Welche Zeitverhältnisse im AcI (Latein)?

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3 Antworten

Es handelt sich hier um ein rein deutsches Problem. Im Deutschen gibt es die consecutio temporum wie im Lateinischen oder den romanischen Sprachen nämlich nicht.

Der Konjunktiv 1 ist immer Konjunktiv 1 und zeigt als Sprachzeichen an, dass etwas von etwas anderem innerlich abhängig ist.

Ich glaubte, es gebe keine Hoffnung mehr.

Ich dachte, dass er ein Held sei.

In der gesprochenen Sprache wird hier einfach der Indikativ benutzt. In der Schriftsprache sollte man aber den Konjunktiv 1 benutzen (wobei er wiederum nur in der 3. Person Sg. einwandfrei funktioniert).

Einen AcI kann man ins Deutsche deshalb immer mit einem Konjunktiv 1 wiedergeben. Denn auch die Konstruktion AcI ist ja immer von einem Verbum des Sagens und Denkens abhängig (verba dicendi et sentiendi): denken, glauben, sagen, meinen, hoffen, … 

Die Vor-, Nach- und Gleichzeitigkeit kann man genauso fehlerfrei mit dem Konjunktiv wiedergeben:

»In meiner Kindheit habe ich es gehasst.«

--> Er bekannte, dass er es in seiner Kindheit gehasst habe.

»Ich hasse es wie die Pest!«

--> Er sagte, er hasse es wie die Pest.«

»Ich werde es immer hassen!«

--> Er prophezeite, dass er es immer hassen würde.

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Magister discipulam bene scribere dixit.

--> Der Lehrer sagte, dass die Schülerin gut schreibe.

Magister discipulam bene scribere dicit

--> Der Lehrer sagt, dass die Schülerin gut schreibe.

Aber: Magister discipulam bene scripsisse dixit.

--> Der Lehrer sagte, dass die Schülerin gut geschrieben habe.

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Das kommt auf den Unterricht an. 
Die meisten Lateinlehrer freuen sich, wenn die Vor-, Gleich- und Nachzeitigkeit überhaupt erkannt wird. Sie ist bei der Übersetzung wesentlich wichtiger als die deutschen Eigenbröteleien hinsichtlich der Konjunktivnutzung; diese entsprechen der Consecutio temporum sogar manchmal gar nicht.

Ich denke daher, dass jeder Lateinlehrer die Übersetzung vorziehen würde:
Du würdest glauben, dass sie jene Frauen waren.

Exakt gemäß der Zeitenfolge. Wenn nicht, würde der Lehrer euch dies bekanntgeben.

http://dieter-online.de.tl/Consecutio-temporum-\_-Zeitenfolge.htm

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Hallo,

Du mußt beachten, was im Deutschen korrekt ist.

Du kannst schreiben: Man hätte glauben können, sie seien jene Frauen oder:

Man hätte glauben können, daß sie jene Frauen sind. Hier ist im Deutschen der Indikativ angebracht - unabhängig davon, ob hier im Lateinischen ein Konjunktiv steht.

Da hier der Infinitiv Präsens verwendet wird, bedeutet dies, daß die Tatsache, daß es sich um jene Frauen handelt, bis in die Zeit des Erzählers hinein gültig ist. 

Wäre die Tatsache nur für die Zeit, von der berichtet wird, gültig, stünde statt esse fuisse:

Putares eas illas feminas fuisse = Man hätte annehmen können, daß diese jene Frauen gewesen sind.

Herzliche Grüße,

Willy

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Kommentar von Deponentiavogel
21.08.2016, 14:18

Warum ist hier der Indikativ angebracht?

Gerade bei Übersetzungen aus dem Lateinischen soll es doch förmlich oder feierlich klingen.

Man hätte glauben können, dass sie jene Frauen sind. -->

Man hätte glauben können, dass sie jene Frauen seien.

Glauben gehört eindeutig zu den verba dicendi et sentiendi, Konjunktiv 1 ist hier also mehr als nur angebracht.

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