Welche Vorteil hat das Bilateralsymmetrische Nervensystem?

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Betrachte einmal die Baupläne von Tieren und vergleiche sie. Du wirst sehen, dass den meisten Tieren, ob sie nun im Wasser, an Land oder im Boden leben, ein gemeinsames Grundbauprinzip zu eigen ist, das sich unmittelbar aus der Notwendigkeit der Futtersuche ergibt. Wenn Du ein sehr ursprüngliches, radiärsymmetrisches Wesen wie eine Qualle betrachtest, so wird Dir auffallen, dass sie ihr Futter nur über eine Körperöffnung aufnehmen und auch die unverdaulichen Reste nur daraus wieder abgeben kann. Das Fressen wird für sie gewissermaßen zum Stoßgeschäft. Viel praktischer für ihre evolutive Weiterentwicklung wäre ein durchgehendes Darmrohr, das sich an die Mundöffnung anschließt und ein After zur Ausscheidung, so dass es ihm möglich wäre, kontinuierlich zu fressen, zu verdauen und auszuscheiden.

Um Futter aktiv zu suchen, um sich überhaupt in eine bestimmte Richtung gezielt zum Futter hin bewegen zu können, ist vor allem eine gestreckte Gestalt von Vorteil, mit einem ausgeprägten Vorder- und einem Hinterende. Nur wenige Tiere wie Seesterne, Quallen und Seeigel bevorzugen einen offenen Aktionsraum und bilden daher einen runden oder strahlenförmigen Körper aus. Festsitzende Tiere wie die Seeanemonen gleichen sogar eher einer Blume als einem Tier.

Am Vorderende sind dann, wie sollte es anders sein, Organe konzentriert, welche der Informationsbeschaffung dienen. Anders als die Pflanzen müssen sich Tiere bei ihren häufigen Ortswechseln ja immer wieder auf die verschiedenartigsten Umgebungen einstellen, müssen ihre Nahrungsquellen aufspüren, Hindernisse umgehen, vor extremen Witterungslagen Schutz suchen und anderen drohenden Gefahren ausweichen. Dazu benötigen sie Einrichtungen, die es ihnen erlauben, entlang ihres Weges den physikalischen und chemischen Zustand der Umgebung laufend zu überprüfen und daraus Folgerungen für ihr Verhalten zu ziehen. Ein detailliertes Bild der Außenwelt erhalten sie unter anderem durch aufgefangenes Licht, welches, von den Gegenständen ihres Umfeldes reflektiert, ihr Auge trifft. Chemische Zustände und deren Veränderungen nehmen sie über Fühler, Nasen und Zungen wahr, Geräusche treffen als Luftschwingungen ihre Ohren, und Tastorgane wie die Schnurrhaare vermitteln ihnen auch noch im Dunkeln die Oberflächeneindrücke ihres Umfeldes.

Den verschiedenen Sinnesorganen ist bei allen höher entwickelten Tieren ein mehr oder weniger leistungsfähiges Hirn nachgeschaltet, um die empfangenen Umgebungssignale richtig zu deuten, einen komplexen Gesamteindruck der Außenwelt zu gewinnen. Üblicherweise, aber nicht immer, nimmt das Ganze einen solch großen Raum ein, dass das Tier sein Vorderende zu einem hervorgehobenen Kopf umgestaltet hat. Dieser enthält - üblicherweise, aber ebenfalls nicht zwingend - auch einen Mund zur Aufnahme der Nahrung. Gefressen wird am besten dort, wo auch die prüfenden Sinnesorgane sitzen.

Nachtrag: Dass Sinnesorgane paarig, also bilateralsymmetrisch angelegt sind, ergibt sich aus der Notwendigkeit, eine Reizquelle zu orten. Durch zwei verschieden Empfangsorgane könne Reizquellen angepeilt werden, weil ihre Signale zu verschiedenen Zeiten eintreffen. Die Körpersymmetrie des Zentralnervensystems ergibt sich aus der Notwendigkeit, symmetrische angelegte Fortbewegungsorgane aufeinander abzustimmen.

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@DocBernd

Wenn der Evolutionsschritt zur Bilateralsymmetrie nie stattgefunden hätte, wäre das Leben auch weiter gegangen. Eine Notwendigkeit zu diesem Schritt gab es nicht. Der entscheidende Fortschritt, der durch die Bilateralsymmetrie eingetreten ist, ist die Möglichkeit von Spiegelungsvorgängen im ZNS, der ein Bewusstsein erlaubt, das die asymmetrischen Tiere (z.B. Schwämme) nicht haben.

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Stell dir ein simples Lebewesen vor, etwa einen Süßwasserpolypen. Sobald es anfängt, über den Boden zu kriechen und ein Vorne, Hinten, Oben und Unten zu entwickeln, wird es wichtig, wo an seinem Körper es welche Funktionen unterbringt. Klar, dass die Sinne eher vorne sind als am Hinterende. Am besten liest du dir dazu mal ein paar Bücher durch.

Der entscheidende Fortschritt durch die Enstehung der Bilateralsymmetrie ist die Möglichkeit von Spiegelungs-

vorgängen im Nervensystem besonders dann im Gehirn, die ein Bewusstsein erlauben, das die asymmetrischen Tiere (z.B. Schwämme) nicht haben und das auch in unseren asymmetrischen inneren Organen (z.B. Darm, Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse) nicht möglich ist. Asymmetrische Organe arbeiten im Zustand eines stoffwechelaktiven Dauerschlafes, während in symmetrischen Organen das Wachbewusstsein lebt und sie teilweise auch lenken kann.

Das Gleiche gilt für Tiere, die in ihrem Bauplan symmetrische

Elemente des Nervensystems haben oder eben nicht haben.

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