Welche Geschäftsform um gemeinsam Reithof/Pensionsstall zu kaufen und zu betreiben?

7 Antworten

Die Frage der Rechtsform stellt sich an dieser Stelle überhaupt nicht. Das ist nicht die Auftaktfrage für eine Planung, sondern die Abschlussfrage.

Bereits der Gedanke eine AG gründen zu wollen ist schon ein Schluck aus der Flasche. Da müssten Strukturen gegeben sein, die einen Aufsichtsrat/Beirat zur Kontrolle eines Vorstandes notwendig machen.

Da sind Veröffentlichungen von Abschlüssen nötig. Prüfung der Rechnungslegung usw. Bereits die Kosten kann ein Ponyhof nicht tragen.

Wo das Futter her kommen soll, dass wird man mit den Pony schlecht erörtern können.

Als erstes beginnt man eine Planung mit einer Idee. Die schon genauer werden muss, als Ponyhof mit der Freundin - Drei Ferienwohnungen - Unterstellung der eigenen Pferde.

Reitunterricht habt Ihr bereits auf Anfänger eingeschränkt. Warum? Wie attraktiv ist eine Reitschule, die keine Leistungsprüfungen ermöglicht? Auch wenn ich kein Springreiter werden wollte, wenn ich mal wieder Stunden nehmen könnte, dann würde ich danach als Qualitätsmerkmal gucken.

Erster Schritt für Euch: Rechtsformfrage aus den Köpfen entfernen. Entwicklung einer erst einmal nur runden Idee, wie so ein Reiterhof aussehen soll.

Dabei entsteht etwas, was viel später noch an Wichtigkeit zunimmt: Erste Ansätze um die entsprechende Zielgruppe zu bestimmen und zu finden. Denn schließlich geht nicht jede Person auf jeden Reiterhof.

Da ist nicht nur die Ausstattung eine Frage. Auch der Umgang mit den Tieren unterliegt schließlich den unterschiedlichsten Vorstellungen. Also hoch romantisch und die Pferde sind die besseren Menschen könnte man den einen Pol der möglichen Zielgruppen umschreiben, bis hin zu Pferde sind eine Investition und die muss entsprechend Geld produzieren.

Nichts in dieser Spanne und was dazwischen liegt sollte man per se ablehnen. Die Frage ist: Wo könnt Ihr glaubhaft stehen?

Dann geht es um die Leistbarkeit. Also: Welche Voraussetzungen müssen wir erfüllen um unseren Betrieb so zu führen? Gibt es sinnvolle Aufbauschritte dahin oder muss der so sein?

Wenn es beispielsweise keine Chance auf zusätzliche Pachtweiden oder Käufe gibt, dann braucht man schließlich an Expansion gar nicht denken.

Auch die Anzahl der Beschäftigten ist nicht nur ein Finanzierungsthema. Es geht auch darum, dass MitarbeiterInnen geführt werden müssen. Einige machen das gern, andere laufen da lieber weg. Wie sieht das bei Euch aus?

Wenn die eine das aber will und die andere nicht. Ist die, die das nicht will trotzdem gewillt das zu akzeptieren und sich in die Rolle zu finden? Oder umgekehrt. Wenn es dann kleiner ist...

Bei diesen Überlegungen kommen dann fast zwangsläufig die Fragen nach Eigenkapital und Sicherheiten. Wie lange kann der Hof ohne eineN KundIn existieren?

Wie viele müssen da sein, um davon leben zu können? Ist der Ertrag dann ein schlechtes Gehalt oder bietet er auch ein Renditeversprechen? Schließlich kann man Eigenkapital auch zur Bank bringen oder was kaufen.

Sind die Zinsen dann so hoch, dass ein Risiko wie der Totalverlust es wert ist?

In den ganz Überlegungen kommt Ihr zwei natürlich immer wieder mit Euren Vorstellung vor. Mit den Möglichkeiten, aber auch den Unmöglichkeiten.

Eine bringt Familie mit, die beim Hoffest helfen würden Bratwürste zu grillen. Die andere muss den Hof verlassen, wenn der Papa versucht Kontakt aufzunehmen.

Nur Beispiele für ganz unterschiedliche Dinge. Die sind wohl noch einfach zu überbrücken.

Es geht aber auch um solche Dinge, wie sieht der Arbeitseinsatz auf? Eine mauert vielleicht mal gerne, die andere sagt: Handwerker. Oder bei Einkäufen ein häufiges Problem: Die Qualitätsfrage. In Konkurrenz zum Preis.

Wieder Thema arbeiten: Eine ist im Jahr erfahrungsgemäß zwei Wochen krank. Arbeitet auch nicht mehr als 40 Wochenstunden und braucht 35 Tage Urlaub.

Die andere ist Workaholic. Wie sieht das mit einer Beteiligung bei 50 : 50 aus?

Du merkst vielleicht: Obwohl ich hier vom Großen ins Kleine gegangen bin. Es sind die ganzen Feinheiten damit noch nicht erwähnt. Aber dieses alles muss vorher geklärt werden.

Gut kann man auch später machen. Aber das ist dann die Garantie für was? Ja, nach meinen Ermittlungen schaffen zwischen 80 und 90% die Gründungszeit nicht zu überleben. Nach offiziellen Zahlen leben 14% der aktiven UnternehmerInnen in Deutschland wenigstens zum Teil von Hartz4.

Wären alle erfolgreich, dann gebe es dafür keine Notwendigkeit. Ein Großteil dieser Gruppen braucht es nicht zu geben. Wenn sie bereit wären an sich etwas zu erkennen. Ein neuer Lebensabschnitt verlangt zu lernen. Dinge aus anderer Warte zu betrachten und zu erkennen, dass die Kenntnis von außen nichts mit dem Innenleben zu tun hat.

Davon ab. Wenn alle diese Punkte geklärt sind, dann kommt man zu einem Fahrplan. Wie die Gründung laufen soll. Da gehören dann auch ggf. Gesellschaftsverträge dazu oder wie das alles gemacht werden muss. Was in der Folge überhaupt dazu gehört.

Kann man Grunderwerbsteuer sparen usw.

Was ich vollständig ausgeblendet habe, dass sind natürlich gleich für Dich auch erkennbar - Rechtliches. Was muss wo erfüllt werden? Was ist mit Meldeverpflichtung von Übernachtungsgästen? Kann ein Kiosk betrieben werden? Wie sieht Buchhaltung aus? Was ist mit Steuern? Wie kalkuliert mach? Wann kann man selber aus dem Betrieb entnehmen oder muss man? Wie haben Verträge auszusehen? Was für Versicherungen sind Pflicht, was ist wünschenswert und wo lässt man bitte die Hände weg?

Hoffe Euch da einen gewissen Rahmen gezeigt zu haben, wie man sich sinnvoll und erfolgreich einer Gründung nähren kann.

Ich persönlich würde niemals ein Geschäft mit einer anderen Person finanziell aufbauen. Es ist nämlich in der Tat so, dass, sollte sich einer der beteiligten Personen anders orientieren, die Firma das in der Regel nur dann überlebt, wenn ein großer finanzieller Rückhalt vorhanden ist.

Bei einem Reiterhof, der ohnehin zum offenbar Größtenteil selbst finanziert werden muss, sehe ich diesen finanziellen Rückhalt nicht wirklich (sonst wäre ja keine Finanzierung der Immobilie selbst nötig).

Ihr lauft also beide Gefahr, euer Geschäft, in der ihr einen Haufen Geld und Arbeit investieren müsst, zu verlieren, wenn der Geschäftspartner nicht mehr will. Und gerade im Pferdebereich ist es ja auch oft so, dass man plötzlich unterschiedliche Vorstellungen davon hat, wie gearbeitet werden soll.

Eine geeignete Immobilie an sich ist ja schon mal teuer. 3 Wohneinheiten und dann noch die Unterbringung für einen Pensionsstall "im kleinen Stil" sowie geführte Ausritte und "Anfängerunterricht". Aus der Beobachtung der Pferdestallbetreiber, die ich so kenne, sage ich euch: das lohnt sich nicht.

Unser ehemaliger Stallbetreiber hatte eine recht große Anlage mit über 40 Einstellerplätzen, hat Reitunterricht gegeben und Berittpferde ausgebildet. Er hat den ganzen Hof alleine mit einem Stallgehelfer und seiner Frau geschmissen. Freizeit - Fehlanzeige. Ständige Erreichbarkeit für seine Einsteller - egal ob Sonn- oder Feiertags, wenn andere über einen 10-Stunden-Arbeitstag geklagt haben, hat er nur müde (im wahrsten Sinne des Wortes) gelächelt. Und der Mann war ein handwerkliches Universalgenie, konnte so ziemlich jede Reparatur und zwar sowohl an seinen Maschinen als auch an den Gebäuden und Koppeln alleine bzw. mit Hilfe seiner Frau durchführen. Das Geld hat trotzdem vorn und hinten nur ganz knapp gereicht und es war ein echter Knochenjob. Andere Bekannte hatten eine kleine Pferdezucht - d.h., sie hatte eine Pferdezucht, der liebe Mann hatte einen Vollzeitjob, wo er unter der Woche so gut wie nie zu Hause war und musste sich dann am Wochenende um die groben Arbeiten am Hof kümmern. Reich sind die beiden definitiv nicht, sondern auch hier reicht das Geld "grad mal so".

Also, insgesamt nicht unbedingt ein Geschäftsmodell, mit dem sich wirklich gut Geld verdienen lässt, geschweige denn, eine derartige Immobilie von der Bank finanzieren. Die werden mit Sicherheit einen Businessplan von euch wollen und nicht zufrieden mit ein paar Einstellern und ein paar Reitstunden oder geführten Ausritten sein. Überlegt mal selber, was ihr verlangen müsstest, um alleine die Finanzierungssumme zurück zu zahlen. Und dann ist noch kein Geld für Heu/Stroh, Wasser, Strom etc. eingenommen....

Du magst zwar viel Pferden verstehen, aber wenn du so eine existenzielle Frage ausgerechnet auf dieser "Laienplattform" (sorry, ist nicht abwertend gemeint, aber es ist hier nunmal schwer zu unterscheiden zwischen echtem Experten und gefährlichem Halbwissen) stellst, dann fehlt dir absolut notwendiges Wissen, um so einen Hof zu betreiben. Aber: Das kann man lernen. Bevor ihr euch also um die Frage der am besten geeigneten Rechtsform kümmert (bwhoch2 hat hier meiner Meinung nach perfekt geantwortet und auch die "Rettung" der Immobilie im Falle einer Insolvenz bedacht!), solltet ihr euch zu betriebswirtschaftlichen Kursen anmelden und professionelle Hilfe z.B. bei der IHK in Anspruch nehmen. Dann kalkuliert ihr haarklein durch, ob und wie sich so etwas rechnet.

Ich habe durch eine Freundin einen kleinen Einblick in das Thema Reitstall und die meisten, die ich bisher kennengelernt habe, sind eher Hobby als Lebensunterhalt. Das heißt: Der Hof trägt sich so haarscharf selbst, das Geld zum Leben kommt vom Lebenspartner, der einem geregelten Beruf nachgeht - und nach Feierabend und am Wochenende trotzdem noch mit anpackt. Es ist also mehr der Spaß am Umgang mit Pferden, aber zum Geld verdienen reicht es eher nicht.

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