Welche Taktik haben die Osmanen im 1. Weltkrieg benutzt?

8 Antworten

Dies ist natürlich eine sehr allgemeine Frage. Osmanen hatten im Krieg immer mehr eine defensive als agressive Rolle gespielt, da sie ihren Fokus auf dem osmanischem Reich hatten, und nicht dem allgemeinem Weltinteresse. Zu Konflikten kam es größtenteils mit Großbritannien, da diese im Zuge der Empire Verwaltung dringend Öl brauchten. Aber die Osmanen wollten nicht eine belanglose Kolonie sein, daher kam es zu Auseinandersetzungen.

Die Osmanen waren keine Anfänger im Gebiet "Kriegsführung". Wer ein wenig historische Bildung hat, weiß, dass das osmanische Reich schon lange erfolgreich als Reich bestand und viele große Eroberungen für sich entscheiden konnte. Doch der erste Weltkrieg war für beinahe alle beteiligten ein komplett neues Kapitel, denn kaum einer kannte sich mit der "neuartigen" Kriegsführung aus. Darunter fällt Einsatz von Gas, Flugzeuge, Panzer und natürlich automatische Maschinengewehre und Pistolen. Damit hatte Großbritanien schon einige Erfahrungen, denn sie haben zu dieser Zeit die größte Berufsarmee der Welt befehligt und selber den größten Anteil der "neuen Waffen" erfunden. Die Osmanen hingegen sind Neu auf dem Gebiet  Schusswafen und mussten sich irgendwie ersteinmal mit den zurechtfinden. Desweiteren hatten sie auch keine bemerkenswerte Industrie oder Forschung, welche Waffen hätte produzieren oder entwerfen hätte können. Worin lag also der Vorteil der Osmanen, welche sie zu Ihrem Hauptbestandteil ihrer Taktik nutzten?

Ganz klar: "Heimvorteil". Die trockenen und heißen Wüstenregionen, welche groößtenteils das Osmanische Reich prägen, sind die idealen Schlachgebiete aus sicht der Türken. Sie kannten jeden Centimeter Wüste und konnten so sich perfekt positionieren, gegnerische Lager orten und Hinterhalte vollführen. Die Hitze und Konditionen, welche im Reich herrschen, sind ebenfalls Gewohnheit für die Osmanen, aber gewöhnungsbedürftig für die Briten. Diese haben zwar schon oft mit Hitze gekämpft (siehe Indien oder andere afrikanische Kolonien), allerdings selten in diesem Ausmaß und auch selten länger als einige Monate.

Somit lässt sich zusammenfassend sagen, das die Osmanen die Taktik ihrem Land angepasst haben, um somit ein Vorteil gegenüber dem Feind zu erlangen.

Du fragst nach Taktik meinst aber wohl Strategie. Denn nach Wiki bedeutet ja Taktik im militärischen Sinn „Kunst, ein Heer in Schlachtordnung oder „die Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte im Gefecht“ auf der Ebene von Verbänden.  Dann benutzt du auch noch den Singular, also fragst nach nur einer Taktik. Ich gehe davon aus,  dass dich die militärische Strategie der Osmanen, sprich der gezielte Einsatz von Gewalt um politische Ziele zu erreichen, interessiert.

Ich habe den Eindruck:

Wenn man sich den Zustand der Osmanen vor dem Krieg anschaut, muß man feststellen, dass sie gar nicht gerüstet waren  für einen zu erwartenden 2 fronten Krieg. Nämlich gegen Russland und die Briten, die Franzosen spielten übrigens an diesen Fronten kaum eine Rolle. Was die Osmanen noch erwarten konnten war sogar ein 3. Frontenkrieg, nämlich auch noch gegen die Griechen, die eventuell ihre Neutralität aufgeben würden. Das taten sie dann auch 1917, nachdem sie von den Briten unsanft, mittels eines Staatsstreichs, dazu gebracht worden sind. Außerdem hatten die Osmanen nicht die Ressourcen um so einen Krieg überhaupt zu führen. 

Deshalb ist für mich ersichtlich das ihre Strategie auf 2 Hoffnungen beruhte. 

Die 1. Hoffnung: Deutschland und Österreich gewinnen schnell und besiegen die zwei Hauptfeinde Russland und Briten, die Griechen kämmen dann garnicht auf die Idee einzugreifen. Man würde dann zu den Siegern zählen, nachdem man gegen die geschwächten Briten und Russen auch noch ein paar Siege einfahren würde. Mit der zu erwartenden Beute könnten die Osmanen den Staat stabilisieren und sanieren.

Die 2. Hoffnung: Wenn der Krieg viel länger dauern würde, konnten die Osmanen nur durch massive Hilfe Deutschlands durchhalten. Das wäre dann die Hoffnung gewesen, solange mit Deutscher Hilfe durchhalten bis zum Sieg, nach einer harten und entbehrungsreichen  Zeit. 

Die erste Hoffnung erfüllte sich nicht. Der schnelle Sieg Deutschlands und Österreichs trat nicht ein, in dessen Schlepptau man schnell siegen wollte.

Die zweite Hoffnung auch nicht, da Deutschland nicht so potent war wie gedacht. Die Hilfe kam, reichte aber vorn und hinten nicht aus. Kein Wunder die Deutschen hatten nur Plan A, den schnellen Sieg. Deutschlands Kapazitäten reichten bei weitem nicht aus, um den kranken Mann vom Bosporus wirklich in die Lage zu versetzen wenigstens die Gebiete zu halten.  

Der Krieg ging verloren, das Osmanische Reich unter.


Genau am Anfang zu Kriegseintritt,als es aus osmanischer Sicht so aussah,dass Frankreich kurz vorm Zusammenbruch stand und Russland sich in den Ostgebieten der Mittelmächte festgefahren hat,gab es Offensiven in den Kaukasus und an den Suez-Kanal.Früh kam aber die Einsicht,dass Russland und Großbritannien mehr Reserven zur Verfügung haben als gedacht.Nachdem sich die osmanische Armee im Kaukasus wegen der Kälte und fehlender Winterkleidung fast schon ohne Feindkontakt selber ausgeschaltet hat,konnte die russische Gegenoffensive knapp abgewehrt werden,aber im Süden rollten die Briten die osmanische Front von allen Seiten auf.Dort kämpften die unterlegenen osmanischen Truppen eher hinhaltend und vorsichtig blockierend,da man hoffte,dass der Krieg durch Deutschland schnell genug beendet werden würde,bevor osmanisches Stammgebiet erreicht wird.In den Dardanellen wurde es zwar kritisch,aber durch die damalige,extreme Bevorzugung des Verteidigers in solchen Schlachten konnte auch das abgewendet werden.

Insgesamt also eine defensive,hinhaltende Taktik,die immer eine schnelle,finale Offensive der Mittelmächte erwartete.

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