Welchen Stellenwert hat Sex tatsächlich in einer Liebesbeziehung?

Das Ergebnis basiert auf 16 Abstimmungen

Sex hat im Grunde genommen in der Beziehung nicht so einen hohen Stellenwert, weil... 62%
Eine Partnerschaft ohne Sex ist nicht denkbar, weil... 25%
Sex macht 50 % einer Partnerschaft aus, weil... 12%

28 Antworten

Uih, eine schwere und keinesfalls allgemeingültig zu beantwortende Frage!

Na denn mal los (alle verwendeten Zitate sind, soweit nicht anders gekennzeichnet, vom Sexualtherapeuten Dr. David Schnarch):

Prinzipiell gelten IMHO alle drei deiner Thesen. :)

Deswegen gehe ich sie mal einzeln durch:

1.

Sex hat im Grunde genommen in einer Beziehung nicht so einen hohen Stellenwert, weil...

... "[m]an (...) seine Zeit normalerweise damit [verbringt], was einem am meisten Belohnung verspricht. Für viele ist Sex jedoch ziemlich durchschnittlich.

Wir haben 3000 Deutsche befragt, und eine erhebliche Anzahl von ihnen sagt, dass Sex ziemlich langweilig sei."

Das ist der (traurige) Fakt. Woran das liegt, und ob bzw. wie man das verbessern sollte, dazu komne ich später. Wäre aber auch Thema einer anderen Frage, bzw. war es in der Art auch schon. ;)

2.

Eine Partnerschaft ohne Sex ist nicht denkbar, weil...

... es ansonsten nur eine (intensive) Freundschaft wäre. Und wenn man einen Menschen so sehr mag, dann will man ihm IHMO aber auch Freude bereiten. Und wenn der Sex "langweilig" ist (s. Punkt 1), dann sollte die logische Konsequenz für einen liebenden Menschen nicht sein, sich damit abzufinden, sondern sich stärker anzustrengen, bzw. nach Abhilfe zu suchen und nach Verbesserung zu streben!

Was uns zum nächsten Punkt bringt:

3.

Sex macht 50 % einer Partnerschaft aus, weil....

... auch ohne jetzt eine genauen Prozentwert bestimmen zu wollen oder zu können: Eine Beziehung besteht eben aus Freundschaft und aus Sex.

Sicher können sowohl aus Freundschaft wie auch Sex gemeinsame "Verpflichtungen", bestimmt aber "Erinnerungen" entstehen, aber einerseits:

"Eine der großen Lügen, die wir Kindern erzählen, ist, dass Sex für Liebe steht. Menschen nutzen Sex, um alle möglichen Gefühle und Motive auszudrücken, etwa Abenteuerlust oder Fürsorge, aber auch Wut oder Verachtung."

Andererseits:

"Die meisten von uns können es aushalten, gemeinsam ins Bett zu gehen und sich ein wenig zu kennen. Aber Augenkontakt mit jemandem beim Sex ist ein wenig unheimlich. Es ist eine große Lüge, dass Sex das Intimste ist, was zwei Menschen machen können."

Sprich: Sex ist Sex und Intimität ist Intimität. Beides kann, ja muss man getrennt betrachten, aber beides zusammen (und im Detail noch mehr) macht eben das aus, was wir gemeinhin "gute Beziehung" nennen.

Last but not least:

4.

Es geht nicht einzig und alleindarum, in dieser Sache eine eigene Meinung zu haben (natürlich geht es auch darum, aber) sondern wie es in der Regel sein sollte!!! Wie es ideal wäre.

a) Zuerst einmal: Ich war schon als Kind extrem neu- und wissbegierig, meine Eltern haben (unbewusst) Sexualität immer positiv dargestellt und nie reglementiert, und ich war soweit ich mich zurückerinnern kann ein extrem überdurchschnittlicher "Schmuser" und auch früh sexuell aktiv. Und das zu Zeiten der "sexuellen Revolution", wo so ziemlich alles ausprobiert und toleriert wurde, solange nur jeder Spaß dran hatte.

Wenn also die Kinder- und Jugendlichentherapeutin Dipl. Soz. Päd. Dorothea Hüsson sagt: "Grundsätzlich hat Sexualität in allen Altersgruppen mit dem Suchen und Erleben körperlichen Genusses zu tun. Sie kann als Lebensenergie verstanden werden, die den Menschen ein Leben lang begleitet. Im Laufe der individuellen Entwicklung äußert sich Sexualität unterschiedlich stark und auf unterschiedliche Weise. (...) Wenn Kinder ihrer Neugierde, ihrem Lustprinzip und ihrem Bedürfnis nach körperlicher Nähe folgen, gehört das zu den normalen kindlichen Betätigungen.", dann trifft das auf mich zu wie die Faust aufs Auge! :)

Und eines habe ich schon in jungen Jahren gelernt: Menschen gleich welchen Geschlechts und Alters haben prinzipiell und mehrheitlich ein unbändiges Interesse an aufregendem Sex. Eine extreme aber schöne Macht, wenn man sie entfesseln kann, bzw. wenn man das zulässt/fördert.

Etwas anderes habe ich aber mit der Zeit gelernt: Wir haben eine schrecklich sexualfeindliche Tradition, die uns heute noch (bzw. fast schon wieder) im Weg steht: "Tiere haben keine Lustprobleme, weil Sex für sie keine Bedeutung hat. Wenn beispielsweise ein Schwein keinen Sex haben will und ein anderes Schwein will, geht das Schwein, das Sex will, weiter und penetriert ein anderes, williges Schwein. Und das erste Schwein schreit nicht: Wie kannst Du mir das antun?"

Denn "[d]ie bedeutendste negative Leistung des Christentums war die 'Problematisierung' der Sexualität (...) Wir brauchen eine Geisteshaltung, die in der Sexualität kein 'Problem', sondern ein 'Vergnügen' sieht. Den meisten Leuten fehlt dazu die Sicherheit - und oft auch die Liebe." (Dr. Alex Comfort, Arzt, Psychologe, Wissenschaftler und Schriftsteller)

Und noch eine Schnarchsche Aussage hat sich in meiner (wachsenden) Erfahrung bestätigt: "Wenn zwei Menschen miteinander intim werden, gibt es keinen 17-Jährigen, der es mit einem gesunden 50- oder 60-Jährigen aufnehmen könnte."

Wie gesagt: Sexualität wirkt mächtig in allen Altergruppen - und: man kann sie auch erlernen. Sex ist auch das Wissen um Techniken. Sex ist auch die Bereitschaft (und Fähigkeit), zuzulassen. Unser größtes Sexualorgan ist das Gehirn! Aber die meisten wissen erschreckend wenig, und sind dann ggf. auch noch gehemmt.

Und während wir nicht genug (ja: schon zu viel) davon kriegen können, unseren Kindern jeden möglichen und unmöglichen Unsinn in die Hirne zu trichtern, so haben viele eine unendliche Scheu, ihnen beizubringen, wie man ein schönes, lustvolles Leben führen kann - und warum das besser ist.

Oder um den Sexualtherapeuten Dr. Marty Klein zu zitieren: "Was Sexualität angeht, sind Minderjährige eine unterdrückte Minderheit. (...) Wenn es um Sex geht, haben Kinder keine Rechte. Nicht unzureichende Rechte - keine Rechte. Ihre Rechte wurden ihnen genommen als Reaktion auf die Hysterie der Erwachsenen um ihre Sicherheit, der Ängstlichkeit bezüglich ihrer Moral, der Furcht vor ihrer Unabhängigkeit, Verwirrung über ihre Entscheidungsfindung, und Ablehnung ihrer menschlichen Bedürfnisse.
Sicher, wir steuern den Zugriff der Kinder auf Tabak, Alkohol und Autofahren. Aber die Wissenschaft deckt diese Entscheidungen, und Kinder haben Zugriff auf unbegrenzte, akkurate Informationen zu diesen Themen.

(...)

Jeder (...) [der das] in Frage stellt, wird unverzüglich etikettiert als unsensibel, familienfeindlich, unmoralisch oder pädophil.

(...)

[J]unge Menschen leiden unter dem systematischen Zurückhalten von sexuellen Informationen, Gesundheitsvorsorge oder Produkten. Sie sind nicht Eigentümer ihrer eigenen Körper (oder Bilder davon), und Sondergesetze kriminalisieren ihre sexuellen Handlungen. Wir wären schockiert, wenn irgendjemand diese Beschränkungen der Sexualität für irgendeine andere Gruppe der Gesellschaft, wie Farbige, Juden oder Taube, vorschlagen würde."

(Hervorhebungen im Original)

Und wie lautet das Sprichwort: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr."

b) Was wäre also das "Ideal"?

Den Idealfall sehe ich persönlich in der offenen Beziehung, was ich persönlich nicht auskosten muss, sie aber auf jeden Fall meiner Partnerin oder meinem Partner(!) gönne, wenn er Bedürfnisse hat, die ich nicht stillen möchte oder stillen kann.

Aber von so einer seit der Kindheit gelebten (und genossenen!) offenen, libertinären Einstellung zur Sexualität, sind große Teile der deutschen Gesellschaft weeeiiit entfernt (bei den Franzosen sieht das z.B. durchaus anders aus).

DAS wäre mein "Ideal", und dafür kämpfe ich - auch und gerade hier (da muss man ja nur meine (hilfreichsten) Antworten mal eben durchgehen).

Das "Ideal" der meisten Menschen hingegen sieht anders aus. Sie wurden und werden anders erzogen, und können nur schwer aus dieser aufoktroyierten Haut heraus.

Aus meiner Sicht, und da gehe ich mit Oswalt Kolke konform, sind da (kommerzielle) Pornographie und (zumindest in diesem Ausmaß) auch Prostitution keine Erscheinungen neuzeitlicher Sittenlosigkeit, sondern (Spät-)Folgen religiöser Verklemmtheit.

Und so werden die meisten Menschen mit einem anderen, persönlichen "Ideal" leben (müssen). Und es liegt an jedem Einzelnen, seine Prioritäten zu bestimmen. Mag dabei 50% oder welcher Wert auch immer herauskommen.

Aber was bin ich froh, dass mir so ein Elend erspart geblieben ist ... :-))

PS: Heitere (Hintergrund-)Gedanken/Erläuterungen zur Bedeutung von Sex findest du z.B. in den (letzten) Links im Post Scriptum meiner Antwort hier: https://www.gutefrage.net/frage/ab---wieviel--jahren--darf--man--sex--haben---15#answer-239606061

Errata:

Mit "Oswalt Kolke" war natürlich "Oswalt Kolle" gemeint, und ich meinte im Post Scriptum auch "weitere" Gedanken und nicht "heitere". LOL

Auch wenn da höchstwahrscheinlich an der einen oder anderen Stelle mein typischer beißender Spott zu lesen sein wird. ^^

6
Sex hat im Grunde genommen in der Beziehung nicht so einen hohen Stellenwert, weil...

Hallo!

Das ist eine gute Frage (DH!) und ich bin der Ansicht, dass man das nicht so pauschal sagen kann sondern differenziert zu betrachten hat da keine PArtnerschaft der anderen gleicht ------> dahingehend tendiere ich sogar dazu zu sagen, dass Sex nicht soooo wichtig ist wie man es oft denkt.

Eine wirklich gute und tiefgehende Beziehung dreht sich nicht nur um Sex, sondern auch um echte Liebe, Zusammenhalt, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und das schöne Gefühl "zuhause zu sein" in den Armen einer Person, die einen so liebt wie man ist & immer für einen da ist, egal was auch immer passiert.. da kann die Hölle frieren und weiß Gott was passieren, die Liebe bleibt! Und das ist doch wichtiger als dynamischer Sex... der wird mMn überbewertet. Klar gehört er bzw. gehört sexuelle Anziehung dazu, aber nicht in dem Ausmaß das oft suggeriert werden soll.

Hoffe ich konnte helfen :)

Eine Partnerschaft ohne Sex ist nicht denkbar, weil...

Hallo Mondkind,

ich entscheide mich dafür, dass Partnerschaft ohne Sex nicht denkbar ist.

Das fällt mir allerdings nicht leicht, weil Sexualität heute meist nur in ihrer „abgespaltenen Form“ verstanden wird.

Nun hat das, was ich so negativ als „Abspaltung“ bezeichne ja auch eine positive Seite:

Ich kann als alter Mensch anerkennend und auch ein wenig melancholisch zu Kenntnis nehmen, wie offen etwa Jugendliche sich heute über ihre sexuellen Praktiken und Probleme austauschen.

Diese Befreiung ist eine entscheidende Voraussetzung für ein offenes, lustvolles und tolerantes Miteinander.

Doch droht diese Befreiung nicht in ihr Gegenteil umzuschlagen, wenn Sex zu einem Konsumgut herabgewürdigt wird, das eine Sexindustrie steuert und ausbeutet?

Führt diese Entwicklung nicht vermehrt dazu, dass der Partner zum auszutauschenden Konsumgut wird, wenn seine Attraktivität, seine Werbewirksamkeit nachlässt?

Ist die Toleranz gegenüber dem Sexuellen nicht oft eine „repressive Toleranz‘“, die in neue Unfreiheit, in neues Leid führt? –


Könnten wir die uns durchdringende Kraft der Sexualität entfernen, ich vermute, wir wären nur noch seelenlose Roboter.

Aber „gottlob“ können wir das nicht.

Ich bin als Mensch ein verletzliches Wesen, das in seinem kurzen Leben ein wenig verstehen und ein wenig mehr erahnen kann, wie diese Urkraft „SEX“ in all unser Fühlen und Denken eingreift.

Weil ich von dieser existentiellen Bedeutung des Sexuellen überzeugt bin, meine ich, dass eine Partnerschaft ohne Sex nicht möglich ist.

Ich sehe ein, dass es auch schon juristisch nötig ist, zwischen eindeutig sexuellen Praktiken und einem zugewandten, liebevollen Miteinander zu unterscheiden.

In einer Partnerschaft findet Sexualität aber auch dann Ausdrucksformen, wenn „Sex“ im technischen Sinn des Wortes nicht in Erscheinung tritt.

Ich gebe zu: Es bleibt ein begriffliches Dilemma.

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Lg Lole737

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