Welche Einstellungen zum Nationalsozialismus gab es in den großen Religions_gemeinschaften?

7 Antworten

Die evangelischen Christen waren Hitler gegenüber eher positiv eingestellt. Ich habe grad eine Studienarbeit zu dem Thema abgegeben, hier ein paar Stichworte daraus:

  • Der Nationalsozialismus benutzte das Christentum: Hitler bekannte sich öffentlichkeitswirksam zum christlichen Gott. Gleichzeitig verknüpfte er den Glauben an Gott mit Werten der NS-Ideologie wie Stärke, Mut und Pflichtbewusstsein.
  • Ein Großteil der evangelischen Kirche bekennt sich zu den "Deutschen Christen". Diese lassen sich vom Nationalsozialismus vereinnahmen. Sie wählten 1933 mit Ludwig Müller einen engen Vertrauten Hitlers zum Reichsbischof, auch anderes hochrangiges Kirchenpersonal wird Nationalsozialisten besetzt. Der Evangelische Bund machte 1933 Wahlwerbung für die NSDAP und rief seine Mitglieder dazu auf, alle Bedenken gegenüber dem Nationalsozialismus aufzugeben. Die preußische evangelische Landeskirche veröffentlichte zu Ostern 1933 ein Dankgebet, in dem Gott für den Nationalsozialismus gedankt und versprochen wurde, an der „nationalen und sittlichen Erneuerung“ des Volkes mitzuwirken. Und so weiter und so fort. Die evangelischen Jugendbünde werden in die Hitlerjugend eingegliedert, die Landeskirchen weitgehend in einer "Reichskirche" zusammengefasst.
  • Es gibt gegen dieses Vorgehen innerkirchlichen Widerstand, die "Bekennende Kirche". Sie sind z.B. gegen die Gleichschaltung der Kirche und die Vereinnahmung der christlichen Werte durch den Nationalsozialismus. Besonders hart kämpfen sie dagegen an, dass jüdischstämmige Pfarrer aus dem Dienst entlassen werden sollen. Eine tatsächliche Widerstandsbewegung ist die Bekennende Kirche zum Großteil nicht - sie will nur ihre kirchliche Autonomie wahren und ist eher unpolitisch.
  • Die Kirche unterstützt den NS-Staat. So öffnet sie z.B. bereitwillig die Kirchenbücher, damit Herkunftsnachweise und damit die arische Herkunft belegt werden können. Ein vorhandener christlicher Antijudäismus ("Jesusmörder") wird von den Nationalsozialisten gezielt genutzt, um die Rassenideologie durchzusetzen. Und die kirchlichen Wohlfahrtsverbände beteiligen sich an Zwangssterilisationen und (wilden) Euthanasiemorden.

Wenn dich die Kirchengeschichte (Weimarer Republik und NS-Zeit) näher interessiert, kann ich dir folgendes Buch empfehlen: Scholz Bastian: Die Kirchen und der deutsche Nationalstaat: Konfessionelle Beiträge zum Systembestand und Systemwechsel, 1. Aufl. 2015.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Der Vatikan hat zu Hitlers Tod sein Beileid ausgedrückt ob das jetzt einfach politischer Usus war oder nicht soll jeder selbst bewerten

Ich habe erst neulich gelesen, wie bestürzt zB. die evangelische Kirche wegen dem Stauffenberg-Attentat war. Die Katholiken hatten auch nichts gegen ihn glaube ich.

Kirchlich orientierte Organisationen (Pfadfinder) wurden verboten, psychisch kranke Menschen (auch viele Kinder !)wurden aus kirchlichen Betreuungsorganisationen entfernt und viele Priester bzw Theologen kamen in KZ.
Was glaubst du, welche "Einstellung" da vorherrschte.
Es gab natürlich auch da "Befürworter" besonders aus evangelikalen Kreisen.
Diese waren ja auch national organisiert, die Katholiken international.

Die passenden.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Ich denke, also bin ich. Ich bin, also denke ich.

Was möchtest Du wissen?