Welche Meditationsart?

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4 Antworten

Ich bin Buddhist und habe bereits einige Jahre Meditationserfahrung, deshalb werde ich versuchen dir zu helfen.

Meditation ist keine Technik

Zunächst einmal ist Meditation keine Technik mit der man "sich ruhig macht", sondern ein entspannter und zugleich achtsamer Bewusstseinszustand.

Man kann jede Handlung zu einer Form von Meditation machen, wenn man diesen Geisteszustand dabei bewahrt. Besonders leicht fällt dies, wenn man die Handlung mit der Atmung verbindet.

Suche nach Praxis

Es gibt viele verschiedene Meditationstechniken und sie sprechen alle unterschiedliche Menschen an. Um zu wissen, welche Praxis den eigenen Bedürfnissen entspricht, muss man also ausprobieren.

Allerdings hat dein Freund meiner Meinung nach Recht, wenn er sagt, dass es nicht sinnvoll ist, die Form der Meditationspraxis schnell zu ändern.

Der Geist benötigt Zeit, denn Meditation, das "Nicht-Denken" ist etwas, dass so sehr gegen unsere sonstigen Gewohnheit ist, dass man nicht von heute auf morgen die dauerhaften Wirkungen spüren wird.

Mehrere Meditationen zeitnah auszuprobieren halte ich ebenfalls nicht für sinnvoll, zumal du dann womöglich gar nicht sagen kannst, welche Methode denn nun genau den positiven Effekt brachte.

Wie die Praxis beginnen?

Meiner Meinung nach solltest du dir für jede Meditationsform als absolutes Minimum einen Monat Zeit lassen, bevor du wechselst. Es sei denn natürlich, du fühlst dich extrem unwohl mit der jeweiligen Methode.

Welche Praxis für Anfänger?

Einem Anfänger empfehle ich buddhistische Achtsamkeitsmeditation (Vipassana), bei der die Aufmerksamkeit auf Atem und Haltung gelegt wird.

Dies ist aus meiner Sicht eine der natürlichsten Formen der meditativen Praxis überhaupt, da sie keinerlei sonstigen Elemente wie Mantras, Kerzen, oder ähnliches benötigt.

Eine 15 Minuten umfassende Einführung gibt es hier zum Mitmachen:

Auch wenn sie einfach zu sein scheint, ist Vipassana-Meditation nicht einfach nur eine "Einsteigerdisziplin". Gerade in Südostasien gibt es Mönche, die ihr ganzes Leben fast ausschließlich Vipassana widmen.

Zu Mantra-Meditation habe ich eine gespaltene Haltung. Einerseits mag es manchen Menschen leichter Fallen, sich auf einen Begriff wie "Frieden" zu konzentrieren, als nur auf den Atem zu achten.

Andererseits sehe ich auch das Risiko, dass der Geist gar nicht zur Ruhe gebracht, sondern durch eine Art "weißes Rauschen" lediglich betäubt wird, also eher eine Art Trance eintritt und keine achtsame Meditation.

Ziel der Meditation

Die meisten Menschen wollen durch Meditation "ruhiger", "gelassener" oder "konzentrierter" werden.

Ich rate dazu, all diese Ziele zu vergessen und Meditation ohne besondere Absicht zu üben. Andernfalls beschäftigt sich nämlich der Geist gerne damit, ob man sein "Ziel" schon erreicht hat.

"na...bin ich schon ruhiger?....fühle ich mich konzentrierter?...achja...ich wollte ja die Gedanken vorbeiziehen lassen....wie lange dauert es wohl, bis es Erfolge gibt?"

Das führt nur zu unnötiger geistiger Unruhe und einer Erwartungshaltung die nicht sinnvoll ist.

Risiken der Meditation

Personen mit psychischen  Problemen sollten Meditation nicht ohne Rücksprache mit ihrem Therapeuten durchführen und auch bei neurologischen Erkrankungen sollte mit dem Arzt gesprochen werden.

Durch Meditation können verdrängte, unverarbeitete Bewusstseinsinhalte wieder aktualisiert werden, was etwa bei Traumata sehr problematisch sein kann, Deshalb dieser Hinweis.

Anbieter

Viele Sekten und Psychogruppen nutzen völlig harmlos wirkende Meditationskurse, um an neue Mitglieder zu gelangen. Dann geht es um psychologische Manipulation und/oder Ausbeutung.

Dubiose Anbieter haben dabei teilweise ein mehrstufiges System, bei dem für jede neue "Bewusstseinsstufe" mehr Seminargebühren verlangt werden. Da man meint "Erfolge" zu spüren, steigt man in diesen Kreislauf ein.

Es ist also sehr sinnvoll, sich über den Anbieter des Kurses zu informieren und entsprechende Google-Suchbegriffe zu nutzen - beispielsweise indem man nach "Transzendentale Meditation Kritik" oder "Sahaja Yoga Sekte" sucht.

Trotz dieser Warnungen rate ich aber dazu, Meditation unter Aufsicht eines Lehrers und im Rahmen einer Gruppe zu erlernen.

Durch den Lehrer hat man bei aufkommenden Fragen einen Ansprechpartner, der zudem Haltungsfehler korrigieren und Tipps zur Atmung und Geisteshaltung geben kann.

Regelmäßige Termine bei einer solchen "Sitzgruppe" führen dazu, dass man sich trotz innerem Schweinehund nicht so sehr vor der Meditation "drücken" kann.

Wer jeden Freitag um 17:00 Uhr zum gemeinsamen "Sitzen" fährt, entwickelt leichter Disziplin, als jemand der alleine übt und dann gerne mal die Meditation "verschiebt", weil gerade was interessantes im Fernsehen kommt, oder man an dem Tag eben einfach mal "zu müde" ist. ;-)

Einmal richtig eingeübt kann man natürlich überall meditieren.

Solltest du noch Fragen haben, helfe ich dir gerne weiter. :-)

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divadmastrr 21.02.2016, 18:41

Vielen Danke, dass du dir für die Antwort so viel Zeit genommen hast :) Ich werde es mal mit Vipassanameditation versuchen. lg David

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Enzylexikon 21.02.2016, 18:45
@divadmastrr

Kein Problem, ich helfe gerne, wenn ich kann. :-)

Vielen Dank auch für den Stern.

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Zum einen kommt das darauf an was du damit zu erreichen versuchst, zum anderen ist das von deinem Glauben abhängig. Als Buddhist wirst du wohl eher nicht "Aum namah shivaya." oder ähnliche Mantren benutzen.

Die unterschiedlichen Arten entspringen alle unterschiedlichen Traditionen. Deshalb werden die meisten bei einer Art bleiben. Schaden tut es nicht mal einige Arten zu testen, um heraus zu finden, was einem am besten liegt. Allerdings erreicht man das gesteckte Ziel wahrscheinlich eher wenn man sich für eine passende Methode entscheidet und dabei bleibt.

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divadmastrr 20.02.2016, 15:57

Verstehe, danke für deine Antwort :)

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empfehle dir das Buch Das Licht in uns von Jiddu krishnamurti, das erklärt Meditation sehr gut und was es wirklich ist oder nehme mit einer buddhistischen Gemeinde Kontakt auf, gibt es in Deutschland, alles andere zum Thema Meditation ist Pipifax und westlicher Hokuspokus mit dem irgendwelche Möchtegern Spezialisten den Leuten Geld aus der Tasche ziehen. Meditation ist Selbsterkenntnis ohne zu denken, denn dein Denken ist bereits geprägt durch deine Kultur und dein Umfeld, also völlig frei sein und dich selbst erkennen. Das Buch wird alles erklären.

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