Welche Ursachen kann Bettnässen bei einem 6-jährigen haben?

4 Antworten

Hier eine ganz lange Antwort, die hoffe ich viele Fragen beantwortet. Ist ein Text den ich von meiner Arbeitsstelle habe, eine Klinik für Kinder-/Jugendpsychiatrie. Und ganz wichtig: Nehmen Sie die Situation ernst, aber überbewerten Sie sie nicht. Die wenigsten Kinder bleiben Bettnässer! Die persönliche Reife spielt da auch mit, es kann also einfach auch sein, das ihr Sohn einfach noch nicht soweit entwickelt ist und in dem Punkt vielleicht einfach noch keine 6Jahre alt ist.

Dinge, über die wenig geredet wird, sind mit Vorurteilen belastet. Für das Bettnässen gilt das allemal. Mit der Folge, dass die Betroffenen stärker leiden, als sie es ohnehin schon tun – das gilt für Kinder und ihre Eltern genau so wie für Erwachsene. Zu den oft anzutreffenden Vorurteilen beim Bettnässen gehören Vorwürfe der Eltern, in der Erziehung etwas falsch gemacht zu haben, genauso wie die Angst, dass eine psychische Störung die Ursache des Bettnässens sein könnte. Beides ist falsch.

Vorwürfe der Eltern sich selbst gegenüber sind fehl am Platz, auch Vorwürfe dem Kind gegenüber. Richtig ist jedoch, dass psychische Störungen Folge des Bettnässens sind. Die erste Bedingung, um dem vorzubeugen, ist, über die grundlegenden Tatsachen und Ursachen des Bettnässens informiert zu sein.

Grundlegende Fakten

Für die meisten Menschen überraschend ist der Umstand, dass Bettnässen äußerst häufig vorkommt. In der Tat ist es die häufigst anzutreffende Störung im Kindesalter. Nachts nässen 25 % der Vierjährigen, 10 % der Siebenjährigen und auch noch 1 bis 2 % der Jugendlichen ein. Selbst 1 % Erwachsene sind betroffen. In der Medizin wird das Bettnässen im Übrigen erst ab dem vollendeten 5. Lebensjahr als therapiebedürftiges Problem gesehen, denn erst ab dem 3. und 4. Lebensjahr kann die Anspannung der Blasenmuskulatur gesteuert werden und auch dann bedarf es noch einiger Zeit, bis sich die Steuermechanismen voll entwickeln. Bettnässen unter 5 Jahren ist also ein völlig normales Vorkommnis.

Aber auch ab dem Alter von 5 Jahren ist das Bettnässen meist kein Grund zur Sorge. Jedes Jahr werden rund 10 % der Kinder ganz von alleine trocken. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Einnässen einstellt, ist also recht hoch. Aber auch wenn nicht: Bettnässen ist behandelbar.

Häufige Ursachen

Normalerweise ist das Problem auf eine sogenannte Funktionsstörung zurückzuführen. Bei der häufigsten Form von kindlichem Bettnässen, der sog. primäre Enuresis nocturna (Kinder werden nachts "nicht trocken") handelt es sich um eine Reifungsverzögerung des Zentralnervensystems.

Hierzu kann ein relativ kleines Blasenvolumen des Betroffenen gehören oder die Tatsache, dass das Kind nachts besonders tief schläft und nicht von allein aufwacht, wenn die Blase voll ist. So wie diese Beispiele haben die meisten Ursachen des Einnässens nichts grundlegend Alarmierendes an sich. Psychische Probleme sind in diesem Fall nicht die Ursache, allerdings häufig die Folge. Andere Formen des Bettnässens können aber auch psychisch bedingt sein.

Was Sie tun können

Versuchen Sie die psychischen Ursachen herausfinden Stärken Sie das Selbstwertgefühl Ihres Kindes Sorgen Sie für eine entspannte häusliche Atmosphäre Bettnässen sollte niemals bestraft werden Ändern Sie die Ess- und Trinkgewohnheiten für Ihr Kind, d.h. keine großen Flüssigkeitsmengen am Abend Vor dem Schlafengehen und evtl. einmal während der Nacht mit dem Kind zur Toilette gehen Setzen Sie Hilfsmittel (Feuchtigkeitsalarmgeräte) ein, z.B. Klingelhose Motivieren Sie Ihr Kind und freuen Sie sich gemeinsam auf kleine Erfolge Vermeiden Sie nach Möglichkeit, dass Ihr Kind bei Freunden übernachtet. Das führt zum Erfolgszwang und Bettnässen könnte vorprogrammiert sein; Hänseleien der Kinder wären die Folge. Bewahren Sie Ruhe. Viele Betroffene machen sich unberechtigte Sorgen. Hierzu kommt die Angst, dass das Kind seelische Probleme oder organische Krankheiten hat. All das ist unnötig. In den meisten Fällen liegt keine organische Erkrankung vor. Das nächtliche Einnässen wird nicht durch seelische Probleme hervorgerufen und hat auch nichts mit falscher Erziehung zu tun.

Wann Sie zum Arzt müssen

Obwohl es in der Regel keine organische Ursache hat, gibt es Erkrankungen, die Einnässen zur Folge haben können, zum Beispiel Harnwegsinfektionen. Das muss untersucht werden. Damit Sie selber schon mal checken können, ob ein Verdacht auf eine Erkrankung vorliegt, haben wir im Folgenden ein paar Fragen zusammengestellt.

Wenn Sie eine oder mehrere Fragen mit Ja beantworten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, der diesem Verdacht dann nachgehen und die notwendigen Untersuchungen vornehmen kann.

Hatte Ihr Kind schon einmal eine Harnwegsinfektion? Leidet Ihr Kind unter Entzündungen im Genitalbereich? Leidet Ihr Kind unter Einkoten, Stuhlschmieren oder Verstopfung? Nässt Ihr Kind auch am Tage ein? Trinkt Ihr Kind aussergewöhnlich hohe Mengen? Trinkt Ihr Kind viel während der Nacht? Geht Ihr Kind sehr häufig auf die Toilette? Hat Ihr Kind einen schwachen oder unterbrochenen (stotternden) Harnstrahl? Leidet Ihr Kind unter plötzlich eintretendem Harndrang? Hatte Ihr Kind eine Operation an der Wirbelsäule oder am Harntrakt? Hat Ihr Kind einen ausgeprägt starken Bewegungsdrang? (Hyperkinetik) Leidet Ihr Kind unter deutlichen Entwicklungsverzögerungen? Leidet Ihr Kind unter häufigen Kopfschmerzen oder Sehstörungen? Was Ihr Arzt tun kann

Meist reicht schon ein ausführlicher Fragebogen und eine Ultraschalluntersuchung von Blase und Niere. In Anbetracht der Häufigkeit des Bettnässens sind die meisten Ärzte mit dem Problem sehr gut vertraut. Früher wurden betroffene Kinder geröntgt, operiert oder ihnen wurden nicht indizierte Medikamente verabreicht – in über 90 % der Fälle völlig unnötiger Weise. Dem kann heute durch gezielte Diagnose und Therapie entgegengesteuert werden.

Sind Psychologen und Psychiater wichtig für eine Therapie?

Diese Frage ist zu bejahen wenn Kinder unter dem Einnässen leiden. Sie schämen sich und sind enttäuscht über sich selber. Wenn sie dann im Freundeskreis oder sogar im ärztlichen oder familiären Umkreis auf Unverständnis stoßen, kann dies zu starken seelischen Belastungen führen. Mit Sicherheit gilt bei Kindern, die nie trocken waren: Nicht seelische Belastungen führen zum Einnässen, sondern das Einnässen führt zu seelischen Belastungen.

Und wie hilft man denjenigen die keine organischen Erkrankungen haben?

Zunächst gilt, dass Kinder unter 5 Jahren keine Behandlung benötigen. Für Kinder ab 6 Jahren, wie im Übrigen auch für Erwachsene, liegen viele Behandlungsmöglichkeiten vor. Zuerst muss aber man feststellen, um welche Form des Einnässens es sich handelt. Da gibt es die Unterscheidung zwischen nächtlichem Einnässen und dem Einnässen während des Tages. Und auch innerhalb dieser Kategorien unterscheidet man weitere Formen. Wichtig bei der Behandlung der Kinder ist, dass sie selbst einen Leidensdruck verspüren und nicht nur die Eltern allein.

Grundsätzlich beginnt die Behandlung mit allgemeiner Beratung, Beruhigung, Motivationsaufbau. Außerdem gibt es eine wirksame medikamentöse Therapie mit Nasenspray oder Tabletten. Hierbei wird das fehlende körpereigene Hormon (Vasopressin) ersetzt, welches für die Urinkonzentration in der Niere verantwortlich ist. Auch Blasentraining mit gezielten Übungen stellt eine bewährte Behandlung dar. Hinzu kommen Hilfsmethoden wie die sogenannten Klingelhosen. Das ist ein mit der Windel oder Unterhose verbundener Weckapparat, der sich meldet, sowie der erste Tropfen Urin abgesondert wird.

In manchen Fällen ist im Übrigen doch eine begleitende psychologische Behandlung notwendig, nämlich dann, wenn sich das Kind durch das Einnässen seelisch stark belastet zeigt.

Wie groß sind die Heilungschancen

Nach dem jetzigen Stand der Wissenschaft ist es eindeutig gesichert, dass es für die meisten Kinder effektive Möglichkeiten gibt, ihnen zu helfen. Vergessen Sie auch nicht, dass bis zu 15 % der betroffenen Kinder pro Jahr ganz von alleine trocken werden. Nur darauf darf man sich nicht verlassen. Man kann nicht Jahre warten, bis sich das Einnässen spontan einstellt. Aufgrund der verschiedenen Formen des Einnässens, aber auch wegen des oft hohen Leidensdrucks, mit möglicherweise einhergehenden Verhaltensstörungen ist es unbedingt wichtig, dass ein aktives und umfassendes Behandlungsangebot vorliegt: Viele Kinder werden nicht optimal behandelt. Das ist eine Herausforderung. Die Behandlung muss nach den aktuellen Standards vorgenommen werden.

Wichtiges zusammengefasst:

Sie sind nicht alleine. Einnässen ist sehr verbreitet und kommt häufiger vor als Sie denken. Allein vom nächtlichen Einnässen sind in Deutschland rund 10% der Siebenjährigen und 1% der Erwachsenen betroffen. Es nässen mehr Jungen als Mädchen ein. Normalerweise ist Einnässen kein Verhaltens- oder Erziehungsproblem: kein Kind nässt absichtlich ein. Kinder, die auf Unverständnis stossen oder bestraft werden können mit der Zeit seelische Probleme und Verhaltensstörungen entwickeln, die dann oft einer gesonderten Behandlung bedürfen. Die meisten Kinder wachsen aus dem Bettnässen heraus. Jedes Jahr werden etwa 15 % der Kinder ohne Behandlung trocken. Einnässen ist behandelbar. Zahlreiche Behandlungs- und Trainingsmethoden stehen zur Verfügung, um Ihnen oder Ihrem Kind zu helfen, trocken zu werden. Zögern Sie nicht, Ihren Arzt zu konsultieren - lassen Sie sich von Ihrem Arzt in der Auswahl der geeigneten Verfahren beraten. Behandlungsmöglichkeiten umfassen: Blasenkontrollübungen, Veränderung der Ess- und Trinkgewohnheiten, Motivationstherapie, Alarmgeräte und medikamentöse Behandlung. Geduld und Unterstützung sind wichtige Voraussetzungen auf dem Weg Ihres Kindes zu trockenen Tagen und Nächten. Bestrafung des Kindes ist niemals sinnvoll und immer kontraproduktiv.

Es gibt viele verschiedene Ursachen, die das Bettnässen bei einem 6-Jährigen haben kann. Beispielsweise eine (noch) zu kleine Blase oder das das Gehirn zu wenig AD-Hormon produziert.

Daneben kann es auch psychologische Ursachen haben. Darum ist es wichtig, das von einem Kinderartz abklären zu lassen, denn je nach Ursache ist eine andere Therapie angezeigt.

Eltern von betroffenen Kindenr können sehr viele Selbsthilfemethoden anwenden um ihr Kind schneller vom Bettnässen zu befreien. Siehe: www.gegen-bettnaessen.de

Hallo,mein Sohn(fast 9) nässt auch noch Nachts ein.Heute zb hat er fast 2 x Nacht seingepullert,obwohl ich ihn um 23 Uhr nochmal aufs WC bringe. Werde jetzt auch mal einen neuen Kinderarzt aufsuchen.Ih vermute,das es psychisch ist.

Was möchtest Du wissen?