Welche Freiheiten hat ein Freistaat?

9 Antworten

Freistaat nimmt nicht Bezug auf normative Freiheiten, sondern darauf, eine Republik zu sein, also "frei von einem Herrscher". Teils wurde der Begriff im Zuge der Neuordnung des Reiches in Landesverfassungen als offizieller Zusatz aufgenommen, so auch zunächst bei Thüringen, wobei Thüringen 1920 in der Novellierung des Entwurfes der Landesverfassung sich nur noch als "Land" bezeichnete.

Die Entwicklung nach 1945 sei vernachlässigt, aber 1990 im Zuge der Wiedervereinigung nahm Thüringen den ursprünglichen Zusatz "Freistaat" wieder an, wohl in Anlehnung an Bayern und Sachsen.

Es ist damit eine historisch gewachsene Bezeichnung, die aber synonym mit dem Begriff einer "Republik" zu verstehen ist. Bei der deutlich älteren Bezeichnung "Freistadt" ist es ähnlich. Sie unterlagen keiner weltlichen oder kirchlichen Herrschaft und besaßen weitestgehende Gebietshoheit bei (bürgerlicher) Selbstverwaltung.

Etliche andere (derzeitige) Bundesländer könnten sich auf dererlei historische Fakten berufen, schmücken sich aber nicht damit. Beispiel Freistaat (bzw. Republik) Baden.

Historisch könnte man viel herleiten und damit alle Regionen mit netten Etiketten versehen, die mal vor langer Zeit zutrafen. Offensichtlich ist das den Meisten aber zu albern.

0
@schmerberg

Baden war, neben Bayern, der einzige Flächenstaat, der in der Zeit bis 1990 für sich die Bezeichnung "Freistaat" beibehielt, was aber durch die Auflösung des Bundeslandes Baden unter Bildung des  Bundesland Baden-Württemberg verlorenging. Bei Hamburg und Bremen z.B. hat das bis in das frühe Mittelalter zurückreichende Wurzeln.

Mithin ist die Kritik allenfalls normativ und damit subjektiv zu verstehen, zumal es nicht als "nettes Etikett" empfungen werden dürfte, sich mit dem Zusatz "Republik" zu schmücken. Wollte man vor 1919 zurückgehen, könnten nur noch Hamburg und Bremen sich das Etikett "frei" zugestehen.

Belassen wir es also bei der deskriptiven Betrachtung und versuchen es nicht subjektiv-normativ auszudeuten, ob es sich hier um eine angemessene oder "staatsneurotische" Benennung handele.

0

@schmerberg, du schreibst:

"Insbesondere die Bayern gefolgt von Sachsen, heben das ja gerne hervor und tun so, als wäre ihr Freistaat etwas ganz Besonderes und dem Rest der Republik überlegen."

So ist das nicht. Zumindest nicht in seriöser Diskussion, vielleicht in Folklore.

In der Schule lernt man hier, dass "Freistaat" nur ein anderes Wort sei für "Republik". Und von F.J. Strauss wird der Satz kolportiert, dass "Freistaat" einfach schöner klingt als "Bundesland". Also reine Etiketten-Formalismen ohne politische Wirkung.

Die Freistaaten Bayern und Sachsen waren z. B. früher Königreiche. Die anderen sind entweder aus früheren Herzogtümern, oder Fürstentümern zusammen gestückelt, oder völlig Kunstprodukte.

Die beiden Hansestädte hatten schon früher in der Geschichte den Status einer freien Reichsstadt. 

Dabei ist also viel Geschichte und sehr wenig bis keine Bedeutung für das heutige politische Leben.

So gab es schon mehrfach Ansätze eine Reform zu machen udn dabei die Anzahl der Bundesländer zu verringern. Zum Beispiel durch einen Nordsaat aus SH, Nds. HB und HH.

Es gibt drei Bundesländer, die sich als Freistaat bezeichnen, das dritte ist Thüringen.

2
@PatrickLassan

 das dritte ist Thüringen.

Stimmt, aber die Thüringer sind ohnehin ein besonderes Völkchen. Ein guter Bekannter von mir ist der Vorsitzende des Vereins "Thüringer in Berlin e.V."

0

Könige gabs auch in Würtenberg, Preußen, Hannover,

1
@MKausK

 Könige gabs auch in Würtenberg, Preußen, Hannover,

Da ich aus dem "Hannöverschen" bin, wie es bei uns heißt, ist mir das sehr wohl bekannt, schließlich waren die Könige von Hannover einige Zeit in Personalunion auch die Könige von England. Aber Niedersachsen ist nicht mit dem Königreich Hannover identisch, sondern ein von der britischen Besatzung gebildetes Bundesland.

Preussen war zweifelsfrei ein Königreich, aber es gibt kein Bundesland Preussen. Ebenso gibt es das Bundesland Württemberg nicht mehr, weil es in Baden Württemberg aufging.

0

Auf Thüringen wurde schon verwiesen, da bleibt mir nur anzumerken, daß der Begriff "freie Reichsstadt" nicht korrekt ist, da eine Reichsstadt etwas anderes als eine freie Stadt war, Hamburg und Bremen hatten aber den Status einer freien Stadt, waren damit gerade keine Reichsstädte. Der Begriff "freie Reichsstadt" ist in jedem Fall historisch nicht korrekt, da es diesen Status faktisch nie gab.

0
@PolluxHH

Abgesehen davon haben wir kein Reich mehr und den offiziellen Status gab es sehr wohl, sogar bei "ausländischen" Städten

1
@PolluxHH

Doch Köln war eine freie Reichsstadt die kurfürstlich von einem Erzbischof regiert wurde

1
@PolluxHH

Das waren freie Hansestädte, Köln war auch in der Hanse führte aber diesen Titel nicht, sondern freie Reichsstadt, eventuell durfte der Erzbischof als Kurfürst an Kaiserwahlen teilnehmen, die Bürgermeister von Hamburg und Bremen gewiss nicht

0
@MKausK

Hanse ist eine andere Ebene und nicht alle Hansestädte waren frei. Es gab aber "Freie Städte", die NIE Mitglied der Hanse waren.

Ab sofort könnten wir alle freien und unfreien Städte hierzulande als €U-Stadt betiteln. Ist ja quasi Nachfolger der Hanse.

1
@MKausK

Diese Freiheit hatte eine andere Qualität, denn sie sagte aus, dass es gegenüber dem Kaiser Freiheiten gab, die "normale" Städte nicht hatten.

1

Kunst und Politik passt nicht zusammen und etliche Hinweise sind nicht korrekt. Wäre aber ein anderes Thema

0

Was möchtest Du wissen?