Welche großen Sprachfamilen gibt es noch neben dem Indogermanischen?

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4 Antworten

Es gibt gut 7000 Sprachen auf der Welt und sehr viele Sprachfamilien (ich kann nicht einmal die Sprachfamilien alle aufzählen, höchstens die wichtigen; allein auf Neuguinea gibt es über 1000 Sprachen und ca. 20 Sprachfamilien, vermutl. mehr).

Unsere Nachbar-Sprachfamilien sind Uralische Sprachen (darunter Finnisch und Ungarisch und Estnisch) und Altai Sprachen (darunter finden sich Türkisch und andere Turksprachen...).

Baskisch ist zwar "offiziell" ein Sonderfall (isolierte Sprache), es gibt jedoch (u.a. von Bengtson und Starostin gefunden und untersucht) recht gute Korrelationen zu Nordost-Kaukasischen Sprachen (zu diesen gehört auch Tschetschenisch) (und Korrelationen zu anderen Sprachen...). Freilich ist dennoch ein sehr hoher Anteil des baskischen Vokabulars nur noch im Baskischen zu finden.

Finnisch und Ungarisch sind zwar in der Tat genetisch verwandt (das ist den meisten Europäern bewusst), dennoch ist es so, dass der weitaus größte Teil des finnischen Vokabulars deutlich (!) vom ungarischen Vokabular abweicht. Die Schnittmenge ist sehr klein (existiert aber unzweifelhaft). 

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Kommentar von Dahika
29.06.2016, 20:03

Ephraim Kishon, der ungarische Israeli schrieb mal, dass er natürlich kein Wort Finnisch verstehen könne. Aber wenn ein Mensch hebräisch mit einem ungarischen Akzent reden würde, wäre es entweder ein Ungar oder ein Finne. ich fand das ganz lustig.

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Ach so asiatische Sprachen wurden angesprochen. Da handelt es sich natürlich um mehrere verschiedene Familien. Die sino-tibetischen Sprachen umfassen Chinesisch, Tibetisch, Burmesisch (und viele kleinere Sprachen).

Koreanisch ist "offiziell" isoliert (jedoch typologisch eher dem Japanischen ähnlich). Japanisch bildet gemeinsam mit den Ryukyu-Sprachen (Okinawa, südliche Inseln) die japonischen Sprachen.

Austroasiatische Sprachen: vor allem Khmer und Vietnamesisch (+...)
Thai-Sprachen: vor allem Thailändisch und Lao (in Laos) (+...)
Austronesische Sprachen: Ost-Taiwan und die Malayo-Polynesischen Sprachen (Malay, Indonesisch, bis hin zu Maori und Rapa Nui, die pazifische Inselwelt...).

Mongolisch gehört (wie die Turksprachen und die tungusischen Sprachen) zu den Altai-Sprachen (benannt nach einem Gebirge westlich der Mongolei).

Über Sibirien gäbe es sehr viel zu schreiben (ist eine der m.E. interessantesten Gegenden linguistisch gesehen), viele Sprachen, die früher z.T. als isoliert angesehen wurden, können heute in größere Zusammenhänge eingeordnet werden. Ist ein eigenes Thema wert. Sibirien hängt historisch mit der Besiedelung des nordamerikanischen Kontinents zusammen (daher ist es nicht verwunderlich, dass man auch "über die Beringstraße hinweg" nach Korrelationen gefahndet - und diese auch gefunden hat).

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Die Turksprachen sind meines Wissens nicht indoeuropäisch.  Die arabischen Sprachen auch nicht. Die Finnisch-Ugrischen Sprachen (Ungarisch, Finnisch) nicht. Mongolisch nicht, Chinesisch nicht.

Baskisch nicht. Die Indianersprachen nicht.

Wenn ich das so aufzähle, sind die meisten Sprachen nicht indoeuropäisch.

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https://en.wikipedia.org/wiki/Nostratic\_languages#/media/File:Nostratic\_tree.svg

https://de.wikipedia.org/wiki/Nostratisch

Zum Beispiel: Ableitungen aus den nostratischen Sprachfamilien:

 Proto-Afroasiatisch          mlk                  saugen, Brust, Euter

 Proto-Indoeuropäisch:    melg                melken, Milch

Proto-Finno-Ugrisch:       mälke              Brust, Milch  Ungarisch: "mell" Brust oder Finnisch: "ime-mään" saugen, "maito" Milch

Dravidisch (Tamil):           melku              kauen, Kehle`

Eskimo (Yupik):                melug              saugen

Proto-Amerindisch:          maliq`a           Kehle, saugen, trinken

Die Indizien für solch entfernte Verwandtschaften sind jedoch spärlich und teilweise zweifelhaft. So werden etwa von Allan R. Bomhard andere Lautgesetze angenommen als von Aharon Dolgopolsky, was zu unterschiedlichen Wortgleichungen führt und das Vertrauen in die nostratische Hypothese schmälert. 

Von den meisten Linguisten wird die nostratische Hypothese deshalb auch nicht akzeptiert; sie halten es für unrealistisch, mehr als 10.000 Jahre zurückliegende Sprachverwandtschaften rekonstruieren zu können.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sinotibetische\_Sprachen

https://de.wikipedia.org/wiki/Baskische\_Sprache

https://de.wikipedia.org/wiki/Australische\_Sprachen

https://de.wikipedia.org/wiki/Maya-Sprachen

https://www.amazon.de/s/ref=dp\_byline\_sr\_book\_1?ie=UTF8&text=Ernst+Kausen&search-alias=books-de&field-author=Ernst+Kausen&sort=relevancerank

Ich habe alle drei Bücher von Ernst Kausen und bin schwer begeistert.  Das Buch ist absolut einzigartig, es gibt auch auf Englisch überhaupt kein Werk dieser Art. Die Preise bei diesen Bücher haben da echt verdient.




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Kommentar von Dahika
29.06.2016, 20:06

aber es ist spannend. Weil man unter Umständen auf die Art rekonstruieren kann, welches das erste Nutztier war. (Außer dem Hund natürlich). Es muss das Schaf gewesen sein, denn es gibt viele Sprachen mit verwandten Worten, die Schaf bedeuten. Und von Schaf kommt dann auch Geld.

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