Welchen Einfluss hat das JobCenter auf meine Gehaltsforderungen?

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2 Antworten

Im Alg2 existiert kein Berufs-, Ausbildungs- oder Einkommensschutz.

Eine explizite Forderung des Jobcenters bzgl. deiner Gehaltsvorstellungen ist nicht nötig, da du im Alg2 zu jedem nicht-sittenwidrigen Lohn grundsätzlich in jedem Job arbeiten musst; gibt zwar einige Ausnahmen - Tendenzbetriebe, Prostitution ... -, aber im Endfeffekt bedeutet das, dass du als Akademiker Toiletten putzen musst, wenn sich dir die Möglichkeit bietet.

Die FA der JC zu § 10 SGB II meint zu Sittenwidrigkeit der Löhne:

(3) Sittenwidrigkeit ist für die Fälle anzunehmen, in denen die Lohngestaltung durch ein auffälliges Missverhältnis gegenüber dem allgemeinen Lohnniveau für vergleichbare Arbeiten gekennzeichnet ist. Ein solch auffälliges Missverhältnis liegt nach Auffassung des Bundesarbeitsgerichts vor, wenn die Entlohnung nicht einmal 2/3 eines in der betreffenden Branche und Wirtschaftsregion üblicherweise gezahlten Tariflohns beträgt (Urteil vom 22.04.2009, 5 AZR 436/08). In Bereichen, in denen keine einschlägigen Tarifverträge existieren, sind ggf. verwandte Tarifverträge als Vergleichsmaßstab heranzuziehen.

Dieser Richtwert bildet zunächst den Ausgangspunkt für die Beurteilung der Entgeltvereinbarung. In die notwendige Gesamtwürdigung fließen sämtliche Umstände des Einzelfalles mit ein, wie etwa über-lange und unregelmäßige Arbeitszeiten.

Wurde ein Tarifvertrag durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales für allgemeinverbindlich erklärt, sind Abweichungen nach unten nicht zulässig (z. B. beim Mindestlohn im Baugewerbe).

(4) Eine Konkretisierung der Zumutbarkeit im Einzelfall sollte u. a. wegen der Eigenbemühungen in der Eingliederungsvereinbarung (EinV) erfolgen. Hier ist auch aufzunehmen, unter welchen Bedingungen eine Arbeit zumutbar ist (z. B. bei Betreuungspflichten).

Eine Forderung des Jobcenters bzgl. deiner Gehaltsforderungen könnte allenfalls dahingehend bestehen, dass du durch die Höhe der Forderung nicht bewusst eine Anstellung hintertreiben darfst. Das heißt, wenn du in deinen Bewerbungsgespräch als Kloputzer 5000 EUR/Monat forderst, kannst du ein Problem in Form einer Sanktion bekommen.

http://www.harald-thome.de/media/files/SGB%20II%20DA/FH-10---20.05.2011.pdf

Wenn ich das richtig deute,beziehst du ALG1,oder ? In dem Fall entscheidet die bisherige Dauer deiner Arbeitslosigkeit darüber, welche Lohnhöhe angemessen ist. In den ersten 3 Monaten der Arbeitslosigkeit sind Jobs zumutbar,in denen du 20% weniger verdienst als in deinem letzten Job. Zwischen dem 4. und 6.Monat dürfens 30% weniger sein . Ab dem 6.Monat sind sogar Jobs zumutbar,bei denen du nur genausoviel Geld verdienst,wie du bislang ALG1 hattest.

MaPoX 14.07.2011, 16:18

Danke für die Info, allerdings beziehe als Univeritätsabgänger ALG2. Getaggt hab ich es mit ALG2, allerdings hätte ich es noch explizit dazu schreiben sollen.

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Werniman 14.07.2011, 17:51
@MaPoX

Sorry,auf die Tags kucke ich nur selten,daher hab ich das "ALG2" hier auch übersehen. Bei ALG2 musst du in Sachen Lohnhöhe fast alles Annehmen,was die dir zuweisen..als "Hartzer" bist du diesbezüglich praktisch "vogelfrei". Ausnahmen gibts nur,wenn der Job sittenwidrig ist,was die Bezahlung angeht. Praktisch heißt das,daß du nur ablehnen kannst,wenn der Lohn 30% unter dem Tariflohn liegt. Oder wenn kein Tarifvertrag existiert,dann liegt die Grenze bei 30% unter dem ortsüblichen Lohn im entsprechenden Job.

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