Welche Konsequenzen droht Ihr Eurem Kind an?

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Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal eine Schulklasse hatte, machte ich es so, wie es an den meisten Orten abläuft: Ein System von Strafen, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können.
Das war unbefriedigend.
Zum Glück las ich das Buch Kinder fordern uns heraus von Rudolf Dreikurs (Klett-Verlag). Das Erziehungs-System, das dort beschrieben ist, war dermassen überzeugend, dass ich es bis zum heutigen Tag immer angewendet habe, und zwar mit überwältigendem Erfolg. Ich will es hier kurz beschreiben. Du solltest das Buch aber selber lesen, dies hier kann ja nur sehr knapp sein:
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- Man anerkennt das Kind als einen selbständigen Menschen.
- Man vermeidet ein Machtgefälle zwischen Erzieher (der "immer recht hat") und dem Kind (das "nichts weiss".)
- Man übt keine Gerichtsfunktion aus, sondern delegiert das an die "Natur".
- Daraus folgt, dass jede Handlung des Kindes Konsequenzen haben muss, die angenehm oder unangenehm sein können.
- Es gibt keine Belohnungen oder Strafen (weil der Erwachsene dann eine Richter-Funktion hätte), sondern logische Folgen, so wie die Natur es macht:
Wenn das Kind mit dem Kopf gegen die Wand schlägt, um Aufmerksamkeit zu erzwingen, schreit die Mutter nicht hysterisch, sondern sagt nichts oder höchstens ganz beiläufig: Es tut weh, wenn man den Kopf anschlägt. - Ende - keine Moralpredigt. Man schenkt dem Kind schon Aufmerksamkeit, aber nicht dann, wenn es sie erzwingen will.
Beispiele für logische Folgen:
- Kind kommt zu spät zum Essen: Die nächste Malzeit ist am Abend, und nicht vorher.
- Kind zertrümmert mutwillig Fensterscheibe: Es muss sie aus dem Taschengeld bezahlen.
- Kind hilft im Haushalt nichts: Mutter hat halt jetzt keine Zeit, eine Geschichte vorzulesen.
- Aber nie: emotionale Strafpredigt.

Kinder lehnen sich oft auf gegen Erziehende, aber kein normales Kind lehnt sich auf gegen die logischen Folgen der Natur. Würde auch nichts nützen, denn die Natur reagiert darauf nicht.
Die Eltern haben so die Rolle der Helfenden, und nicht mehr die Rolle der Kontrolleure und Strafenden.
Und wenn dir zu einem Verhalten keine logische Folge einfällt, heisst das, dass die Natur auch nicht korrigierend reagieren würde. In einem solchen Fall muss auch nicht "erzogen" werden.
Lies dieses Buch und probier's aus. Viel Erfolg!

Ich finde diese Erziehung sehr gut, allerdings hätte ich damit das Problem, dass sich mein Kind sehr wohl gegen die Natur auflehnt (er unterstellt seelenlosen Dingen eine (meist böse) Absicht)! Klappt das erst ab einem gewissen Alter?

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@Emese

Eine untere Altersbegrenzung gibt es allerdings:
Wenn zB. ein Dreijähriger zum Fenster raus klettert, kann man nicht warten, bis er die logische Folge (hinunterstürzen) selber erlebt. Dann darf/soll man ihm vorher eins hinter die Ohren geben (wenn's pressiert). Aber ohne besserwisserische "Zugabe".
Wenn dieses ehrliche Erziehungsprinzip (Dreikurs) aber in der Familie täglich praktiziert wird, besteht ein solches Vertrauensverhältnis, dass das Kind eine tätliche Reaktion der Eltern nicht als dominierendes Verhalten betrachtet, sondern als notwendig erkennt.
Auch solche Situationen werden im Buch von Dreikurs behandelt. (Man kann es hier bei gf aus Platzgründen nicht so ausführlich beschreiben, man sollte das Buch lesen.
Auf Aussenstehende kann diese Erziehung "kalt" wirken, sie ist es aber nicht (sie ist nur ehrlich), weil man ja das Kind liebt, und dieses Gefühl im Kontext dazu ständig spürbar ist.

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du sagst: konsequenzen- was du deinem kind androhst, sind aber nicht konsequenzen, sondern STRAFEN! hier ein paar beispiele für konsequenzen: wenn das kind etwas ausschüttet, holt es einen Lumpen und putzt auf- da braucht es keine schimpfe und kein "jetzt musst du aber ins bett"- wenn ein kind herum randaliert oder um sich schlägt oder unnützen lärm macht, will es einzig und allein deine aufmerksamkeit. die konsequenz daraus ist, dass du dir zeit nimmst, und ihr miteinander etwas spielt oder unternehmt. Je nach alter des kindes kann es etwas warten, bis du zeit hast. aber auch das muss es schrittweise lernen. für 5 jährige zB. ist warten noch sehr schwer. wer ein kleines kind hat, muss sorge tragen, dass er/sie sonst nicht viele verpflichtungen hat. Ist es wirklich schon so lange her, dass du selber kind warst?

Das kann ich absolut unterstützen- du hast genau den Kern getroffen

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bett als konsequenz finde ich schlecht: es sei denn es ist eh bald bettzeit und das kind isst nicht vernünftig mit am abendbrottisch oder macht faxen beim waschen und anziehen, dann sag ich immer: ok dann gehts du jetzt so ins bett und die gute-nacht-geschichte fällt aus: das wirkt bei uns eigentlich immer - und durchziehen musste ich da noch nix

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