Welche Anfahrtszeiten sind fr einen Arbeitnehmer zumutbar?

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7 Antworten

Schau mal:

Als unverhältnismäßig lang sind im Regelfall Pendelzeiten von insgesamt
mehr als zweieinhalb Stunden bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs
Stunden und Pendelzeiten von mehr als zwei Stunden bei einer Arbeitszeit
von sechs Stunden und weniger anzusehen.

http://www.deutsche-anwaltshotline.de/rechtsanwalt/sozialrecht/zumutbare_entfernung

Wenn ich das richtig interpretiere, ist Dein Arbeitsweg zu lang. Und wenn Du abends nicht mehr nach Hause kommst, ist das natürlich blöd.

Du solltest noch mal mit dem Chef reden.

Es kommt auf die arbeitsvertraglichen oder tarifvertraglichen Regelungen an.

Dazu müsstest Du den genauen Wortlaut aus dem Arbeitsvertrag posten:

Was steht genau bei Arbeitsort?

Und: Warum bist Du versetzt worden?

Eine Versetzung ist zulässig wenn der Arbeitsplatz in der bisherigen Zweigstelle ersatzlos entfallen ist. Bei bestehender Weiterbeschäftigungsmöglichkeit besteht kein Grund, einen  Mitarbeiter in eine andere Niederlassung zu versetzen.

Den Arbeitgeber trifft die Nachweispflicht, dass
tatsächlich der Arbeitsplatz weggefallen ist und keine
Weiterbeschäftigungsmöglichkeit am bisherigen Arbeitsplatz besteht.

Im übrigen ist ähnlich wie bei der Sozialauswahl im Rahmen einer betriebsbedingten Kündigung die soziale Schutzwürdigkeit zu prüfen.

Ansonsten darf, sofern der Arbeitsort im Arbeitsvertrag exakt benannt ist, keine Versetzung gegen den Willen des ArbN erfolgen.

Du scheinst ja dort schon zu arbeiten - das ist insofern schlecht, da Du nun sofort handeln solltest:

Der Zuweisung an den neuen Arbeitsplatz sollte nur unter dem Vorbehalt einer gerichtlichen Kontrolle akzeptiert werden (schriftlich machen).

Wenn man längere Zeit an dem Versetzungsort arbeitet, dann kann auch ein konkludentes (stillschweigendes) Einverständis angenommen werden, selbst dann, wenn die Versetzung nicht rechtmäßig war.

"Schlecht sehen"

Sollte eine Schwerbehinderung vorliegen, dann sind noch zusätzliche Regelungen zu beachten und es besteht ein zusätzlicher Schutz...

DerSchopenhauer 18.01.2017, 09:28

Selbst, wenn eine Versetzung gem. Arbeitsvertrag möglich wäre (z. B. Versetzungsklausel), kann nicht willkürlich ohne Rücksicht auf den ArbN gehandelt werden:

Der ArbG muß bei Ausübung seines Direktionsrechts immer nach billigem Ermessen entscheiden, d. h., er muss auch die Interessen des AN ausreichend berücksichtigen. Geschieht dies nicht, kann auch ein grundsätzlich bestehendes Direktionsrecht in unzulässiger Weise ausgeübt werden.

Hier scheint ggf. Deine Interessen (insb. gesundheitliche Problematik) nicht ausreichend berücksichtigt worden zu sein.

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DerSchopenhauer 18.01.2017, 09:48
@DerSchopenhauer

Zumutbarkeit Fahrtzeit

Hier wird auch durch die Gerichte oft der § 140 (4) SGB III als Orientierung hinzugezogen (grundsätzlich aber Einzelfallentscheidung):


"Als unverhältnismäßig lang sind im Regelfall Pendelzeiten von insgesamt mehr als zweieinhalb Stunden bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden und Pendelzeiten von mehr als zwei Stunden bei einer Arbeitszeit von sechs Stunden und weniger anzusehen. Sind in einer Region unter vergleichbaren Beschäftigten längere Pendelzeiten üblich, bilden diese den Maßstab."



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Ich habe selbst eine starke Sehbehinderung bzw. bin inzwischen blind. Und mir wurde erzählt, dass unter gewissen Umständen auch die Fahrt mit einem Taxi finanziert wird.

 Da solltest du dich bei deinem zuständigen Integrationsamt nochmal informieren. Vielleicht bist du ja auch in einem Blindenverein. Die haben auch immer eine Rechtsberatung. Die ist zwar nicht so gut, aber erstmal besser als nix.

Hallo JoshiSan,

da hilft in erster Linie mal ein Blick in deinen Arbeitsvertrag. Darin müsste vereinbart sein, wo Du Dein Arbeitsort ist. In der Regel steht da nicht ausdrücklich eine Stadt ausgeschrieben, schon gar nicht, wenn der Betrieb bereits zu Deiner Einstellung über Zweigstellen verfügte. Dann steht da oft, dass Du Dich auch bereit erklärst dort zu arbeiten.

Selbst wenn nicht, dann wird der Ort wahrscheinlich nicht konkret genannt, so dass der Arbeitgeber von seinem Weisungsrecht Gebrauch machen kann. Dagegen kannst Du kaum etwas unternehmen. Nur in sehr seltenen Fällen kann man dagegen vorgehen, wenn die betrieblichen Erfordernisse für die Versetzung so nichtig sind und den Interessen des Arbeitnehmers elementar entgegen stehen (beispielsweise wenn jemand in Elternteilzeit ist und der ans andere Ende der Republik versetzt wird. Da passt das mit der Elternzeit nicht so richtig zusammen.)

In jedem Fall müsstest Du es vor Gericht auskämpfen, wenn sich dein Arbeitgeber nicht bewegt und wenn Du Pech hast, dauert das länger als der Aufenthalt in der Zweigstelle. Von daher würde ich mit Deinem Chef sprechen und fragen, ob er es nicht vielleicht anders organisieren kann, oder versuchen eine Fahrgemeinschaft zu bilden, oder es irgendwie anders regeln.

Viel Erfolg und beste Grüße
DatSchoof

1,5h arbeitsweg ist durchaus zumutbar. außerdem ist das dich nur für eine begrenzte zeit, also ein ende absehbar. warum hängt der haussegen schief?

allerdings kannst du mal abklären, ob aufgrund deiner behinderung keine frühere rückversetzung möglich ist.

Also erstmal ja es ist zumutbar. Fraglich wäre ob eine Versetzung lt. deinen Arbeitsvertrag möglich ist. Davon gehe ich erstmal aus. Du kannst also wahrscheinlich nur nochmal mit deinem Chef sprechen. Oder du organisierst die eine Mitfahrgelegenheit. Und wenn alles nichts hilft, musst du halt für dich überlegen ob du das so weiter machen willst.

Ich denke nicht, dass du da etwas machen kannst, außer umzuziehen, oder anders mobil zu werden.

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