Welchen Evolutionären Sinn hat "Unattraktivität"?

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8 Antworten

hallo! Gäbe es diesen Unterschied nicht so gäbe es auch keine Auswahl - genau diese macht aber die Evolution aus. ist bei den Menschen nicht anders als bei Tieren.

Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!

Die evolutionär relevante Attraktivität ist ja etwas ganz anderes, als das, was wir Menschen als ein Schönheitsideal kultiviert haben.

Für ein Paradiesvogelweibchen ist das Männchen, mit den buntesten, längsten, geschweiftesten Feder am attraktvisten. Und meist finden wir solche Exemplare auch schön.

Aber das ist eben etwas ganz anderes.

Für ein Webervogelweibchen ist der beste Nestbauer am attraktivsten. Und für ein Flußpferd der Bulle mit den längsten Zähnen.

Im Prinzip geht es dabei um die sexuelle Selektion:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Selektion

Hierbei kommen für die Partnerwahl Kriterien zur Auswahl, die nur indirekt einen Vorteil darstellen, manchmal sogar für das Individuum ein Nachteil sein können.

Tatsächlich ist diese Attraktivität aber immer nur im Auge des angesprochenen Betrachters wirksam und muß für uns keineswegs nachvollziehbar sein.

Aber selbst innerhalb unserer Spezies ist ja das Spektrum dessen, was als attraktiv betrachtet wird, weit gefächert. Auf jeden Topf paßt ein Deckel und manchmal fragt man sich doch schon, wie der/die eine/n abbekommen konnte. Aber wenn´s schnackelt...

Interessante Anwort.

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Die Evolution richtet nicht jedes einzelne individuelle Lebewesen optimal auf Ueberleben und Fortpflanzung aus - schliesslich gibt es ja z. B. auch erbkranke, impotente, homo- und asexuelle oder von Geburt an schwerbehinderte Menschen. Der Anteil solcher Lebewesen in einer Gruppe ist allerdings niedriger, als er waere, wenn diese Merkmale dem Ueberleben bzw. der Fortpflanzung in hoeherem Ausmass dienlich waeren.

Darueber hinaus ist zu bedenken, dass nichts und niemand an sich attraktiv ist, sondern stets nur fuer andere - und diese anderen moegen in ihrem Urteil, was nun attraktiv ist, durchaus voneinander abweichen, sodass der eine eher dunkle Haare und kleine Personen schoen findet, der andere hingegen blonde Haare und grosse Personen. So etwas wie ein objektives Merkmal Attraktivitaet, das vererbt werden koennte, gibt es also gar nicht, sodass insbesondere der Hypothese "wir müsste nalle so ziemlich gleich aussehen,wie makellose Puppen" die Grundlage fehtl.

Begriffe wie Attraktivität und Unattraktivität sind relative Begriffe, genauso wie groß und klein. Du kannst einen Menschen nur dann als groß bezeichnen, wenn es gleichzeitig auch viele kleinere Menschen gibt.

Wenn alle Menschen gleich aussehen würden, könntest du keinen als attraktiv und unattraktiv bezeichnen. Erst der Unterschied zwischen den Menschen macht es möglich, den einen als attraktiv und den anderen als unattraktiv zu bezeichnen.

Genauso könntest du sagen, dass für dich ein iPhone 5 attraktiv gegenüber einem Nokia 6600 aussieht. Die beiden Modelle sehen in der Tat sehr unterschiedlich aus. Es macht aber keinen Sinn zu sagen, unter den baugleichen und fabrikneuen iPhones 5 sei das eine attraktiver als das andere (es sei denn, du wüsstest, dass das eine schon mal von einer berühmten Person in die Hand genommen wurde, das andere aber nicht: dann ist das eine vielleicht aufgrund deines Wissens attraktiver als das andere).

Hinzu kommt, dass Attraktivität und Unattraktivität subjektive Begriffe sind. Evolutionstheoretisch handelt es sich bei ihnen um Funktionen der sexuellen Selektion, die im Tierreich weit verbreitet ist. Will sagen: Dort kommt die Unterscheidung her.

Variation, d.h. die Verschiedenartigkeit der einzelnen Individuen, gehört zu den Grundprinzipien der Evolution. Ohne Variation (wenn also alle Individuen gleich wären) könnte es keine Evolution geben. Ursprünglich gab es nur die natürliche Selektion, d.h. einige Individuen waren besser gegenüber der Umwelt angepasst als andere.

Mit der sexuellen Fortpflanzung bildete sich dann aber bei vielen Arten schon bald die sexuelle Selektion aus. Dabei wählen im Allgemeinen die Weibchen bevorzugt die Männchen als Fortpflanzungspartner, die ihnen aus irgendeinem Grund besonders "fit" vorkommen (z. B. toller Gesang, buntes Federnkleid, körperliche Größe und Stärke, Pfauenschweif, Geweih, ...). In der Biologie nennt man die gewählten Merkmale "Fitnessindikatoren". Man könnte aber auch sagen: Die Weibchen wählen die für sie "attraktivsten" Partner und lassen die unattraktiven außen vor.

Beim Menschen (und bei einigen anderen Arten) gibt es eine beiderseitige sexuelle Selektion: Frauen wählen die für sie attraktivsten Männer, Männer die für sie attraktivsten Frauen. Männer werden sehr selektiv, wenn es um langfristige Beziehungen (vielleicht sogar mit Heirat und Familiengründung) geht. Einige Biologen behaupten, dies sei der Grund, warum beim Menschen vor allem Frauen verstärkt Attraktivitätsmerkmale besitzen, bei vielen Tieren aber nur die Männchen. Bei den Enten z. B. sind die Männchen bunt und sehr verschiedenartig, während die Weibchen alle mehr oder weniger gleich grau aussehen. Beim Menschen sind es vor allem die Frauen, die sich schmücken und bemühen, besonders attraktiv auszusehen. Das hat historische, evolutionstheoretische Gründe.

So, und damit schließt sich mein Gerede: Unattraktivität als subjektive Einschätzung kann es nur geben, wenn Attraktivität als sogenannter Fitnessindikator im Rahmen der sexuellen Selektion eine grundsätzliche Rolle spielt. Ein See-Elefant-Männchen (Bulle) würde die Weibchen seines Harems vermutlich nicht als unterschiedlich attraktiv empfinden. Für ihn sind sie allesamt Weibchen, die ihm gehören. Diese Attraktivitätsunterschiede haben wir Menschen dann später auf alles andere übertragen. Heute unterscheiden wir beispielsweise Autos, ob sie für uns attraktiv oder weniger attraktiv erscheinen.

Evolution trifft bei Menschen in gewisser Art und Weise einfach gar nicht mehr zu. Wir haben eine recht fortschrittliche Medizin, Behinderungen und Verletzungen bedeuten nicht mehr zwangsweise das Ende durch Selektion. So ähnlich würde ich das auch da sehen. Früher hatte der Mensch auch nicht zwangsweise ein Verständnis von "inneren Werten" kann ich mir vorstellen.

Evolution trifft bei Menschen in gewisser Art und Weise einfach gar nicht mehr zu.

Das habe ich auch lange so gesehen. Aber immer mehr komme ich zu der Ansicht, daß das falsch ist.

Solange Menschen sterben, findet auch Selektion statt.

Wer zum Beispiel als Autofahrender Jugendlicher eine eher hohe Risikotoleranz hat, hat gute Chancen, sich vor seiner Reproduktion um einen Baum zu wickeln. Das könnte über lange Zeit bei stabilen Gegebenheit zu einem Sinken der Risikobereichtschaft in der Gesamtpopulation führen.

Oder wer z.B. eine höhere Immunität gegen gewisse "Umweltgifte" hat, wird vielleicht gesündere Nachkommen mit weniger Allergien und pathologischen Dispositionen in die Welt setzen.

Weichmacher in Kunststoff können zu einer Verminderung der Spermienzahlen führen. Männer, die hier toleranter sind, haben einen höhere Reproduktionsrate und es könnte sich einen Weichmacherimmunität entwickeln.

Also es gibt genug Möglichkeiten, wie wir noch evolutionieren können.

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wie bei allen eigenschaften gibt es auch bei der partnerwahl eine gewissen variabilität indem fall nach welchen kriterien menschen ihre partner aussuchen und die sind nunmal wie jeder weiß stark unterschiedlich: manche gehen nur nach dem äußeren, manche nach gemeinsamen hobbys, nach ähnlichen charaktern oder entgegengesetzen etc etc

was jeder mensch als schön empfindet ist dadurch stark individuell und fördert somit die genetische variabilität und die evolutionäre fitness.

Menschen, die nicht attraktiv sind, entstehen durch die Variabilität, also die Unterschiede zwischen Individuen. Diese Variabilität ist eine Triebfeder der Evolution; ohne sie gäbe es keine natürliche Selektion.

"Unattraktive"(und im evolutionären Sinne bedeutet das etwas anderes als im heutigen Sinne) sind also durch die Variabilität entstanden.

Warum gibt es sie heute noch? Nun- die Kriterien für Attraktivität sind sehr unterschiedlich, ganz abgesehen davon, dass auch unattraktive Individuen einen Fortpflanzungstrieb besitzen; letzte Lösung wäre in diesem Falle, dass sie sich untereinander fortpflanzen.

Schönheit ist subjektiv und hat daher keine Bedeutung für die Evolution.

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