Welche Folgen hätte ein Scheitern der gesamteuropäischen Währung für die einzelnen Länder als auch für die EU im allgemeinen?

7 Antworten

Es ist halt die Frage, wie das "Scheitern" abläuft.

Wenn die Währung z. B. durch eine eskalierende Finanzkrise nicht mehr vertrauenswürdig werden sollte, dann würde der Außenwert des Euros ins Bodenlose sinken. Das Ergebnis wäre, dass wir zwar sehr gute Exportbedingungen hätten, uns aber Importe aus Nicht-EU-Staaten nicht mehr leisten könnten.

Wenn mit "scheitern" auch ein Austritt von einem oder mehreren Eurozonen-Ländern gemeint ist, dann wird die Sache diffiziler:

Zum einen funktioniert ein Ausstieg aus dem Euro faktisch nur über eine Währungsreform, die ohne größere Verwerfungen nur durchgeführt werden könnte, indem man sie heimlich vorbereitet, dann eine Bankenschließung für ein paar Tage vornimmt und in dieser Zeit den ganzen Umtausch abwickelt.

Ein geplanter und im Vorfeld kommunizierter Ausstieg eines Landes aus dem Euro würde hingegen im Vorfeld zu Kapitalfluchteffekten führen. Entweder in das austretende Land (weil sich die Märkte dort mehr Außenwert von der neuen Währung erhoffen), oder eben umgekehrt aus dem Austrittsland weg (wenn man die Zukunft des Euros für besser erachtet als die Zukunft im Austrittsland). D. h. eine Seite würde auf jeden Fall massiv in die Röhre schauen.

Bezogen auf den Euro als "Transferunion" (die er ja eigentlich nicht sein soll, de facto aber ist) bedeutet ein etwaiges Ausscheiden gerade größerer Mitgliedsländer, dass die restlichen Länder unter einer massiven Last zu leiden hätten. Denn sie müssten ggf. verstärkt Stützungsleistungen für schwächere andere Euro-Länder erbringen.

Für ein Land, was Schulden im Ausland hat und aus dem Euro austreten will, kommt dann noch die Frage hinzu, ob es mit dem erwarteten Wert der neu wiedereingeführten Nationalwährung in der Lage wäre, auf Euro lautende Altschulden zu begleichen.

In der aktuellen, verfahrenen Lage bzgl. des Euros bin ich persönlich ein Freund einer "koordinierten Auflösung". D. h. Komplettabschaffung des Euros in einer schnellen, konzertierten Aktion. Das wäre der einfachste und sauberste Weg für alle Beteiligten: kurzzeitige Kapitalverkehrskontrollen einführen, dann Banken nach Vorankündigung für ein paar Tage schließen, überall den "Umtausch" vornehmen (was ja primär eine elektronische Transaktion ist, Bargeld kann man hilfsweise "umstempeln", wie das früher auch schon bei anderen Währungsreformen gemacht wurde), und dann wäre das Thema erledigt.

Die gebetsmühlenartige Aussage vieler Politiker, dass wir den Euro ja bräuchten, um innereuropäischen Handel treiben zu können, halte ich für üble Propaganda. Da wird suggeriert, dass es vor dem Euro keinen EU-Binnenmarkt gegeben hätte. Und das ist schlicht Humbug. Auch in Zeiten nationaler Währungen gab es eine funktionierende Wirtschaftsunion mit innereuropäischem, grenzübergreifendem Handel. Mit dem Unterschied zu heute, dass man damals keine Banken in mißwirtschaftenden Ländern stützen musste, keine unangemessenen paneuropäischen Zinsniveaus usw. hatte. Also: am besten schnell weg mit dem Euro!

Das weiß niemand so genau, vor allem nicht, wie tiefgreifend die Einschnitte wären und wie schnell eine Erholung eingeleitet würde. Diese Entwicklungen sind ja relativ zu anderen, d.h. es käme auch darauf an, wie die wirtschaftliche Entwicklung in anderen Ländern der Welt wäre, wie stabil die bestehenden wirtschaftlichen Verbindungen. Länder wie Griechenland und Portugal würde es wahrscheinlich furchtbar treffen, weil sie im Prinzip von Europa (und da vor allem von Deutschland) alimentiert werden. In den Zeiten der Neuanpassung würde sich erweisen, wie stabil die einzelnen Wirtschaften wirklich noch sind.

Da es viele Gründe gibt, dass keiner der Beteiligten den EURO von selbst aufgibt (da sind Angst und Unsicherheit viel zu groß) wäre ein Scheitern ja bereits ein unfreiwilliger Zusammenbruch. Bereits in den Vorphasen des Scheiterns würden die Kämpfe losgehen, z.B. bei der Verteilung der Schulden, käme es zu strategischen Bündnissen. Wie das ausgeht, weiß kein Hellseher. Solange Deutschland stabil genug ist, den illusorischen EURO-Laden zusammenzuhalten, werden alle am EURO festhalten und weiterhin Schulden machen, bis es nicht mehr geht.

Dann wäre Zahltag.
Deutschland haftet am Kapital der EZB mit 27%.

- aus der EZB würde eine Bad Bank, die die Schulden in Euro abwickeln
  würde, schlappe 9 Billionen Euro, die niemand bezahlen könnte, ge-
  schweige denn wollte
- die wirtschaftlich schwächeren Staaten würde ihre nationale Währung
  abwerten, Deutschland seine New-DM drastisch aufwerten

"Deutschland ist der Gewinner des Euro" Kanzlerin Merkel (CDU), nur wer sind dann wohl die Verlierer und warum sollten die das bleiben wollen?
Am Zahltag kehrten sich die Verhältnisse in ihr Gegenteil um.

Dumm gelaufen, Deutschlands Spardiktate waren und sind ein historischer Fehler.

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