Welche Möglichkeiten bietet der Job Ausgrabungsleiter?

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5 Antworten

Die erste Frage wäre, in welchem archäologischen Teilbereich du gerne tätig wärst. Wenn es sich um eine nicht im Inland vorhandene Richtung handelt, ist die Stellensituation lausig und damit das Einkommen kaum vorhanden. Grabungen wären dann auch nur ein Teil des Aufgabenbereiches.

Im Inland sieht es etwas anders aus, allerdings von Bundesland zu Bundesland etwas unterschiedlich. Am besten sind die Aussichten in Bundesländern, in denen Grabungsfirmen zum Zug kommen um baubegleitend oder bauvorgreifend im Rahmen des Denkmalschutzes zu arbeiten. Hier wird teilweise sogar nach qualifiziertem Personal gesucht. Die paar Forschungs- und Lehrgrabungen, die von Unis, Museen und Ämtern durchgeführt werden, fallen eher in die Kategorie der Auslandsgrabungen. Die wenigsten Institutionen leisten sich eine feste Grabungsmannschaft, hier ist es wieder schwer, an eine der Stellen zu kommen.

Grabungsleiter sein bedeutet:

* Fundmaterial und Befunde zuverlässig ansprechen können müssen (es ist erschreckend, wie wenige das tatsächlich können, sowohl direkt nach der Uni als auch nach jahrelanger Grabungstätigkeit)

* in der Regel brauchst du auch einiges an technischem Wissen: Meßtechnik, diverse Programme usw., dazu noch zumindest Grundwissen an Statik, Abläufe auf Baustellen mit anderen Betrieben (die sich im Zweifelsfall einen Dreck um deine Arbeit scheren)

* ein Grabungsteam nicht nur zu leiten und zu koordinieren, sondern notfalls auch zu korregieren

* Schnittstelle zwischen Grabung und Projektträger, die dauernde Suche nach dem Mittelweg zwischen dem, was man wissenschaftlich will und braucht und dem Bedürfnis des Auftraggebers, möglichst zügig fertig zu werden. Im Klartext: Vor dir ein komplexer Befund, hinter dir der drängelnde Baggerfahrer. Wie stark der Druck ist, hängt ein gutes Stück vom zuständigen Vertreter des Denkmalschutzes ab.

* In der Folge heißt: eine Grabung zu leiten ist nur zu einem Teil Archäologie, ein Großteil davon ist Organisation. Trotzdem mußt du fachlich fit genug sein, um hinterher zumindest einen Grabungsbericht zu schreiben.

Nun kommen aber die ganzen Haken:

1. Wenn du frisch von der Uni kommst, bist du alles andere als für die Position eines Grabungsleiters qualifiziert (es sei denn du hast bereits während des Studiums SEHR viel Grabungserfahrung gesammelt). Ausbildung an der Uni und praktische Archäologie haben inzwischen an vielen Unis nur noch geringe Überschneidungsmengen. Folge: Du mußt nach der Uni erstmal die nötige Erfahrung sammeln.

2. Wenn wir davon ausgehen, daß du Vollzeit auf Grabungen bist, bist du bei Wind und Wetter draußen. Bei 40° schaufelnd und schleppend genauso wie bei knapp unter 0 Grad bis der Boden gar gefroren ist zeichnend. Den Einsatzort bestimmst nicht du, sondern dein Arbeitgeber. Im Zweifelsfall bist du unter der Woche kaum daheim. Mit Mitte 20 ist das alles noch okay, aber danach? Irgendwann kommt vielleicht der Wunsch nach einem Familienleben. Und irgendwann macht sich die Belastung auch körperlich bemerkbar.

3. Insbesondere bei Grabungsfirmen ist die Bezahlung lausig und erinnert nicht im geringsten daran, daß du ausgebildeter Wissenschaftler bist. Schaffst du es, an irgendeiner Institution angestellt zu sein, gräbst du entweder nur ein paar Wochen oder Monate im Jahr oder verdienst wieder deutlich weniger als die Vollzeit-Schreibtischtäter der Institution. Seltene Ausnahmen gibt es, aber auf diese hinzuarbeiten ist doch relativ utopisch.

Ist die Arbeit interessant? Natürlich. Die Frage ist, ob sie für dich interessant genug ist, die negativen Aspekte zu akzeptieren. Dazu gehören neben den kalkulierbaren Haken (oben) auch viele Unsicherheiten. Eine Laufbahn an Unis oder Institutionen läßt sich nur schwer planen und bietet auch keine endgültige Sicherheit. Eine Anstellung bei Grabungsfirmen ist immer auch ein Stück weit von der Konjunktur abhängig und wie geschickt der Firmenchef dabei ist, Grabungen an Land zu ziehen. Träumst du von Grabungen im Ausland, wird es noch schwerer.

Eine Zwischenoption gibt es noch: Freiberufler. Vorteil: Besserer Stundensatz, wenn du etabliert bist, kannst du deine Projekte ein gutes Stück weit auswählen. Nachteil: kein bezahlter Urlaub, wenn du krank bist, kommt kein Geld rein, du mußt dich selbst darum kümmern, daß du Aufträge bekommst. Du bist selbst für alles verantwortlich, im Guten wie im Bösen. Neben allem anderen braucht man dafür enorm starke Nerven.

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Kommentar von MaisWindow
08.01.2016, 19:00

Danke, das hat mir sehr geholfen. Aber ich glaube ich schau mich nach einem anderen Beruf um, es gibt ja mehrere mit Geschichtlichen Hintergründen. :)

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Du wirst zeitbegrenzte Jobs haben, je nachdem wie lange die Ausgrabungen gehen wirst du beschäftigt sein. Evtl bist du denn Winter über arbeitslos.
Den Job "Ausgrabungsleiter" gibt es so nicht, du hast die Option Archäologe zu werden und als wissenschaftlicher Mitarbeiter die Leitung einer Ausgrabung zu übernehmen, je nachdem wo du arbeitest ( Denkmalpflegeamt, Universität. ..) oder du machst eine Ausbildung zum Grabungstechniker, was vermutlich deinem Berufswunsch am nächsten kommt. Informiere dich am besten auf der Seite vom Arbeitsamt dafür (berufe.net)

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sehr  interessant, aber schwer, viel geduld braucht man und das einkommen ......ist für idealisten

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Ich interessiere mich auch sehr für Archäologie, aber habs mir anders überlegt, weil es wirklich sehr viele gibt, die damit nix verdienen. Da kommt man am besten klar, wenn man Kontakte hat. Sonst sitzt man warscheinlich nur in Museen rum xD.

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Grabungsleiter ist nur die Position, die du innerhalb eines Projektes einnehmen kannst. Eine Berufsbezeichnung ist das nicht.

Lies dir Jerne79s Antwort zu dieser Frage durch. Dem ist nicht viel hinzuzufügen.

https://www.gutefrage.net/frage/voraussetzungen-fuer-ein-archaeologiestudium?foundIn=notification-center#answer-189802200

Ergänzend würde ich noch sagen, es ist ein echter Knochenjob, der schlecht bezahlt wird.

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