Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben John Locke und Montesquieu eigentlich!?

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Die Gemeinsamkeiten überwiegen, weil beide zu einer Lehre von der Gewaltenteilung beigetragen haben.

In den Wikipedia-Artikeln stehen dazu Informationen, die für einen Vergleich ausgewertet werden können. Grundsätzlich ist es auch möglich, Bücher in einer Bibliothek dazu durchzulesen. Wenn es schnell gehen soll, ist es empfehlenswert, ein Buch zu den Lehren von Montesquieu zu verwenden, weil Locke der ältere ist und vor ihm geschrieben hat. Also werden Bezüge und ein Vergleich in der Erläuterung der Lehren vorkommen. Nützlich können auch geschichtliche Darstellungen zur Staatstheorie und speziell zur Gewaltenteilung sein.

Im Internet gibt es auch einige gute Hinweise (Buchauszug) bei http://www.gewaltenteilung.de/tsatsos.htm. Sie beginnen in der Antike, Locke steht in § 3, Montesquieu in § 4.

Locke hat auch wichtige Schriften zur Erkenntnistheorie veröffentlicht. Er war Nominalist und Empirist: er hielt Allgemeinbegriffe für Namen ohne eine reale Existenz, lehnte die Vorstellung angeborener Ideen ab und meinte, durch bloßes Denken sei kein Wissen möglich, sondern allein durch Erfahrung.

John Locke vertrat ein Naturrecht. Grundlegend sind bei ihm Freiheit, Gleichheit und die Unverletzlichkeit der Person und des Eigentums. Die Gesellschaft und der Staat entstehen aufgrund eines Vertrages, damit die Individuen ihr Leben, ihre Gesundheit und ihren Besitz schützen und in Frieden leben können.

In der Staatstheorie ist ihm wichtig, vor Machtmissbrauch zu schützen und für Freiheit zu sorgen.

Montesquieu vertritt sehr ähnliche staatstheoretische Ansichten, betont aber eher auch die Rolle eines natürlichen Gesellschaftstriebes als Grundlage eines Staates. Er befürwortet wie Locke Toleranz und lehnt ein Staatskirchensystem ab.

Leichte Unterschiede gibt es in den Einzelheiten der Lehren über die Gewaltenteilung. Bei Locke werden die gesetzgebende (legislative) und die vollziehende (exekutive) Gewalt unterschieden. Daneben nennt er noch die Föderative (Vertretung des Gemeinwesens nach außen) und die Prärogative (Gewalt beim Notstand). Da diese in der Praxis bei der Exekutive angesiedelt sind, wird üblicher von 2 Gewalten bei Locke gesprochen, nicht von 4. Die Gewaltenteilung ist funktional (stärker eine Trennung). Es gibt bei ihnen Über- und Unterordnung (die Legislative ist die höchste). Im Staat gilt eine Volkssouveräntät.

Montesquieu hat die Lehre von der Gewaltenteilung weiterentwickelt. Bei ihm gibt es 3 Gewalten: Exekutive, Gesetzgebung und Rechtsprechung (bei Locke gibt es als Ansatz immerhin auch schon den Gedanken einer Unabhängigkeit der Richter). Die Gewalten sind nebeneinander geordnet. Wichtig ist eine Verteilung zur Verhinderung von Machtanhäufung. Eine Balance schaffende Hemmung der Gewalten sorgt für die Bewahrung eines Gleichgewichts. Es gibt eine getrennte Souveränität der Träger der Gewalten. Montesquieu steht auch in der alten Tradition einer gemischten Verfassung.

Wie Locke ist England für ihn Vorbild bei seinem Verfassungsdenken, allerdings sind ihm einige Besonderheiten weniger wichtig als Locke und er hat stärker auch das absolutistische Königtum in Frankreich vor Augen.

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