Welche Fluchtmöglichkeiten hatten die Juden damals im zweiten Weltkrieg?

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7 Antworten

Ab 1933 konnte man aus Deutschland auswandern, wenn man alle Steuern bezahlt hatte, praktisch das ganze Eigentum zurückliess und in einem anderen Land aufgenommen wurde.

Je mehr Leute Visa beantragten, desto schwerer wurde es ihnen gemacht, z.B. in den USA, wo die Bestimmungen so streng ausgelegt wurden, dass die Quoten gar nicht ausgeschöpft werden konnten: die Beamten erlaubten so wenige Visa, dass nicht mal die vorgesehen Quoten gefüllt werden konnte.

In Palästina hatten die Briten einen jüdischen Staat versprochen, aber sobald wirklich Juden kamen wurden auch dort Quoten und strenge Visumsbestimmungen eingeführt.

Juden gingen damals in die ganze Welt, Iran, Afrika, Shanghai, Cuba, Argentinien, Urugay - wo sie nur ein Visum bekommen konnten.

Viele gingen am Anfang nach Europa (Österreich, Frankreich, Ungarn) und wurden dort dann von den Deutschen eingeholt (siehe z.B. Anne Frank).

Ab ca. Oktober 1942 verboten die Deutschen die Ausreise für Juden aus Deutschland und allen von Deutschland besetzten Gebieten, denn sie wollten sie ermorden.

In den besetzten Gebieten musste man probieren, auf der nicht-deutschen Seite der Front zu bleiben, also bei den Russen, oder im "freien Frankreich".

Wenn nicht, sass man in der Falle.

Ungarn war bis 1944 noch ein unabhängiger Staat, der mit Deutschland kooperierte. Von dort hätte man theoretisch fliehen können, aber als die Deutschen dann Ungarn besetzten gab es praktisch kein entrinnen mehr.

Vereinzelt gab es Konsule oder Beamte, die die Not der Juden erkannten, und Visa für ihre Länder ausstellt oder sie einreisen liessen, z.B. der schweizer Konsul Carl Lutz in Budapest, der japanischer Konsul Chiune Sugihara in Litauen, Aristides Susa Mendes für Portugal, Paul Grüninger.

Interessant zu diesem Thema finde ich diese Aufstellung, die nach Ländern geordnet angibt, wie gross der Anteil der jüdischen Bevölkerung war, der von den Deutschen ermordet wurde.

Du stellst fest, dass es in Deutschland und Österreich um die 30% waren, weil die Leute genug Zeit hatten, um zu emigrieren.

In Ungarn, Litauen, Polen, Holland u.a. hingegen waren es über 80%. Dort sassen die Leute in der Falle: die Deutschen kamen und mordeten, es gab kein Entrinnen.

https://en.wikipedia.org/wiki/World\_War\_II\_casualties

(du musst etwas runterscrollen, 4. Liste, "jewish deaths")

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Bis ca. 1938 konnte prinzipiell jeder gehen.

Das ging in der Regel aber nur unter Aufgabe aller Besitztümer. Die Vermögenswerte, die man versuchte mitzunehmen, wurden größtenteils beschlagnahmt.

Und dann musst man natürlich auch einen Zufluchtsort finden. Denn es war beweitem nicht so, dass sie überall willkommen waren. Die USA nahmen Juden nur äußerst widerwillig auf, und auch in den USA sahen sich Juden antisemitischen Ressentiments ausgesetzt.

Viele wollten - wenn sie denn wollen mussten - gerne nach Palästina. Großbritannien als damalige Kolonialmacht wollte wiederum keinen ungebremsten Zustrom.

Und natürlich galt damals wie heute, dass eine Exilierung Geld kostete.

Da nahmen viele eher die bis zu diesem Zeitpunkt halbwegs moderaten Repressalien in kauf und hofften, dass es sich bessern würde.

Die Situation verschlechterte sich zunehmend. Den verbleibenden Juden wurden nach und nach sämtliche Vermögen entzogen, sodass eine Flucht / geregelte Ausreise schon am finanziellen scheiterte oder zumindest erschwerte.

Spätestens 1941 mit der Formulierung der "Endlösung der Judenfrage" war es praktisch unmöglich, zu fliehen. Neben der vollständigen Entrechtung er Juden wollte man auch gar nicht mehr den jüdischen Anteil der Bevölkerung fliehen lassen, sondern setzte sich den Genozid zum Ziel. Die Kriegslage erschwerte jegliche Flucht noch zusätzlich, da Deutschland nahezu komplett von Kriegsfronten umschlossen war. Wer fliehen wollte, musste entweder durch Frontgebiet oder Gewässer überqueren (z.B. Atlantikküste). Einziger "ruhiger" Übergang war die Grenze zur Schweiz. Aber auch dort wurde man nicht mit offenen Armen empfangen.

In der zweiten Hälfte des Krieges methodisierte Deutschland das Freikaufen. Juden wurden gegen Lösegelder ausgeliefert / abgeschoben. Diverse jüdische Organisationen aus dem Ausland zahlten die Pressgelder. Davon ab gab es keine nennenswerten Ausreisebewegungen mehr.

danke für die lange und ausführliche Antwort

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@Wolfiiii

Noch längst nicht ausführlich genug. Da kann man Bücher drüber schreiben (und wurden auch).

Lies mal das Tagebuch der Anne Frank. Familie Frank ist relativ früh ausgewandert und musste schon etliche Repressalien und Wertverluste hinnehmen. Und deren Ausreise zählte noch zu den unproblematischen und einfachen.

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Im zweiten Weltkrieg, als also der Holocaust im Gange war, kaum noch welche. Vielleicht über die grüne Grenze in die Schweiz, aber von da wurden viele Juden wieder zurückgeschickt. Ansonsten konnten einige wenige untertauchen und mit Hilfe von NIchtjuden versteckt  und gerettet werden. Aber das waren nur wenige, denn die Retter brachten sich selbst in große Gefahr.

Keine.
Vorher haben sich viele ins ausland abgesetzt, aber während des Krieges hatten sie keine Chance mehr.

Sehr wenig. Was meinst du,. warum  so viele ermordet wurden ?

Wenn sie es nicht rechtzeitig vorher ins Ausland geschafft haben, sah es sehr schlecht aus.

Wer rechtzeitig geflohen ist ging z.B. nach Amerika, in die Schweiz oder nach Israel. Dazu brauchte man aber auch die nötigen finanziellen Mittel. Manche schafften es unterzutauchen und sich zu verstecken, das waren aber sehr wenige.

Israel gab es damals noch nicht.

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@Dahika

Palestina gab es damals, dort wollten etliche Juden hin. Und sie nannten es - völkerrechtlich formal nicht korrekt - Erez Israel.

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