Welche Rechtsform passt zu meinem Unternehmen?

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2 Antworten

Gut - Branchenkenntnisse sind da. Die darüber hinaus gehenden allgemeinen kaufmännischen Kenntnisse sind auf alle Fälle erweiterbar. Dies solltet Ihr auch tun.

Kleinunternehmer hat nicht mit einer Rechtsform-Entscheidung zu tun. Die wäre rein umsatzsteuerlich.

Es gibt keinen Brutto-Umsatz. Umsatz ist ein Teil der Betriebseinnahme. Nämlich der Teil, der die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer bildet. Vermutlich strebt Ihr also einen Jahresumsatz von etwas über 400.000 Euro an.

Damit wären die Grenzen nach § 19 UStG wirklich weit überschritten.

Dazu kommt, dass die Konkurrenzsituation es sicher nicht leichter machen würde.

Der Bereich An- und Verkauf macht sorgen. Immerhin wird hier nicht nur die übliche Gewerbeanmeldung benötigt. Sondern man braucht eine Genehmigung.

Die bekommt man in der Regel dann, wenn man keine Vorstrafen hat. Daher wäre dieses Problem sicher auch nicht groß. Das tatsächliche Problem sehe ich in zusätzlichen Aufzeichnungspflichten. Ob die über die dann doch oft geringen Gewinnspannen im Bereich An- und Verkauf rentabel erfüllt werden können, dass wäre gesondert zu klären.

Kommen wir zur eigentlichen Frage. Der Rechtsform. Ganz grob gesprochen kommen nur Pest und Cholera als Ausgangstypen in Frage. GbR oder GmbH.

Ein Geschäftsführer einer GmbH - oder in Eurem Falle zwei - benötigt ein vertieftes Wissen im kaufmännischen Bereich. Eben um die entsprechenden kaufmännischen Grundsätze auch so zu implementieren.

Die Kenntnis ist auch deshalb notwendig, um einfach den Sinn und Nutzen auch zu erkennen. Schließlich könntet Ihr auch zu mir sagen: Dirk baue uns das auf, schreibe eine Betriebsanleitung, wann was wie in was für Listen eingetragen werden muss.

Nenne Formeln, die dann sagen: Jetzt bei Dir melden oder jetzt beim Steuerberater. Leider funktioniert das nicht wirklich.

Ein Geschäftsführer, der gerade im Bereich der kaufmännischen Vorsicht Fehler macht, kommt in die Haftung und zwar bis in den Bereich der Strafbarkeit. Das kann zwar auch bei einer GbR passieren, dort ist man aber noch etwas freier.

Die GbR kann ich deshalb nicht ausstehen, weil so vieles vorher geregelt sein muss. Freundschaften platzen oft bereits in den ersten Wochen. Jedes GbR-Mitglied haftet voll. Auch für das was ein anderes GbR-Mitglied tut.

Dein Bruder steht auf große Autos und Du nicht. Dein Bruder meint, ihm würde jetzt mal ein Sportwagen ganz gut stehen. Er bestellt auf Namen der GbR und bezahlt auch vom Konto der GbR. Dagegen kannst Du eigentlich nichts machen.

Ähnlich bei Personalentscheidungen. Einer stellt ein, der andere schreibt die Kündigung.

Nächste Geschichte: Einer hat einen Unfall. Trotzdem stehen der Person die Hälfte der Gewinne zu. Unter Brüdern hat man damit in der Regel keine Probleme, wird vielleicht sogar bei einer GmbH die Geschäftsführer-Verträge entsprechend aufsetzen.

Doch wer die Kenntnis über solche und andere Dinge nicht hat, wird eine GbR immer wieder als Wundertüte empfinden.

Ein schönes Ding ist auch: Einer vergisst immer wieder private Rechnungen zu bezahlen. Gibt sein Geld auch immer schön aus. Weil bei dem nichts zu holen ist, kommt der Gerichtsvollzieher in die GbR.

Und jetzt kommt der Hammer. Er soll eigentlich 1.000 Euro holen. Muss aber für 2.000 Euro pfänden. Denn dem laustrigen Bruder gehört ja nur die Hälfte es Betriebes. Nach der Versteigerung der Gegenstände bekommt dann der eine seinen Verkaufserlös-Anteil erstattet und der andere mit der Schuld verrechnet.

Was oft auch nur unter Fremden (also Freunden) ein Problem ist, dass sind Arbeitszeiten und Arbeitsbewertung. In der Regel wird jeder einen Teil der Arbeit übernehmen.

Verkauf und Einkauf könnte so eine Trennung sein. Einer ist jeden Tag für das Unternehmen 12 Stunden im Einsatz, der andere sagt 8 reichen.

Beide verdienen aber das gleiche Geld.

Also ganz viele Probleme. Ihr solltet Euch eindeutig beraten lassen. Das Thema ist ganz schwierig zu lösen. Ich hoffe dieses auch deutlich gemacht zu haben, mit den m.E. wesentlichen Beispielen.

Dabei hat die Rechtsform natürlich auch steuerliche Auswirkungen. Einmal wegen unterschiedlicher Einkunftsarten, aber auch wegen unterschiedlicher Vorsorgemöglichkeiten. Damit kann die Steuerlast auch sehr unterschiedlich werden.

Deshalb würde ich sogar zu drei Beratern greifen - Obwohl mir die Gefahr klar: Drei Berater sechs Meinungen. Aber für das geringste Übel müsst Ihr dann die Entscheidung fällen. Und die Berater haben dann soweit nötig demgemäß die Nacharbeiten zu erledigen.

Aber gerade bei den angestrebten Zahlen sollte man da schon mit vernünftigen Grundlagen an die Arbeit gehen. Und nicht hinterher mit Konsequenzen leben, die nicht witzig sind.

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Hini99 31.07.2016, 02:34

Was für Berater wären das denn? Ich meine es gibt verschiedene für verschiedene Bereiche, reicht da schon der Gang zum Amt oder Finanzamt? 

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Dirk-D. Hansmann 31.07.2016, 08:41
@Hini99

Vorab mein herzlicher Dank für den Stern! Es freut mich wirklich immer wieder als Ausdruck von Wertschätzung für eine Antwort.

Lass mich die Frage nach den Beratern etwas verdreht beantworten, da die vielleicht nicht gleichzeitig oder die ganze Zeit zusammen arbeiten brauchen.

Ihr plant zwar mit einer relativen Größe, doch wäre dies dann auch überdimensioniert. Als erstes bietet sich ein Unternehmensberater an. Ob der sich Gründungsberater nennt ist egal.

Ein Steuerberater sollte je nach Ausrichtung des Unternehmensberaters frühzeitiger oder später in die Beratung genommen werden.

Danach eben der Rechtsanwalt. Und der dann auch mit relativ konkreten Aufgaben. Nämlich aufgrund der bereits erfolgten Beratungen und eigener Hinweise einen Gesellschaftsvertrag zu entwerfen.

Standards haben eben den Nachteil, dass sie häufig auch wesentliche Dinge kaum oder gar nicht regeln.

Beratungserfahrungen sind dann positiv, wenn die eigenen Entscheidungen wirklich auf Grundlage von Varianten getroffen werden.

Beispiel aus meinem Bereich als Unternehmensberater: Kunde kommt und hat vor einen Online-Vertrieb für Kinderbausteine zu betreiben.

Dann ist es meine Aufgabe diesem Kunden folgendes zu ermöglichen: Sind die Kinderbausteine wirklich das Produkt, dass erfolgreich in den Markt gebracht werden kann? Und ist dieser Kunde insgesamt und speziell für Online-Distribution geeignet?

Auch wenn es da bereits Erfahrungen gibt, bleibt die Aufgabe. Sie ist im Ergebnis nicht mehr so entscheidend, weil natürlich bestehende Erfahrungen durchaus weitere Tests unnötig machen können.

Doch sind Gründungsideen vollständig auf den Prüfstand zu stellen, damit sämtliche Unterpunkte tatsächlich klar sind. Denn nur so entsteht ein entsprechend guter Außenauftritt.

Und die positive Wirkung nach Innen ist wichtig. Reihenfolge von Tätigkeiten wird dann erst logisch. Inhalte dazu sind bereits geklärt. Dabei nur die ersten zwei Auftritte nach außen: Was ist in der Gewerbeanmeldung der Geschäftszweck? Welche Zahlen gehören in den Betriebseröffnungsbogen vom Finanzamt?

Dabei kommen sogar erste Gestaltungen zum Tragen. Die in ihren Auswirkungen ja auch bereits gesteuert sind.

Aber nur wenn ich als Kunde unterschiedliche Varianten kenne und mich für die richtige entscheiden kann, dann ist die Beratung gut.

Dazu kommt auch, dass für unterschiedliche Phasen auch unterschiedliche Entscheidungen korrekt sind. Oder einfach abgefragt werden müssen.

Rein steuerlich kann es durchaus gut sein, dass man mit der GbR beginnt. Doch auch steuerlich ist klar, dass der Wechsel in die Rechtsform der GmbH notwendig sein kann.

Durch gute Beratung kann man also zur gegebenen Zeit die jeweils beste Entscheidung treffen. Ein Unternehmen gründen ist vielleicht wie die Erziehung eines Säuglings.

Die Entscheidungen ändern sich nach Größe. Die Entscheidung für Muttermilch sollte irgendwann man in Frage gestellt werden. Dann tauchen aber andere Dinge auf, die sich nicht mehr nur auf die Ernährung, Windeln und Kindergarten beziehen.

Das Beispiel scheint bestimmt bekloppt, hat aber zwei Vorteile: Erstens halte ich das für alle nachvollziehbar, ohne weitere Kenntnisse und zweitens spricht das Beispiel mal von Weichen für wenige Tage, Wochen, Monate, Jahre oder auch für das komplette Leben.

Ebenso wie sich hier also dauernd neue Fragen und Ebenen auftun, so ist das auch für ein Unternehmen. Und die getroffenen Beschlüsse müssen dann auch konsequent bis zur sinnvollen Veränderung mit Leben gefüllt werden.

Das also nicht nur dazu, was für Fachrichtungen die Berater haben sollen. Sondern auch wie ein Berater nach meiner Meinung wirken sollte.

Immerhin gibt es auch die, die einen anderen Ansatz verfolgen. Da kommt o.g. Kunde und erzählt halt auch Online-Vertrieb Bauklötze. Der Berater nimmt diese Entscheidung gleich als Fakt an oder er sagt selber nö.

Ersetzt Bauklötze durch xyz und Online ist nicht gut, dass machen gerade alle. Deshalb Haustürgeschäfte. Auch damit können Kunden sehr glücklich werden. Nicht nur mit dem Inhalt der Beratung, sondern auch der Art. Ich will hier nichts per se runter machen.

Mein Rat ist aber - Mit Beratern zu sprechen und zu gucken in welchem Sinne sie Euren Vortrag aufnehmen. Entscheidet dann welche Persönlichkeit für Euch die richtige ist.

Dabei gebe ich noch einen weiteren Hinweis. Ist der Berater in der Lage Euch richtig zu verstehen? Und versteht Ihr ihn? Denn immer bei der Informationsvermittlung gehen Informationen verloren.

Eben mehr oder weniger. Je nach Stimmigkeit. Die eben von beiden Seiten abhängt. Damit ist leider auch gesagt: Manchmal ist sogar der schlechtere Berater der bessere.

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Empfehle Absprache mit dem Steuerberater und einem Existenzgründungsberater.

www.gruendungsberatung-online.de/gruenderwissen/existenzgruendungsberatung-2

Meistens läuft es bei mehr als 1 Gesellschafter auf die GbR (Persönliche Haftung mit Privatvermögen, dafür leichtere Kreditaufnahme) oder die GmbH (Stammeinlage nötig, nur das Stammkapital haftet, schwierigere Kreditaufnahme) hinaus.

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