Welche Interventionen sind sinnvoll und nachhaltig, wenn sich Schüler im Unterricht aggressiv verhalten?

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2 Antworten

Hallo Barbaratlos,

ich bin auch kein Lehrer, habe aber indirekt viel mit ähnlichen Problemen zu tun, weil meine Partnerin Beratungslehrerin für solche Fälle ist.

Ich achte deine Höchstleistungen! Mir scheint, du trägst da eine Last, die du gar nicht alleine tragen kannst. Da solltest du, da du an deine Grenze gekommen bist, erstmal etwas egoistisch für dich sorgen. Z.B. mal eine längere Auszeit - zur Not auch als Krankschreibung - nehmen.

Ich weiß ja nicht in welchem Bundesland du tätig bist und kann dir von Hessen berichten.

Da gibt es Zusammenschlüsse von Jugendamt und Lehrern, die in solchen Fällen gemeinsam beraten und agieren. Immer ein Lehrer mit Sozialarbeiter. Da werden Hilfepläne erstellt, im Unterricht hospitiert, Runde Tische mit Eltern und Lehrern organisiert, oft unter Beteiligung des Sozial-Pädriatischen Zentrums (SPZ). Es werden Gutachten für den Förderbedarf erstellt und es kommt oft genug vor, dass Schüler vorübergehend in die Kinder- und Jugendpsychiatrie gegeben werden, um die Hilfepläne auf eine halbwegs gesicherten Diagnostik aufzubauen.

Mehr kann ich dir nicht sagen, doch bitte ich dich, deinen Ehrgeiz zurückzustellen, der dir einreden mag, dass du das alleine schaffen musst. Das Kollektiv hat diese Schüler "kaputt" gemacht, dann sollte auch das Kollektiv für dich da sein und dein Bemühen unterstützen. Du solltest viel lauter beim Oberschulamt oder dem Regierungspräsidium schreien und dich nicht mit halbherzigen Antworten abspeisen lassen.

Ihr seid mit der Schule nicht letzte Instanz, sondern die könnte für solche Kinder auch die Psychiatrie sein.

Ich wünsche dir den Mut auch mal ganz klar für dich zu sorgen.

Vielen Dank für deine Antwort. Es kommt so viel Respekt durch und Anerkennung, dass sie mich tief berührt.

Ja, wir sind an Förderplänen und an Hilfeplänen und und und. Einige Anregungen sind neu für mich... da wird bei uns wirklich wenig getan, vielleicht liegts an unserem System Schule, vielleicht am Bundesland, das weiß ich (noch) nicht.

Ich fühle mich aber durch deine Antwort ermutigt, mehr Netzwerk aufzubauen, ich fühle mich wohl tatsächlich alleine gelassen. Vielleicht habe ich da wenig Vertrauen in andere...

Danke für deinen Hinweis in Punkto Ehrgeiz. Da liegt schon ein Hündchen begraben, wenn ich aufrichtig bin.

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Klingt heftig was du schreibst! Was sagen andere Lehrer dazu, Schulpsychologen, Psychiater? Ich denke du brauchst deren Unterstützung, das kriegst du nicht alleine geregelt. 

Schulpsychologen gibt es nicht (keine Mittel dafür). Unter Kollegen gibt es situative Unterstützung, sie helfen >wenns brennt<. Ich suche nach einem pädagogischen Weg, diese Situation in meiner Lerngruppe zu handeln.

Diese Art Situationen kommen bei uns immer wieder vor: >Sonderschule< hieß das früher mal. Da wird es vorausgesetzt, dass wir Lehrer mit solchen Situationen umgehen können. Jetzt bin ich aber an einer Grenze und habe einfach keine Ideen mehr.

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@Barbaratlos

Das verstehe ich sehr gut. Sonderschule hin oder her, tatsache ist, dass du nicht mehr weiter weisst, und dies obwohl du wahrhaftig schon sehr viel, nach bestem Können und Wissen getan hast. Wenn dir und den anderen Lehrern nichts mehr einfällt, ist es halt doch von Nöten externe Hilfe zu beanspruchen. Körperliche Ursachen sind aus zu schliessen? Du redest von einige Tagen, seit dieses plötzliche Verhalten des Schülers so sei.... Das muss Gründe haben! Ausserdem musst du dich selber schützen! Die Ursachen des Verhaltens des Schülers muss abgeklärt werden, auch in der Sonderschule geht nicht alles durch! 

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@Patrickson

Wenn solche fälle bei euch häufig vorkommen, wie seid ihr den da klar gekommen? 

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@Patrickson

Erst mal vieln Dank, dass du dich dafür interessierst, es hilft, wenn jemand antwortet.

Deine letzte Frage ist sehr gut und hat mich zum Nachdenken gebracht. Wie bin ich seither damit klar gekommen?

Jeden Tag Kniffe, Deeskalationen, Flexibilität, für jedes Kind ein gesondertes Förderprogramm, auf jedes Kind immerzu eingehen und viel, viel Verständnis und Geduld kombiniert mit einer unendlichen Zuversicht...

Es gibt schon Methoden, den Problemen zu begegnen. Aber diese Grenzerfahrunhgen mache ich immer wieder, das gehört wohl auch dazu. Spannenderweise verändert sich auch vieles über die Monate, es gibt tatsächlich Erfolge zu verzeichnen. Aber es gibt halt auch immer wieder diese Rückschritte und ich denke, ich bin einfach müde und sehne mich nach einem Rezept, das es vermutlich so nicht gibt.

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@Patrickson

Die Ursachen sind bekannt, traumatische Erfahrungen, die irgendwie immer wieder angetriggert werden. Ich finde auch, dass nicht alles durchgehen kann. Da wir aber praktisch eine Art letzte Station sind für Kinder und Jugendliche mit solchen Problemen, liegt es jetzt an uns bzw. an mir, die Situation zu managen.

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@Barbaratlos

Du machst eine echt harte Arbeit. Ich bin zwar nicht lehrer, aber ich habe etwa 20 jahre lang schwer sozial dekompensierte menschen, schwer drogenabhängige und sterbende betreut. Du sagst es richtig: es gibt kein rezept! Jeder mensch ist besonders und der zugang zu ihm ist besonders. Ich brauchte und brauche stehts hilfe und unterstützung von anderen menschen, supervisionen, psychiatern, freunden usw. - Wird mit diesem jungen traumatherapie gemacht? Du hast sicher schon alles getan, was man tun kann! Für dich anscheinend weiterhin geduld haben, weiter wie gehabt...nimm deine Müdigkeit ernst! Du weisst sicherlich schon alles bezüglich bournout u.ä. Nimm dich selber blos ernst, verharmlose deine symptome nicht, trage sorge zu dir! 

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@Patrickson

Ich danke dir.

Ja, ich habe Erfahrungen mit bournout und Depressionen gemacht und ich denke, ich kann inzwischen ein bisschen besser für mich sorgen. Es gibt halt so Tage, du kennst das bestimmt, an denen es ein bisschen härter ist, und so einer war heute. Leider gibt es bei uns keine Supervision und psychologische Hilfe gibt es erst in einem Jahr oder später, wenn ich mal eine Praxis ans Telefon bekomme.

Respekt auch vor deiner Arbeit, die du geleistet hast. Immens...

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