Welche Chronisten berichteten über Karl den Großen

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2 Antworten

Für eine genaue Beantwortung kommt es darauf an, was mit „Chronist“ und „Berichten“ gemeint ist.

Die Abgrenzung der Textgattungen Chronik, Annalen und Gesta ist für das Mittelalter nicht leicht.

Außerdem ist zu mittelalterlichen Texten zum Teil nicht bekannt, wer ihr Autor ist. Es gibt dann höchstens Vermutungen (manchmal waren auch mehrere Verfasser tätig).

In mittelalterlichen Weltchroniken (mit Darstellungen der Geschichte der Welt seit ihren Anfängen) kommt Karl der Große vor. Davon gibt es viele, aber sie haben auf vorhandene Darstellungen zurückgegriffen und nicht selbst eigenständig etwas berichtet. In Bezug darauf, was Karl der Große getan hat und was geschehen ist, haben sie keinen eigenen Quellenwert (dagegen einen in Bezug auf ein Geschichtsbild, das zu ihrer Zeit vorhanden ist und vermittelt wird).

Eine in der Abtei Saint-Denis entstandene Zusammenstellung aus älteren Werken ist: Grandes Chroniques de France

Eine wichtige Quelle ist verhältnismäßig bald nach Karls Tod (die Datierungsansätze sind nicht einheitlich, wenige Jahre etwa 2 Jahrzehnt später) bis geschrieben worden.

Einhard, Vita Caroli Magni, hat eine Biographie geschrieben.

eine chronologisch angeordnete Sammlung von Papstbiographien, in der Karl der Große vorkommt, ist:

Liber Pontificalis (enthält: Vita Leonis tertii [Leben Leos III.])

eine deutsche Übersetzung zu der Stelle mit Karl dem Großen enthält z. B.:

Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung. Band 1; Frühes und hohes Mittelalter, 750 – 1250. Herausgegeben von Wilfried Hartmann. Stuttgart : Reclam, 1995 (Universal-Bibliothek ; Nr. 17001). ISBN 3-15-017001-X

Zu den Quellen mit Informationen, wie es zur Kaiserkrönung kam, gehören z. B. auch ein Epos-Fragment (eine Bezeichnung ist: Paderborner Epos vom Jahr 799)** Karolus Magnus et Leo Papa** (Karl der Große und Papst Leo) und Alkuinbriefe (von Alkuin geschriebene Briefe).

Es gibt die Annales regni Francorum (Reichsannalen/Annalen des Fränkischen Reiches) und die Annales Laureshamenses (Lorscher Annalen).

Die Reichsannalen sind von manchen Einhard zugeschreiben worden, er ist aber wohl nicht ihr Verfasser gewesen.

Die Lorscher Annalen sind nach einer zugeschriebenen Entstehung im Kloster Lorsch benannt.

Bis 798 reichen die Annales Mosellani.

Bis 799 reichen die Annales Petaviani.

Die Annales Mettenses (Metzer Annalen) versuchten unter Verwendung vorliegender Darstellungen eine Gesamtdarstellung des Karolingischen Herrscherhauses bis 805 zu geben.

Im frühesten Teil von manchen Annalen sind ältere Annalen abgeschrieben (manchmal mit kleinen Zusätzen).

Die Annales Bertiniani (Annalen von Saint-Bertin) sind eine Fortsetzung der Reichsannalen für das westfränkische Reich.

Die Annales Fuldenses (Fuldaer Annalen) sind eine Fortsetzung der Reichannalen für das ostfränkische Reich).

Dies gilt auch für die Annales Xantenses (Xantener Annalen).

Spätere Werke sind genaugenommen keine Berichterstattung, sondern nur Darstellungen mit bestimmten Zielen.

Notker I. von Stankt Gallen, auch Notker Balbulus (Notker der Stammler) genannt, schrieb Gesta Karoli Magni (Taten Karls des Großen).

Ein Poeta Saxo genannter, unbekannter sächsischer Dichter Ende des 9. Jahrhunderts schrieb zwischen 888 und 891 die Annales de gestis Caroli Magni imperatoris (Annalen über die Taten Kaiser Taten Karls des Großen).

Viele Quellen sind in den Monumenta Germaniae Historica (MGH) herausgegeben.

In lateinischer Sprache und deutscher Übersetzung enthalten eine Reihe von Quellen zu Karl dem Großen:

Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. Band 1: Die Reichsannalen. Einhard Leben Karls des Großen. Zwei Leben Ludwigs. Nithard Geschichten. Unter Benützung der Übersetzungen von Otto Abel und Julius von Asmund neubearbeitet von Reinhold Rau. Unveränderter Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Darmstadt 1968. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1993 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters ; Band 5). ISBN 3-534-06963-3

Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. Band 2: Jahrbücher von St. Bertin, Jahrbücher von St. Vaast. Xantener Jahrbücher. Unter Benützung der Übersetzungen von Otto Abel und Julius von Asmund neubearbeitet von Reinhold Rau. Unveränderter Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Darmstadt 1968. 3., gegenüber der 2. um einen Nachtrag erweiterte Auflage. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2002 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters ; Band 6). ISBN 3-534-06964-1

Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. Band 3: Jahrbücher von Fulda. Regino: Chronik. Notker: Taten Karls. Unter Benützung der Übersetzungen von Otto Abel und Julius von Asmund neubearbeitet von Reinhold Rau. Unveränderter Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Darmstadt 1969. 4., gegenüber der 3. um einen Nachtrag erweiterte Auflage. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2002 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters ; Band 7). ISBN 3-534-06965-X

Quellen zur Geschichte des 7. und 8. Jahrhunderts. Die vier Bücher der Chroniken des sogenannten Fredegar (Buch 2, Kapitel 53 bis Buch 4, unwesentlich gekürzt). Unter der Leitung von Herwig Wolfram neu übertragen von Andreas Kusternig. Die Fortsetzungen der Chroniken des sogenannten Fredegar. Das Buch von der Geschichte der Franken (unwesentlich) gekürzt. Das alte Leben Lebuins (Auswahl): Jonas erstes Buch vom Leben Columbans. Unter der Leitung von Herwig Wolfram neu übertragen von Herbert Haupt. Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1982 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters ; Band 4a). ISBN 3-534-01414-6

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@PeVau

Danke für diese Genaue und Großartige antworten.

Hut ab :)

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Der bekannteste ist ganz ohne jeden Zweifel ein Chronist namens Einhard, der die "Vita Karoli Magni" verfasst hat.

http://www.dibb.de/einhard-karl-der-grosse.php

Ich wusste bereits wer Einhard ist ich suche nach anderen aber trotzdem. Danke :)

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Kurze Frage PeVau: Mir begegnen immer wieder Menschen, die die Existenz Karls des Großen grundsätzlich anzweifeln. Wo kommt das her? Deine Einschätzung wieso die Sichtweise attraktiv ist. Danke!

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@frank1968

Ja, Ja, das ist die Geschichte mit dem angeblich erfundenen Mittelater, wonach dreihundert Jahre einfach hinzugefügt worden sein sollen. Ich halte das für absurd.

Hier kommt wieder die alte Lust am Geheimnisvollen zum Tragen, die auch andere Verschwörungstheorien zum Vorschein bringt. Scheinbar logische Argumentationsketten, denen der verblüffte Laie zunächst nichts entgegensetzen kann, sollen eine neue Wahrheit verkünden. In Wirklichkeit geht es wohl eher um das Erregen von Aufmerksamkeit und um kommerzielle Interesssen.

Sicherlich existiern aus dieser Zeit relativ wenige schriftliche Quellen. Das gilt auch für die Jahrhunderte davor. Deshalb aber von einer Erfindung zu reden, geht zu weit. Wenn dreihundert Jahre erfunden worden sein sollen, dann hätte man ja nicht nur europäische Geschichte, sondern auch die Geschichte außerhalb Europas mit hinzu erfinden müssen. Spätestens hier merkt man, wie absurd die These ist.

Außerdem, gibt es mehr als genug archäologische Funde, die nicht nur kulturhistorisch in die Zeit einzuordnen sind, sondern auch naturwissenschaftlich (z. B. dendrochronologisch).

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@PeVau

Vielen Dank! Also schon wieder eine billige Verschwörungstheorie ohne echte Grundlagen. Naja, wers mag.......

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