Welche (persönlichen) Voraussetzungen brauche ich, um Jura zu studieren?

4 Antworten

Leidensfähigkeit, Trinkfestigkeit, Streßresistenz und eine abnorm hohe Frustrationstoleranz sollten bei dir vorhanden sein. Zudem solltest Du darauf vorbereitet sein, nicht der einzige zu sein, der -wie von Frederick -genannt, etliche Zeit und Mühe in das Selbststudium stecken will. Vertauschte Bücher und herausgerissene Seiten von genau der Literatur, die du suchst, haben andere schon vor dir entdeckt und wohlmeinend an sich genommen. Der Konkurrenzkampf fängt bereits im Studium an, darauf solltest du vorbereitet sein. Menschenkenntnis solltest du dir, wenn nicht vorhanden, sehr schnell durch die Arbeit in gemeinnützigen Organisationen aneignen, wo Menschen Hilfe brauchen. So gewöhnst du dich sehr schnell daran, von Menschen kalt lächelnd angelogen zu werden.

Falls sich das Studium nicht grundlegend geändert hat: Vor allem Durchhaltevermögen! Die Fähigkeit, selbst Motivationen zu finden. Fragen weit über den angebotenen Lehrstoff hinaus, weil nur jenseits des Lehrstoffs die Motivation zu finden ist!

Bis zur Zwischenprüfung lässt man Dich so krass im luftleeren Raum hängen, dass Du Dich langweilst und Dich fragst, ob die das ernst meinen können: Was soll denn da so schwer sein? Das ist doch bloß einfach trocken und langweilig?! Mit der Zwischenprüfung werden dann 50 % von Euch brachial rausgeschlagen - mit so einer Zwischenprüfung hat keiner gerechnet (wohl auch dann nicht, wenn man mit höheren Semestern gesprochen hat - aber die eben haben ja "überlebt" und sehen das aus einer ganz anderen Perspektive!).

Du musst unglaublich viel Sitzfleisch haben. Aber stures Pauken hilft da gar nicht. Nur tiefes Verständnis bringt für Prüfungssituationen schnell abrufbares Wissen. Also: Fallbeispiele noch und nöcher durchkauen, immer wieder jedes Detail abklopfen. Bis es Dir in Fleisch und Blut übergeht.

Es wird Fachgebiete geben, die MUSST Du eben belegen, und Du brauchst auch die Kenntnisse, aber sie sind sturzlangweilig. Gerade da musst Du nach realen Fällen suchen (und wenn Du in die Bibliothek gehst, Kommentare wälzt, wenn noch niemand Deiner Kommilitonen überhaupt weiß, dass es diese Dinge gibt. Und der einzige Hinweis auf Fälle sind dann irgendwelche Kürzel (der Fall wird selten in einem Kommentar ausgerollt!), die auf juristische Fachveröffentlichungen verweisen. Zapp, diese Veröffentlichungen rausgesucht, Fall lesen, Urteilsbegründung lesen. Damit LEBEN in den Stoff kommt.

Der ganze Mist sieht trocken, zäh und ungenießbar aus. Aber es steckt das wahre Leben drin. Es ist spannend. Wenn es etwas für Dich ist: Es lohnt sich! Es macht Spaß!

Nur Prädikatsabschlüsse sind beim Staat gefragt (vollbefriedigend ist eine 3+ und gilt als die Unterkante der Prädikate - was schon etwas über die Abschlussanforderungen aussagt. Und trotzdem gibt es auch Einser-Abschlüsse!). Damit meine ich Richter und Staatsanwälte. Die persönliche Voraussetzung für diese Jobs wiederum: keine selbstgefälligen Zicken, absolute Neutralität zu allem, die Fähigkeit, Dich Dir selbst gegenüber so nüchtern und distanziert zu stellen wie einem völlig Fremden gegenüber. Persönliche Animositäten dürfen Deine Suche nach der Wahrheit und Dein Urteilsvermögen nicht beeinträchtigen! Für einen Rechtsanwalt reicht auch ein schlechter Abschluss. Aber nicht jeder Rechtsanwalt hat deshalb schlecht abgeschlossen. Nur: Da kannst Du eben auch mit der Praxis hineinwachsen. So ist eben das Leben: Es gibt Türen, die gehen ohne eine gewisse Qualifikation auf dem Papier gar nicht auf - und andere Wege stehen auch denen offen, die eher "Praktiker" sind und an der konkreten Aufgabe wachsen. In der Wirtschaft gibt es x Jobs, die sich Dir bieten. Jura ist eines der am Ende am vielfältigsten nutzbaren Studiengänge.

Kannst ja noch mal drauf zurück kommen, aber ich hab jetzt keine Zeit mehr.

Viel Tinte. Glaubst Du, dass er das liest ? Es ist wie beim Gericht. Je laenger der Vortrag, desto tiefer der Schlaf der Richter.

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@Bruno

Wer ernsthaft fragt, muss halt auch eine längere Antwort verkraften können. Wenn nicht, dann muss er halt am Jurastudium scheitern – oder er geht es ohnehin gar nicht erst an, weil es an der Ernsthaftigkeit fehlt.

Aber in einem will ich Dir Recht geben: Dein Einwand ist absolut angebracht! Ich habe häufig den Eindruck, dass in diesem Forum zwar Fragen gestellt werden, aber ein bisschen Wischi-Waschi für die Seele dann schon als Antwort reicht.

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sehr genial beschrieben - kann diesem nur voll und ganz zustimmen!

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@stefffi23

Kompliment, dass Du Dir die Zeit genommen. Schoen, dass es das doch noch gibt. Hast ja meinen Kommentar gesehen, der nicht abwertend zum Text gemeint war. Lieber Gruss von der Insel

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Dafür sind an den Unis die Studienberater da. Meine persönlich Meinung zu den Juristen (wie Zypris, Schäuble, Gräfenreuth) würde dir nichts nützen.

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