, seit es Banting und Best in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts erstmals gelungen ist, Insulin zu isolieren. Man wusste zwar vorher schon, dass die Sekrete der Bauchspeicheldrüse für die Entstehung von Diabetes große Bedeutung haben, da bei Versuchstieren, denen die Bauchspeicheldrüse entfernt wurde, augenblicklich Diabetes entstand. Versuche mit »ausgepressten« Bauchspeicheldrüsen blieben allerdings erfolglos, bis man entdeckte, dass das Sekret aus unterschiedlichen Säften besteht, und dass das Insulin aus den Inselzellen zerstört wird, wenn es mit den anderen Komponenten zusammenkommt. Einen Weg, das Insulin isoliert aus Rinder-Bauchspeicheldrüsen zu gewinnen, fanden die beiden amerikanischen Forscher Banting und Best, und damit konnten erstmals Diabetiker erfolgreich behandelt werden.

Vorher bestand die Behandlung in einer extremen Diät - die aber bei Typ-1-Diabetes nur die Zeit bis zum Tod und somit das Leiden verlängerte. Bei Typ-2-Diabetikern waren die Erfolge deutlich besser. Dennoch starben auch die meisten Typ-2-Diabetiker damals noch früher oder später an ihrer Erkrankung, da die Blutzuckerwerte natürlich allein mit Diät kaum im optimalen Bereich gehalten werden konnten. Und auch die Messung des Blutzuckers war zu dieser Zeit noch eine sehr aufwendige Sache für die man eine komplette Laboreinrichtung und eine entsprechende Ausbildung benötigte, und die niemand mehrfach täglich hätte durchführen oder bezahlen können. Auch ich habe mein allererstes Blutzuckermessgerät, mit dem man den Blutzuckerwert selbst bestimmen konnte, erst 1982 bekommen - und das Gerät hat damals 1.200 DM gekostet, man brauchte eine Wasser-Spülflasche und ein Waschbecken zum Abspülen der Teststreifen nach einer Einwirkzeit von zwei Minuten, dann musste man mit einem Zellstofftupfer die Testfläche vorsichtig trockentupfen, und nach einer weiteren Minute konnte das Gerät einem dann den Wert anzeigen. Heutzutage werden die Testgeräte von den Herstellerfirmen meist kostenlos abgegeben, und eine Messung ist meist innerhalb von 3 bis 5 Sekunden erledigt.

Bevor man diese Krankheit entdeckt hatte, sind Menschen durchaus daran gestorben. Hoher Blutzucker über einen längeren Zeitraum verursacht Nervenschäden. Hatten diese Menschen also irgendwo schwer sichtbare Verletzungen (Blutblasen an Fußsohlen, etc) haben sie diese einfach nicht mehr gespührt, bekamen eine schicke Entzündung oder sogar eine Blutvergiftung und sind daran gestorben. Möglich war auch eine Schädigung der Sehnerven, Blindheit war die Folge. Gliedmaßen sterben bei sehr hohem Blutzucker in Laufe der Zeit auch ab, weil die Nerven eben sehr geschädigt werden. Manche sind also durchaus bei lebendigem Leib quasi verfault

Das kam darauf an, welcher Diabetes-Typ vorlag. Kinder mit Typ1-Diabetes haben kaum das Jungendalter erreicht und starben sehr früh. Typ2-Diabetiker können bis zu Jahrzehnten unbehandelt leben, sterben dann aber an den Folgeerkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfälle) des überhöhten Blutzuckers (je nach Höhe des Blutzuckerspiegels treten Folgeerkrankungen eben früher oder später auf).

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