Welches Equipment sollte ich mir zulegen?

5 Antworten

Versteh meine Antwort bitte nicht falsch, ich finde es wirklich gut, wenn sich jemand Gedanken macht! Nur möchte ich den Gedanken mit reinbringen: Was kannst du denn sicher anwenden? Und welchen Nutzen hat es?

Denn viele Hilfsmittel kann man auch falsch anwenden und dann ggf. mehr Schaden verursachen, statt zu helfen... gerade dann wenn man das Gerät nur theoretisch kennt und die Situation hektisch ist.

Was fängst du mit einem Beatmungsbeutel an? Wie oft hast du schon einen Menschen mit Beutel&Maske beatmet? Das ist gar nicht mal einfach, beim echten Menschen kanns deutlich schwieriger sein als bei der Puppe (wo es auch schon nicht einfach ist). Nur, dummerweise: Wenn du das Gerät nicht richtig anwendest, und das ggf. nichtmal bemerkst, dann hilfst du dem Hilfsbedürftigen nicht, sondern glaubst es nur... und in Wirklichkeit erstickt er in deinenen Händen, während du den Magen aufblähst und eine entsprechende Reaktion provozierst.

By the way: So ein 200€-Teil, das mehrfach verwendbar ist, wirst du kaum kaufen. Machen auch viele Rettungsdienste nicht mehr. Kaufe für 20€ ein Set mit Einmalmaterial, und dann ists grad egal, ob du nen Filter greifbar hast oder nicht.

Was genau fängst du mit Pulsoximeter und Blutdruckmessgerät an? Du kriegst Zahlen, okay. Kannst du unterscheiden, ob die Messwerte korrekt sind, oder ob der Mensch z.B. kalte Finger hat und das Pulsoximeter deswegen nicht sinnvoll messen kann? Und dann: Was bringen dir die Messwerte? Also, was fängst du damit an? Sauerstoff hast du keinen, wenn die Sättigung niedrig ist... letzteres würdest du übrigens auch an einer Zyanose erkennen. Was fängst du mit Puls- und Blutdruckwerten an? Du siehst doch, obs dem Menschen gut, weniger gut oder richtig dreckig geht. Obs ihm mit nem hohen oder nem niedrigen Blutdruck wirklich dreckig geht, ist gar nicht mal so relevant, denn du musst ohnehin irgendwie eine schnelle Konsultation durch Fachpersonal anstreben.

Wie schnell und wie regelmäßig der Puls ist, erfährst du durch Tasten. Ebenso, wenn die Rekap-Zeit verlängert ist, funktioniert der Kreislauf nimmer gut. Geht schneller als Gerätediagnostik, ist weniger fehleranfällig und du brauchst nichts kaufen und mitnehmen.

Dito Stethoskop und Pupillenleuchte: Erkennst du, ob beide Pupillen unterschiedlich geweitet sind, oder du nur nen Beleuchtungswechsel zwischen zwei Betrachtungen hast? Hast du schonmal Atemgeräusche abgehört und kannst unterscheiden, was normal ist und was nicht... und, ob das Ergebnis "nichts zu hören" nun am Anwender, oder am Patienten liegt?

Stifnecks sind ebenfalls nicht Laiensicher, der Einsatz sollte in jedem Fall routiniert geübt sein, bevor man damit auf nen potenziell Verletzten losgeht. Sollte es tatsächlich eine Verletzung der Halswirbelsäule geben und der Anwender eher wie nen Spanngut anwenden, kann das sehr unschön enden. Übrigens, aktuelle Studien lassen durchbllicken, dass der Wert des Stifnecks in den letzten 10 Jahren deutlich überschätzt wurde.

Sam-Splints sind ne tolle Sache... eine Schiene lässt sich aber auch im Bedarfsfall mit Naturmaterial improvisieren.

Ich würde an deiner Stelle eigentlich eher zusehen, dass ich die Sanausbildung vollende. Vor allem die praktischen Elemente der Patientenversorgung.

Letztendlich solltest du wirklich bei allem, was du mitnimmst, wissen wie du es anwendest. Gilt auch für meine Liste:

  • Tourniquet: Wenn der Rettungsweg lang ist, gehts ums Überleben. Das Gerät ist für den Fall der Fälle also wichtiger als dort wo der Verletzte nach 30min im Schockraum liegt.
  • Aus dem selben Grund nicht zu wenig Verbandmaterial, selbstverständlich mit Einmalhandschuhen in deiner Größe
  • Kleiderschere
  • 1-2 Wolldecken
  • Neben Instant-Kühlpack auch Instant-Wärmekissen
  • Hygienemaske für Mund-zu-Mund-Beatmung (-> Schlüsselbund)

Nicht klassisch in die erste Hilfe gehörend:

  • Fenistil-Gel, Sonnenmilch, Insektenspray, Zeckenzange etc.
  • Reichlich Wasser zzgl. Salz (für den Elektrolythaushalt)
  • geeignete Kleidung
  • Seil, Multifunktionswerkzeug, Messer usw, damit kann man auch in Notlagen gut was anfangen.

Wie gesagt, soll kein Vorwurf sein. Nur sollten gerade auch motivierte Helfer darüber nachdenken, was sie in welchem Fall wozu wie sicher anwenden können. Und wenn du dich danach drüber freust, wie viel Geld du gespart hast: Noch besser.

Woher ich das weiß:
Berufserfahrung
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Das ist eine super hilfreiche Antwort von dir. So worden wir das machen. Vielen dank.

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Wofür brauchst du n pulsoxy? Wenn die Haut blau ist fehlt wohl Sauerstoff, solange die Haut rosig ist wird genug Sauerstoff da sein. Zudem, hast du Sauerstoff dabei? Wenn nicht kannst du beatmen, wenn nicht mehr geatmet wird, solange noch geatmet wird kannst du eh nichts machen.

Wofür n Blutdruckmessgerät? Ob es jmd schlecht geht kannst du mit Augen und Ohren wahrnehmen. Was wäre der Nutzen ? Wenn jmd n Blutdruck von 80/60 hat, willst du ihm dann Medikamente geben? Wenn ihm schwindelig ist /er umkippt ist der Blutdruck wohl im A***

Pupillenleuchte wozu? Was nützt es dir, wenn du eine Auffälligkeit feststellst? Was kannst du dann machen?

Welchen Nutzen bringt dir das Stetoskop?

Momentan fällt es mir schwer, mir eine Situation auszudenken, in der man 40 Min auf Hilfe warten müßte

Wenn ich aber ne größere Outdooraktion an so einem Ort machen würde, würde ich primär Schiene(Samsplint) und Verbandsmaterial um stark blutende Wunden zu versorgen mitnehmen.

Evtl nen Ambubeutel (wenn jmd den ordentlich bedienen kann und wenn du einen guten mit Ventiel hast, denn sonst kann man mehr schaden als nützen. Und wenn jmd reanimationspflichtig wird, ist Herzdruck eh wichtiger als Beatmung und dafür reichen 2 gesunde Hände) aber vermutlich ehr nicht

Bei den aktuellen Temperaturen, je nach Teilnehmer und geplanter Aktivität würde ich ehr 2-3 Infusionen mit Zubehör mitnehmen, als mir den Platz im Rucksack mit nem Ambubeutel zu nehmen.

Kühlpacs, Handschuhe, Beatmungstuch habe ich eh immer dabei, die schaden nie.

Viel wichtiger ist aber doch ordentliche Schuhe, ordentliche Kleidung, Zeckenschutz, Sonnenschutz und viel Wasser sowie Nahrung mitnehmen, denn Erfahrungsgemäß passiert es öfter, dass jmd sich in der Pampa auf Grund schlechter Schuhe den Fuß verknackst oder auf grund starker Sonne umkippt, als dass jmd n Ast auf den Kopf fällt, n Abhang hinab stürzt o.ä.

Die Frage ist doch, was bringt, wenn du allein reist. Und selbst wenn du zu zweit (oder mehr) fahrst, weiß (wissen) der Andere (die Anderen), wie man diese ganzen Dinge anwendet?

Wenn du dich so sicherer fühlst, kannst du das ruhig mitnehmen (vor allem Schienen, Eispacks, Decke, Verbandszeug), aber das sind sowieso nur Maßnahmen, die sinnvoll sind, wenn die verletzte Person auch irgendwann in ein Krankenhaus kommt. Denn was hilft es dir zu wissen, dass die Person einen erhöhten Blutdruck hat, wenn du nicht die Möglichkeit hast, dieses Problem zu beheben?

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Es geht nur darum die 30-40 min bis der RTW kommt zu überbrücken.

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@Yannic3008

Siehe 1. Absatz.

Es schadet aber jedenfalls nicht, diese Dinge mitzunehmen (außer vielleicht deinem Geldbeutel)

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