Welche Nachteile hat es, keine deutsche Staatsbürgerschaft zu haben, dafür aber eine aus einem anderen EU-Mitgliedsstaat?

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4 Antworten

Grundlegend entstehen Dir dadurch keine Nachteile. Aufgrund des Fortschreitens der europäischen Union ist es für EU-Mitglieder sogar möglich sich aufgrund des Diskriminierungsverbotes der EMRK auch unmittelbar auf die sogenannten Deutschengrundrechte zu berufen. (Bitte berichtigt mich, falls ich das unzutreffend dargestellt habe)

Nicht-EU-Bürger haben hinsichtlich des Berufens auf die Grundrechte nur die Möglichkeit dies über Art. 2 I GG zu tun.

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Kommentar von Hasenmann81
27.07.2016, 09:03

Ich habe nochmal nachgeschaut: Es gibt da einen kleinen Meinungsstreit hinsichtlich der Beschwerdefähigkeit im Rahmen der Zulässigkeit einer möglichen Verfassungsbeschwerde für EU-Ausländer, beispielsweise wie Du ein italienischer Staatsbürger. 
Eine Ansicht vertritt die Meinung, EU-Ausländer können sich aufgrund des Diskriminierungsverbotes aus Art. 18 AEUV direkt auf die Deutschengrundrechte berufen. Eine andere Meinung lässt nur die Möglichkeit über Art. 2 I GG zu, wobei dann aber die Schranken der einzelnen Deutschengrundrechte Anwendung finden. Letztlich kommen beide Meinungen zu dem Ergebnis, dass sich EU-Ausländer auch auf Deutschengrundrechte berufen können. Lediglich die Herleitung divergiert.

Ich persönlich favorisiere die Herleitung über Art. 18 AEUV. Dies vor allem, da sich die Bundesregierung gem. Art. 23 GG zur Verwirklichung eines vereinten Europas verpflichtet hat. Es würde aber gerade Art. 23 GG in Verbindung mit Art. 18 AEUV zuwiderlaufen, wenn man EU-Ausländern nicht die Möglichkeit gäbe, sich direkt auf die Deutschengrundrechte berufen zu können.

Somit kannst Du Dich nach meinem Dafürhalten auch direkt auf Art. 12 GG (Berufsfreiheit) berufen.

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Folgende Nachteile hast du, wenn du nur die italienische und nicht die deutsche Staatsangehörigkeit hast:

1) Du kannst an Bundestagswahlen nicht teilnehmen.

2) Das ist etwas komplexer. Stell dir folgendes vor:

Du ziehst nach Italien, weil du da irgendeinen tollen Job gefunden hast. Nach nach 10 Monaten geht mit dem Job alles schief. Du bist arbeitslos. Jetzt hast du Lust, wieder nach Deutschland zu ziehen. Du ziehst arbeitslos nach Deutschland und denkst, du würdest jetzt erst mal ALG II bekommen. Aber: Deine "unbefristete Aufenthaltserlaubnis" aus den 90er Jahren ist nach über 6 Monaten Daueraufenthalt außerhalb Deutschlands abgelaufen und nicht mehr gültig (richtig gelesen). Du stehst jetzt auf derselben Stufe wie jeder andere Italiener auch, d.h.: Zwar wegen EU-Recht grundsätzlich Freizügigkeit, aber nicht automatisch auch unterstützende ALG-II-Leistungen nach Ankunft, bis du irgendeinen Job gefunden hast.

Ein ganz normaler Deutscher mit deutscher Staatsangehörigkeit kann durch die Welt reisen, seine geerbten 50.000 Euro verprassen oder sonst einen Unfug treiben, dann alles bereuen und ohne einen Cent wieder nach Deutschland kehren. Er wird dann genau so behandelt wie jeder andere Deutsche auch und hat auch als totaler Pleitegeier auf jeden Fall ein vollkommen uneingeschränktes Aufenthaltsrecht wie jeder andere Deutsche.

Was ich beschrieben habe, ist nicht so "theoretisch", wie du denkst. Wenn einer Regierung irgendwas nicht passt, wird schwupp-di-wupp ein passendes Gesetz verabschiedet und plötzlich sieht alles anders aus. Wenn es in der EU etwas weiter kriselt, könnte der Aufenthalt hier auch für "normale Italiener" plötzlich nicht mehr so perfekt funktionieren wie bisher. Und wenn du eine gewisse Zeit lang (ich meine es sind 6 Monate, eventuell 3) außerhalb Deutschland lebst könntest du dich plötzilch in einen/eine "ganz normale(n) Italieneri(n)" verwandeln, der/die rechtlich nicht bessergestellt ist als jeder andere Italiener aus Italien.

Die deutsche Staatsbürgerschaft kannst du übrigens problemlos bekommen, OHNE die italienische aufzugeben.


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Naja es ist einfach einfacher. Wegen Steuern und so, sollte dich bei der Berufswahl, bis auf Beamten Berufe, nicht beeinflussen. Aber ist dann organisatorisch manchmal en Graus XD

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Heutzutage ist es - dank der EU-Freizügigkeit - vollkommen wurscht, welche Staatsbürgerschaft du hast. Der gesamte Arbeitsmarkt steht dir offen, außer Anstellungen im Staatsdienst. Da braucht es etwas mehr, ist aber auch nicht unmöglich. Ich sehe keine Nachteile.

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