Welche Art von Gleichheit wird durch das Losverfahren in der attischen Demokratie geschaffen?

1 Antwort

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich habe das mal rausgesucht und es ist für mich gar nicht so leicht , es zu verstehen.

Hier:

Der Charakter und die Bedeutung der Losung für die Demokratie wird aus dem (von Kleisthenes eingeführten) Losverfahren deutlich. Zunächst einmal erfolgte die Losung unter Berücksichtigung aller lokalen Bezirke Attikas, wodurch das Übergewicht der beiden Siedlungszentren Athen/Piräus, wenn nicht ausgeschlossen, so doch wesentlich eingeschränkt wurde. Man loste entweder nach Phylen oder nach Demen. Hatten sich nicht genügend Kandidaten eines lokalen Bezirks für die zu erlosenden Ämter gemeldet, füllten Kandidaten anderer Bezirke die Lücke; das ist zumindest für die Bestellung der Ratsmitglieder, für die manche Demen nicht immer ihre oder ihren Kandidaten aufzustellen vermochten, sicher belegt. Der gelegentliche Kandidatenmangel verweist auf ein weiteres Prinzip: Die Kandidatur war freiwillig; es gab keinen Zwang zur Übernahme einer öffentlichen Tätigkeit. Die Verzerrungen, die sich daraus für die lokale und soziale Repräsentation der politisch Berechtigten ergaben, zeigen, dass auch die Losung und die Rotation der Ämter, mochten sie noch so perfektioniert sein, die Dissonanz von politischer Idee und Wirklichkeit nicht völlig zu überbrücken vermochten. (...)

Es zeugt von der Bedeutung, die die Athener der Losung beimaßen, dass sie darum das Verfahren in einem auch für heutige Verhältnisse erstaunlichen Umfang rationalisierten und perfektionierten. Die Schnelligkeit und Übersichtlichkeit des Verfahrens sowie der Schutz gegen Unregelmäßigkeiten oder Irrtümer wurden vor allem durch die Erfindung von Losmaschinen (!) erreicht...

In älterer Zeit war das Los ein Mittel zur Feststellung des göttlichen Willens gewesen, und im religiösen Bereich ist es auch in jüngerer Zeit noch als Gottesurteil verwendet worden. Im profanen Bereich hingegen steht hinter seiner Anwendung, auch wenn in dem Sinne von Zufall oder Schicksal gegebenenfalls ein stark abgeschwächtes religiöses Element mitspielen mochte, von Anfang an ein konkreter politischer Gedanke: die Ausschaltung der persönlichen Autorität aus der Regierung. Die mit der Losung verbundene politische Absicht beherrschte bereits die Anwendung des Loses für die Bestellung der Archonten im Jahre 487/86, in der das Los bewusst als Instrument zur Schwächung einer althergebrachten Institution eingesetzt wurde. Der gleiche Gedanke steht hinter der nur wenige Jahre vorher durchgesetzten Phylenordnung des Kleisthenes, die durch die Zusammenfassung von jeweils verschiedenen Landschaften zu zehn lokalen Phylen jegliches ökonomische Sonderinteresse aufhob und damit die Beamten und Ratsmitglieder, die nach diesen neuen lokalen Einheiten bestellt wurden, "gleichschaltete". Der Sinn der Losung liegt in Athen immer darin, persönliche Autorität aufzuheben bzw. ihr Entstehen im vorhinein zu verhindern. Es ist klar, dass die Athener mit dieser Absicht gegen allzu ehrgeizige, möglicherweise sogar nach der Tyrannis strebende Häupter der großen aristokratischen Familien zielten, gegen die sie während und nach der Vertreibung der Peisistratiden (Anhänger des Tyrannen Peisistratos), also gerade in diesen Jahrzehnten der Reformen im Kampf lagen. Die Losung als ein demokratisches Prinzip ist ein Produkt des Ringens mit dem politisch aktiven Teil des Adels um eine isonome Gesellschaft. (...) Der Grundsatz der Losung wirft Licht auf den Charakter des demokratischen Gedankens in Athen. Denn so sehr er durch die Beschränkung der Macht der an der Regierung Beteiligten einem heutigen Verständnis von Demokratie begegnet, befremdet er doch gleichzeitig durch den Umfang seiner Anwendung. Denn es wird durch den allseitigen Gebrauch der Losung nicht nur jede potentielle persönliche Autorität und jeder Machtmissbrauch ausgeschaltet, es wird auch der Wille des Souveräns eingeschränkt: Die Menge kann bei Anwendung des Losverfahrens nicht durch Mehrheitsentscheid den Mann ihrer Wahl bestimmen, und desgleichen werden viele andere Einzelentscheidungen, wie die Bestimmung der Reihenfolge, in der über irgendwelche Personen, Gruppen oder Gremien abgestimmt werden soll, vom Los getroffen. Die Menge hatte durch das Prinzip der Losung zwar für sich gesorgt - das Los konnte jeden Beliebigen aus dem Demos treffen -, aber in diesem "Für-sich-Sorgen" hatte sie auch ein für alle Mal ihren Willen begrenzt. Das, was nach Umfang und Bedeutung heute das wichtigste Geschäft in der Demokratie darstellt, die Wahl von Personen, sahen die Athener nicht als einen demokratischen Wert an. Gewählt wurde nur, wenn es aus sachlichen Gründen unausweichlich war, und das heißt: gegen den Sinn der hinter der politischen Ordnung stehenden Idee. Man wird die athenische Demokratie nicht verstehen können, wenn man nicht begreift, dass den Athenern die Ausschaltung der persönlichen Autorität wichtiger war als die Möglichkeit, ihnen erwünschte Personen zu wählen und unerwünschte abzulehnen oder abzuwählen. Die durch das Los gegebene quantitative Gleichheit hatte für sie einen höheren Rang als die Qualifikation der Person.

Quellen: Dosis.net in Teilen und Jochen Bleicken, Die athenische Demokratie, Paderborn 1988, S. 218 ff.

Danke. Diesen Text soll ich ja bearbeiten. Ich bin mir nur nicht ganz sicher, ob als Antwort eine Gleichschaltung der Menge durch die Gleichheit jedes Einzelnen ausreicht.

0
@Palle11

Das Los kann jeden treffen (auch den ungeeignetsten) , vor allem aber verhindern, dass sich bestimte begabtere Personen an die Spitze setzen.

Und das genau war der Sinn (der Unsinn) der athenischen Demokratie: Ausschalten einer Elitebildung aber zu Lasten der Qualität der Amtsführung.

Damals das WICHTIGSTE : Niemand sollte sich mehr dauerhaft an der Spitze des Staates einrichten können.

0
@Palle11

Schön, dass der Stern auch mal kompetent vergeben wurde!

0

Geschichtshausaufgabe zu der athenischen Demokratie.

Guten Abend :) Ich habe ein paar Probleme mit meinen Geschichtsha's ;) Ich bin sowieso nicht der 'King' in Geschichte ;(. Aber normal reicht es ja wenn man die Aufgabe wenigstens mal versucht aber ernsthaft diesmal klappt es echt nicht. Aber wer kennt es nicht, man hat mal so n Lehrer dem ist das s..... egal. Ne 6 griegste und ein :' Was kann man da nicht verstehen?' :(. Aber ich verstehe es nunmal wirklich nicht und gebe mir Mühe ;). Ich hoffe auf eure Hilfe.

Wir haben das Geschichte und Geschehen Buch von Klett, wer nachschauen kann, S.95 Nr.1.

Ich schreibe euch kurz den einden Satz um den es sich handelt. Wer Ahnung von athenischer Demokratie hat und mir antwortet dem wäre ich sehr dankbar _ :)

Danke allen Antworten im Vorraus Lg Deifelche

die Aufgabe: Überlege, welche Rolle die Tagegelder für die Mitbestimmung einzelner Bevölkerungsgruppen gespielt haben. Was bedeutete die Bezahlung für die Verwirklichung der Demokratie (Q1) ?

sind im grunde dann 2 'aufgaben müssn nicht richtig sein, hauptsache ich habe etwas und deomkratie heißt Volksherrschaft :)

Q1: Zu sehen eine OBolos Münze, Eine Obolos Münze aus Silber, Vorder und Rückseite (vergrößert) Ein Bürger, der als Ratsherr amtierte, erhielt um 450. v. Chr. am Tag fünf Obolen, ein Richter zwei. Später bekamen alle Bürger Geld, die an der Volksversammlung teilnahmen.

Lg.

...zur Frage

Was möchtest Du wissen?