Welche Aufgaben hatten die Menschen der Stadt? im mittelalter

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2 Antworten

Die Bewohner einer mittelalterlichen Stadt lassen sich grob in Bürger und Nichtbürger einteilen. Die Bürger konnten die Freiheiten der Stadt genießen und waren z.B. von der Heerfahrt befreit. Neben vielen Rechten hatten sie auch Pflichten zu erfüllen. So war z.B. die Wehrpflicht eine allgemeine Bürgerpflicht. Im Kriegsfalle mußten sie die Stadt mit den eigenen Waffen verteidigen und in Friedenszeiten an der Stadtbefestigung mithelfen. Auch Steuern hatten sie zu zahlen und eventuelle Schulden der Stadt mit abzutragen.

Um Bürger zu werden, hatte man einen Bürgereid abzulegen, der zu bestimmten Zeiten wiederholt werden mußte, und seit der zweiten Hälfte des 12. Jhs. eine geringe Eintrittsgebühr zu zahlen. Im Laufe der Zeit kamen jedoch weitere Bedingungen hinzu. So mußte man schließlich von ehelicher Geburt sein, Haus- oder Grundbesitz oder ein Mindestvermögen vorweisen oder selbständig ein Handwerk ausüben können. Selbst die Kosten für die Aufnahmegebühr wurden immer höher und machten in vielen Städten im Spätmittelalter schließlich eine beträchtliche Summe aus. Das Bürgerrecht, in das in der Regel die Ehefrau und die unmündigen Kinder eines Bürgers eingeschlossen waren, war nicht erblich, d.h. die männlichen Kinder von Bürgern mußten ab dem 15./16. Lebensjahr selbst ihren Bürgereid leisten. In manchen Städten konnten auch die Frauen das Bürgerrecht erwerben, besaßen dann jedoch trotzdem keine politischen Rechte.

Neben den Bürgern hatten auch die "Pfahlbürger" oder "Ausbürger" das Bürgerrecht. Sie lebten außerhalb der Stadt auf dem Lande und wollten durch den Erwerb des Bürgerrechtes nur den Schutz der Stadt gewinnen und an den städtischen Vorrechten teilhaben können. In einigen Städten forderte man von ihnen, daß sie, bevor sie Bürger wurden, ein Grundstück in der Stadt erwarben und dort mindestens in der Winterszeit einige Wochen verbrachten. Außerdem mußten sie wie die Bürger Steuern zahlen und, wenn sie in der Stadt waren, Wachdienst leisten. Adlige Herren, Geistliche und Juden dagegen erhielten im allgemeinen nur selten das Bürgerrecht zugestanden.

Neben den Bürgern und Pfahlbürgern gab es noch die Nichtbürger oder "Mitwohner". In der Einwohnerschaft von Nürnberg im Jahre 1449 zählten 17583 zu den Bürgern (die Familienangehörigen wurden mitgezählt) und 1976 zu den Nichtbürgern.

Diese Nichtbürger waren nicht vermögend genug, um das Bürgerrecht erwerben zu können. Trotz alledem waren sie steuer-, wehr- und gerichtspflichtig, da sie laut der Stadtherren an der gewerblichen Arbeit in der Stadt beteiligt waren. Als Nichtbürger hatte man es schwer, städtischen Grundbesitz zu kaufen oder in einer Gilde oder in einer Zunft Aufnahme zu finden. Ebensowenig konnte man politische Rechte erlangen.

Neben dieser vom rechtlichen Standpunkt aus gesehenen Einteilung der Stadtbevölkerung in Bürger und Nichtbürger war auch eine Gliederung nach sozialen Gesichtspunkten möglich. So konnte man die einzelnen Stadtbewohner entweder der Oberschicht, der Mittelschicht, der Unterschicht oder der Randgruppe zuordnen. Zur Oberschicht gehörten die Groß- und Fernkaufleute, die Gewandschneider, die Ministerialen, die reichen Grundbesitzer und eventuell einige Handwerksmeister und die Spitze der Gewerbetreibenden. Für all diese Personenkreise war ein hohes Einkommen, der Besitz eines großen Vermögens, die Ausübung ganz bestimmter Berufe und der Besitz von Grund und Boden gemeinsam. Nur Mitglieder dieser Oberschicht wurden mit der Stadtverwaltung beauftragt und konnten damit ihren politischen Einfluß geltend machen.

Zur Mittelschicht zählten im allgemeinen die Handwerker, die wohlhabenden Kleinhändler, Brauer, Fuhrunternehmer, Schiffer, z.T. die städtischen Angestellten wie Stadtschreiber oder Syndikus, Wundärzte, Apotheker, Baumeister, Maler, Bildschnitzer und die wohlhabenden Ackerbürger.

Die zahlenmäßig größte Schicht in den Städten stellten die Handwerker. Sie machten oft fast 50 % der Bürger aus. Aber Handwerker war nicht gleich Handwerker. Hoch angesehen waren z.B. die Goldschmiede und Kürschner, und ganz unten standen die Leineweber.Die Unterschicht, die 40 - 60% der Stadtbevölkerung ausmachen konnte, reichte von den einfachen Leuten bis zu den Bettlern. In Lübeck zählten um 1380 42% von den 22 000 - 24 000 Einwohnern zu dieser Schicht, zu der neben den armen Handwerksmeistern und Kleinkaufleuten die große Masse der beruflich Unselbständigen wie z.B. die Handwerksgesellen und -lehrlinge, die freien Tagelöhner und Hilfsarbeiter, die Hafenarbeiter und Seeleute, die Türmer, Torwächter und Nachtwächter, die Bader, Stadtpfeifer, die Dienerschaft, das Gesinde und die Bettler gehörten. Quelle zum Weiterlesen: http://www.kleio.org/de/geschichte/alltag/kap_VII2.html

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