Welche Moralvorstellungen habt ihr?

Das Ergebnis basiert auf 10 Abstimmungen

Sonstige 60%
Kantianismus 20%
Goldene Regel 10%
Utilitarismus 10%
Vertragstheorie 0%
Religiöse Ethik 0%
Tugendethik 0%

14 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet
Sonstige

Ich bin moralischer Partikularist.

Moralischer Partikularismus ist- kurz gesagt- die Auffassung, dass es keine moralischen Prinzipien gibt, die auf jeden Fall anwendbar wären.

Die Beantwortung moralischer Fragen besteht dann nicht in der Anwendung universeller Moralprinzipien, sondern in der einzelfallorientierten Anwendung geeignet erscheinender Daumenregeln und Präzedenzfälle.

Die traditionellen ethischen Ansätze kommen insofern vor, als dass ihre Prinzipien als Daumenregeln verwendet werden. Aber sie werden eben nicht mehr universell angewandt, sondern dann, wenn sie geeignet erscheinen.

Diese Methode hat viele praktische Vorteile: Es ist leichter, sich auf eine Handlungsweise zu eignen, da es keine langwierigen Theoriediskussionen gibt. Und außerdem ist diese Methode letztlich die Art, auf die in der Realität moralische Probleme gelöst werden.

Ich denke, dass das, was Du als "Daumenregeln und Präzedenzfälle" bezeichnest durchaus eine realistische Ausformung der kantschen Maximen ist.

Du musst ja nicht tatsächlich wollen, dass sie allgemeines Sittengesetz seien, und dies für alle Zeit - nach dem Kategorischen Imperativ sollst Du es lediglich wollen können (!).  

Nun kann man aber zugleich das eine wollen können und das andere wollen können. Für welche Alternative man sich dann im Einzelfall entscheidet, ist nach der genauen Formulierung des Kategorischen Imperativs freigestellt. 

Ich kann sollen können, dass alle Männer zwei Kinder zeugen. Ich kann zugleich auch wollen können, dass die Männer, die es mögen, vier Kinder zeugen und damit ausgleichen, dass viele gar keine Kinder zeugen.

Dass ich dabei auf Präzedenzfälle zurück greife statt auf "festgeschriebene" Gesetze, entspricht zwar nicht dem Römischen Recht, aber dem sächsischen, das heute noch im anglo-amerikanischen Raum gilt.

Es entspricht natürlich auch der Entwicklung der Persönlichkeit.
An festen Grundsatzen sein Leben lang festzuhalten, ist Erstarrung. Menschen lernen dazu und verändern sich. Natürlich orientieren sie sich dabei auch an früheren Entscheidungen.

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Utilitarismus

Ich muss dem anderen Antwortenden beipflichten, dass eine Antwort eine ausgiebige Beschäftigung mit den Wahlmöglichkeiten bedingt. Aber wie viele Wähler gingen wählen, ohne jede einzeln Partei genau zu kennen?

Also ich bin mit dem, was ich über Kant weiß, ganz zufrieden, insbesondere sticht sein kategorischer Imperativ die Goldene Regel aus.

Bei einer Wahl würde die Religionspartei von mir auch noch ausgeschlossen werden können.

In den meisten Alltagssituationen fährt man gut mit dem Utilitarismus. Da würde ich aber mir für Einzelfälle vorbehalten, andere Ethiken vorzuziehen.

Es ist ja so, dass dies häufig als Ausrede dafür verwendet wird, sich nicht entscheiden zu können, wenn man sagt, dass das Optimum irgendwo in der Mitte liegt, aber in der Praxis liegt es nun einmal - auch in anderen Bereichen - häufig in der Mitte, beziehungsweise lässt es sich, sofern es das gibt, aus dem Mix entnehmen.

100%ige, nerdige, XYianer oder XYisten findet man selten.

Eine meiner Maximen lautet: Lass Dich nicht durch eine Multiple-choice-Umfrage in eine Schublade einordnen. klingt kantianisch.

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