Welche Erfahrungen habt ihr in Kliniken gegen Depressionen gemacht?

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4 Antworten

Hallo,

1. Finde ich gut, dass Du aus freien Stücken Dir helfen lassen willst bzw. suchst - ein sehr wichtiger Schritt für die Besserung und 2. Ist es schön, dass Du bereits schon in Behandlung bist. Stationäre wird Dir vielleicht gut tun.

Ich selbst bin 16 und war vor 2 Jahren in der Psychiatrie für über etwa 3 Monaten. Ich litt schon seit der 4.Klasse an Depressionen - besser gesagt, ab da baute es sich mehr an. Es war aber nicht auffällig und nicht chronisch - Phasenweise.
Ich wurde von meiner Psychologin, bei der mich mein Kinderarzt überwiesen hat, zwangseingewiesen, wie wir an jenen Punkten aus Fragebögen kamen. Ich hatte ihr erzählt, dass ich Selbstmordgedanken habe, öfters versucht habe mich umzubringen und paar mal von zu Hause weggerannt bin, um zu sterben. Das war zunächst ein richtiger Schock für mich. Es kam sehr abrupt. Ich habe sogar geweint, da ich es nicht fassen konnte. Ich konnte mir schließlich nicht vorstellen und ich wollte mir nicht ausmalen, in einer fremden Einrichtung mit fremden Leuten, ohne Bekannte und weg von zu Hause, Tage, Wochen gar Monate zu verbringen - ich war damals seeehr schüchtern.
Ich war dann, während der Wartezeit auf einen Platz bei einer Psychotherapeutin, die ambulant im Psychiatriegelände arbeitete. Bei der war ich wohl dann auch schon paar Wochen noch dort. Es kommt mir so lange her vor. Wir haben viel geredet und als wir anfangen wollten meine Ängste praktisch zu behandeln, kam schon bald der Anruf, dass ich nächsten Mittwoch in die Psychiatrie auf der freien Jugendstation eingewiesen werde. (Für die Psychiatrie musste ich außerdem noch Bögen und Formulare ausfüllen) Mein Albtraum beginn da wahr zu werden, dachte ich. Ich hatte mich schon gefreut, dass es ewig zu scheinen deucht, bis ein Platz frei wird, doch ganz unerwartet kam dann die Zusage. (Bei der vorigen Psychologin übrigens musste ich viele Formulare und Fragen beantworten, bis mir wohl letztlich etwas diagnostiziert wurde und ich musste sogar dort einen IQ-Test durchführen)
Als ich dann in der Klinik da war, hat eine Krankenschwester und Betreuerin dann "Papierkram" gemacht und meine Eltern und ich mussten ein Blatt unterschreiben. Dann hat mir die Betreuerin die Station gezeigt und mir einiges erklärt und die restlichen Betreuer haben sich vorgestellt. Ich habe außerdem Blätter gekriegt auf denen alles erklärt wurde - die Station und die Regeln. Mir wurde dann mein Zimmer gezeigt (Ich war zunächst alleine dort) und ich musste es beziehen und die Sachen einräumen. Meine Eltern waren übrigens auch noch da und für das Einräumen wurden wir alleine gelassen. Doch irgendwann mussten meine Eltern gehen - ich wollte das nicht, dann wäre ich ganz allein gelassen - mein Empfinden. Irgendwann war es dann so weit und sie mussten sich von mir verabschieden. Am Mittwoch war dort Besuchstag (Ich kam wie die meisten Kinder am Mittwoch an) und um 19 Uhr durften die Eltern ihre Kinder anrufen (Handies waren übrigens bei uns nicht erlaubt). Am selben Tag noch, stellte sich dann meine künftige Psychotherapeutin vor. Sie stellte mir Fragen für einen Bogen (Bei den "Depressionsfragen" schwindelte ich, denn ich sah die Wahrheit zu sagen als einen Fehler an, da ich somit eingewiesen wurde - ganz schrecklich für mich gewesen) und sie führte auch kleine ärztliche Untersuchungen mit mir durch (Wiegen, Größe messen, Reflexe testen (Hammer gegen Bein) und musste gucken ob alles mit meinen Körper stimmte - da ging es schon zur Scham).
Ich hatte außerdem einen Ergotherapeuten dort und hatte dort ein paar Stunden auch "Schule" gehabt. Bei der ersten Woche, wo man ankam, dürften die Kinder Wochenends NICHT nach Hause - erst ab der nächsten Woche, zur Eingewöhnung.
Ich hatte irgenwann auch einen "Plan" bekommen, welche sich auf meine Probleme abzielten. Da standen Aufgaben drauf, die ich erfüllen musste und dafür bekam man Punkte, die ich für Kleinigkeiten einlösen konnte. Abends war dann mit den Betreuerin auch immer "Planbesprechung". Irgendwann bekam ich einen "Tagesplan", da ich mich meistens immer in meinen Zimmer verkroch, Mitpazienten und Betreuer mid, mich ständig allein beschäftigte und meinen Plan kaum durchführte. Die Betreuer sahen, dass ich mich nicht darum bemühte und somit mir nicht helfen ließ und versuchte mir zu helfen, bekam ich dann einen anderen Plan. Der war zunächst sehr schlimm für mich - wieder ein Schock, doch der half mir sehr viel und ich besserte/veränderte mich mit dem auch. Schließlich zwang der Plan mich regelrecht aus den Zimmer zu gehen. Auf ihn standen Aufgaben (zB. Zähneputzen, mit anderen Patienten spielen usw.) drauf, die ich zu bestimmter Uhrzeit erledigen musste und dann schließlich von Betreuern abhaken musste. Dafür bekam ich auch Punkte, die ich eher sammelte statts ein zu lösen. Planbesprechung war dann Vormittags und Abends. Die Betreuer sagten mir, dass ich es immer sehr gut erledige - immer alle Aufgaben und zr Zeit erledigte, und sie sahen, dass mir dieser Plan sehr viel hilft -

Furfur 18.05.2017, 20:00

und geholfen hat. gab außerdem jeden Tag die "Stillstunde" ,in der sich alle Patienten in ihre Zimmer begeben mussten. Da fand die Übergabe statt. Die Betreuer, die Vormittags da waren besprachen und tauschten sich mit den Betreuern aus, die Nachmittags da sein werden - sie ablösen. Zuständige Psychotherapeuten waren auch da. Manchmal nahmen sich die Psychotherapeuten einen Patienten für ein Gespräch oder praktische @ Theorie mit. Therapie mit meiner Psychotherapeutin hatte ich eher gelegentlich. Sie las mich dann irgendwann auf. Die Gespräche waren immer sehr lange, da ich kaum was sagte. Ich war sehr schüchtern, ängstlich und misstrauisch gegenüber ihr, den Ärzten und selbst den Betreuern. Ich brauchte meine Zeit. Irgendwann öffnete ich mich schließlich ihr ganz und freundete mich mit ihr an. Ich erzählte ihr dann auch alles, was meine Probleme im Bereich meiner Depression ging - ich eig . deshalb dort bin und nicht wegen meiner Sozial Phobie und Angsstörungen. So konnten wir dann besser arbeiten und die Gespräche waren dann nur lang, weil ich sehr viel redete - meistens vom Thema ab, da mich jenes Thema über meine Probleme immer wieder bedrückte. Sie gab mir auch Bögen mit, die ich ausfüllen uns ihr abgeben musste. Anfangs war ich also ein eher schwieriger, misstrauischer und vor allem misstrauischer Patient. Mit der Zeit wurde es dann besser und ich fühlte mich dann unter den anderen auch wohler. Irgendwann kam dann der Punkt, dass ich Tabletten (Fluoxetin) nehmen sollte - sie besprach es mit mir und ohne mein Eingeständnis ging nichts. Schließlich willige ich ein und ich musste jeden Morgen Tabletten einnehmen - es startete ganz klein mit 5mg. Die Tabletten wirkten sehr positiv auf mich und die Dosis wurde nach und nach erhöht. So plötzlich, wie dann meine Einweisung kam - so plötzlich kam dann auch meine Entlassung. Ich fand es sogar schon schade, denn ich hatte mich mit einigen Patienten und meiner Psychotherapeutin angefreundet und 2 Betreuerin habe ich sehr lieb gewonnen und bei einer habe und bekam ich auch das Gefühl, dass sie mich mochte und meine Besserungen sah. Für mich wurde dann auch nach einem Psychologen/Psychotherapeuten/Psychiatern in meiner Nähe und für möglichst bald gesucht. Bei den meisten Patienten ist es so, dassdass sie nach der stationären Behandlung in ambulanter Behandlung kommen. Gleich am Tag der Entlassung (Ich konnte es schon fast nicht fassen, dass ich entlassen wurde, denn ich hätte mich schon so gewöhnt und angefreundet - die Wochen gingen schnell rum statts elendig wie am Anfang) fahren mich meine Eltern zu meiner künftigen Psychiaterin und wir stellten uns gegenseitig vor. Bei ihr redeten wir auch viel und Bögen mussten ausgefüllt werden und sie erhöhte sogar meine Dosis an Fluoxetin. der Entlassung war ich schon munteres, heiteres, lebhaftes, offenes, mutigere, motiviertes und positives Mädchen und stellte sich als Ziel vor, nie wieder in ein "Loch" zu fallen (Ich hatte zwar ein paar unterschiedlich schwere Rückfälle, aber ich begann mich danach wieder auf zu raffen). Alle anderen (Betreuer, Psychotherapeutin, Eltern, Freunde und Lehrer) meinten, dass ich ich verändert habe - positiv und das fanden sie sehr gut. Auch mein Pädagoge, der sich in der Klinik dann mir vorstellte und für mich nach dieser Zeit zuständig sein wird, fand das auch. Einmal oder zweimal im Jahr hatte ich mit ihm und meinen Eltern ein Hilfeplangespräch.

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Furfur 18.05.2017, 20:01

Der größte Albtraum den ich mir je vorstellen könnte, stellte sich als sehr schöne Zeit und Freund heraus. Ich muss erwähnen, dass ich seit meiner Schulzeit in Behandlung, wegen meiner Schüchternheit war und es schien, dass ich mich kaum verändere, ich Zeit brauchte und auf verschiedene Leute verschieden reagierte. Die stationäre hat daher, was dies anging mir sehr viel gebracht! Und bei den Depressionen wohl auch... Naja, wie gesagt, anfangs ließ ich mir nicht helfen, wollte ich mich nicht bessern, war sehr verschlossen, stur und misstrauisch - was dies betrifft, wünschte ich mir, ich hätte die Zeit genutzt. Ich sah es dann positiv und nicht mehr negativ.

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Furfur 18.05.2017, 20:01

Also mach immer fleißig mit, sei offen und ehrlich und arbeite mit - Psychologen sind immerhin keine Zauberer, dann wird die Besserung schnell sich nähern. Aber daran mach ich mir für Dich weniger Sorgen, da Du dich aus freien Stücken für eine stationäre Behandlung entschieden hast. Jedoch muss man als Freiwilliger etwas länger auf einen Platz warten, da die Zwangseingewiesenen natürlich Vorrang haben. Bespreche also Deinen Wunsch mal mit Deinem Psychiater und arbeite bei ihm noch fleißig mit. Ich kann Dir einen Klinikaufenthalt schließlich nur sehr ans Herz legen! Da mir persönlich es sehr geholfen hat, wie man hoffentlich entnehmen konnte. Außerdem sind alle für einen da und die Mitpazienten und die anderen ' meistens freundlich und man findet schnell "Gleichgesinnte" mit denen man sich austauschen und helfen kann. Von daher, alles Gute und viel Erfolg! (Ach ja und ich möchte sogar im sozialen Feld arbeiten, was ich mir früher nie vorstellen könnte, da es die unangenehmste Situation und Angst für mich war, selbst "Kleinigkeiten". Heute sträubt sich bei jenem zwar immer noch etwas gegen mich, doch ich sehe es nun als "Aufgabe" an, statts zu vermeiden, um mich zu bessern) p.s.: Sollte einiges unklar sein oder Du noch Fragen haben, dann nur frisch heraus damit - ich bin für alles offen. LG Furfur

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Furfur 18.05.2017, 20:59

Einmal die Woche hatten wir außerdem Visite. Da kamen immer Betreuer, Psychotherapeuten und der Chefarzt in die Stillstunde. Mit dem Chefarzt hat man ein bisschen geredet und das war's.

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Hallo ich (19) war selbst auch 3 monate in einer psychatrie wegen depressionen. Am Anfang hatte ich angst vor dem Schritt dort hinzugehen. Aber ich bereue es echt nicht. Man lernt dort super viele nette Leute kenne denen es ähnlich geht wie einem selbst, man fängt an sich nicht mehr alleine mit seinen Problemen zu fühlen. Zudem kommt man mal aus dem ganzen Alltagsstress raus und kann sich ganz auf sich alleine konzentrieren. Man hat einen geregelten Tagesablauf, dass einzige was bisschen nervig war war das frühe aufstehen am Wochenende aber auch das bekommt man rum. Mir hat es echt geholfen wieder selbstbewusster zu werden und neuen Lebensmut zu fassen. Das einzig blöde an der Psychatrie war das man nur einmal wöchentlich ein Gespräch mit dem Psychologen hatte was ich persönlich etwas wenig gefunden habe, aber man konnte wenn man Probleme hatte jederzeit auf die Schwestern zu gehen oder auch mit dem Arzt ein kurzes separates Gespräch führen.

Hallo,

ich finde es toll und bewundernswert, dass du aus eigenen Stücken heraus in eine Klinik gehen willst. Das ist mit Sicherheit das einzig Richtige und der erste Schritt zur Besserung.

Ich kann dir zwar nicht mit Erfahrungen helfen, da ich selbst nicht betroffen bin, aber ich würde dir raten, deine Frage in einem speziellen Forum zum Thema Depressionen zu stellen, da bekommst du hundertprozentig bessere und vielfältigere Hilfe als hier.

Es gibt zum Beispiel dieses Forum: http://www.forum-depressionen.de/ 

Und wenn du nach "Forum Depressionen" googlest, findest du noch weitere.

Viel Erfolg und alles Gute :-)

Adventurian 18.05.2017, 16:31

Ach ja, und du wirst da mit Sicherheit auch auf negative und hoffnungslose Beiträge treffen, aber die gibt's überall und zu jedem Thema bzw. der Erfolg einer klinischen Behandlung hängt auch immer vom Individuum und den Umständen ab, also lass dich davon nicht beeindrucken bzw. runterziehen und halte an deinem Ziel fest!

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