Welche Erlebnisse können zur Spaltung der Persönlichkeit führen?

7 Antworten

Tue mich immer schwer mit solchen Diagnosen. Eine Diagnose kann eine Anleitung sein, ein Vehikel, um sich nach neuen Lösungen umzuschauen. Mir hat eine Therapeutin auch schon eine multiple Störung angedichtet. Eine andere heulte und attestierte eine Unheilbarkeit. Das hat mich fast noch mehr durcheinander gebracht, als die Tatsache, wie es mir zu diesem Zeitpunkt ging. Heutzutage lachen die Menschen, wenn ich denen das erzähle. Und ich lache auch. :-) Ja, es gibt Fallstricke, es gibt Dissoziationen, es gibt auch Spaltungen, aber ich persönlich halte mich da an die positive Psychologie.

Nämlich daran, dass die menschliche Natur so clever ist, dass sie andere Wege findet. Bpsw. ein blinder Mensch bildet aufgrund seiner behindernden Eigenschaften eine ausgesprochene Hörfähigkeit aus. Er ist immer noch blind, aber er kompensiert diesen Umstand. Oliver Sacks beschreibt in seinem Buch "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" ebensolche Phänomen. Nur eben auf die Psyche bezogen.

Wichtig ist, dass man sich nicht spalten läßt und den Glauben an sich selbst nicht verliert. Akzeptieren, dass man bestimmte Situationen in der Vergangenheit einfach nicht ändern kann, darüber reden, schreiben und meinetwegen auch tagelang heulen. Die Diagnose beschreibt zwar einen kleinen Teilbereich Deiner Selbst, aber Du bist nicht die Diagnose.

Alles, alles Liebe


Folter, Krieg, Menschenhandel, chronischer sexueller - je nach Resilienz auch emotionaler und physischer - Missbrauch, Snuff und Kinderpornografie, ...

Grob: jede Art von chronischer schwerer Traumatisierung, die - wichtig - von Menschenhand gemacht ist "man-made-desaster". Und zwar vor dem 6. Lebensjahr.

Es können natürlich auch unterschiedliche Traumata zusammen kommen wie zb. Traumatisierung der Mutter (=Traumatisierung des Kindes im Mutterleib), Notkaiserschnitt aufgrund Unterversorgung, Frühgeburt, jegliche Art von Vernachlässigung und Deprivation und dann idr chronischer sexueller Missbrauch, Folter und Abrichtung ab dem 3. LJ.

Wenn allerdings nur wenige und nicht chronische traumatische Ereignisse auftreten wie zb Not- und Frühgeburt, das Kind danach aber gut versorgt und geliebt wird, wird es sich im Alter von 2.5 Jahren davon erholt haben und ein stabiles Selbst ausbilden, so dass es nicht zu einer dissoziativen Störung kommt.

Auch nach dem 6. LJ kann noch eine Dissoziative Identitätsstörung erzeugt werden, dann aber nur noch gezielt von außen, nicht mehr "spontan" als Schutzmechanismus eines Kindes. Und das so erzeugte "System" ist idr nicht ganz so integral wie bei einem Kind.

Auch Erwachsene schützen sich bei Krieg und Folter durch Dissoziation, jedoch kommt es hier nicht zur dissoziativen Identität, sondern zu weniger schweren Stufen des Dissoziations-Kontinuums, also zur PTBS, diversen Typen der DDNOS (komplexe dissoziative Störung bis hin zur Ego State Disorder), oder aber auch zur sog. F62 "anhaltende Persönlichkeitsveränderung nach Extremtraumatisierung".

Technische bzw Naturkatastrophen wirken sich oft nicht derart aus, weil es Viele Menschen betrifft, nachvollziehbar ist, nicht Tabuisiert wird, darüber geredet wird, die Traumatisierung nicht durch geliebte Menschen (Thema Double-Binds) erfolgt und auch geholfen wird - all das ist bei dem oben Geschilderten nicht der Fall.

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Hallo,

vielleicht hilft es zu wissen,dass "Gespaltene Persönlichkeiten" sehr selten vorkommen und inzwischen auch deren tatsächliche Existenz in Fachkreisen immer mehr mit Fragezeichen versehen werden.

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