Welche Alternativen gibt es um Papier herzustellen ausser Holz und Altpapier zu verwenden?

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Die Hälfte der in Kanada jährlich gefällten Bäume verschwindet in den Papiermühlen [1] des Landes. Andererseits: die Hälfte des Mülls auf unseren Müllhalden besteht aus Papier- oder Papierprodukten. Denkt man über alternative Rohstoffe nach, so öffnet sich hier ein weites Feld. So stellt sich z. B. die Frage, ob man nicht das Altpapier wiederverwenden kann, ob sich Faserpflanzen wie etwa der Hanf oder Abfallprodukte aus der Landwirtschaft nicht ebensogut zur Papierherstellung eignen, ob dadurch letztendlich vielleicht völlig auf die Nutzung von Holz zur Papierherstellung verzichtet werden kann, so daß die Bäume nicht geschlagen werden müssen, um schließlich auf irgendeiner Müllhalde zu landen. Tatsächlich gibt es genügend alternative Materialien [2] zur Gewinnung von Zellulose oder Papierbrei, wobei einige durchaus geeignet sind, höhere Papierqualitäten zu erzeugen als dies in herkömmlichen Verfahren möglich ist. Die Herausforderung besteht darin, die notwendigen alternativen Rohstoffe in den richtigen Mengen und Mischungen bereitzustellen, um hochwertige Papierprodukte daraus herstellen zu können, die auch auf dem Markt zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden können. Auf diesem Gebiet sind zahlreiche Institutionen [3] mit Forschungsprojekten engagiert

Die verschiedenen alternativen Rohstoffe für die Herstellung von Zellulose und Papierbrei lassen sich in zwei Gruppen gliedern: Die erste Gruppe umfaßt jegliche Art von Faserpflanzen wie z.B. Hanf oder Kenaf [4] (hibiscus cannabinus , Bimli- oder Bimlipattam-Jute. Andere dt. Bezeichnungen: Java-Jute, Gambo-Hanf oder Deccan-Hanf; ein einjähriges, gelb blühendes, bis zu drei Meter hoch werdendes Kraut [5]), die in großen Mengen produziert werden könnten. Bei beiden handelt es sich um schnellwüchsige, annuelle Anbaupflanzen mit enormem Mengenwachstum an hochwertigen Bastfasern, die in einer einzigen Vegetationsperiode produziert werden könnten. Beide verfügen auch über einen eher hölzernen Faserkern, der für die Herstellung von Papier [6] und zahlreichen anderen Produkten durchaus geeignet wäre. Bei der zweiten Gruppe handelt es sich um potentielle Rohstoffe, die sich aus landwirtschaftlichen oder industriellen Abfallprodukten gewinnen lassen, ob es sich dabei um simples Stroh, um die Stengel der Sonnenblumen, um Abfälle aus der Textil- und Bekleidungsindustrie oder gar um alte Teppiche und sonstige Abfallprodukte handelt, die möglicherweise ihrerseits schon von anderen wiedergewonnenen Produkten stammen. Selbst alte Autoreifen [7] können heute bereits als Baumaterial genutzt werden. An zwei Beispielen sollen potentielle Nutzungsmöglichkeiten von alternativen Rohstoffen aufgezeigt werden.

Hanf: Hanf [8] (Cannabis sativa ) ist in doppelter Hinsicht als alternativer Rohstoff nutzbar. Das aus seinen nüßchenartigen Früchten gewonnene Öl wird traditionell in der Seifenherstellung verwendet, läßt sich jedoch auch ausgezeichnet zur Herstellung alternativen Brennstoffs (Biodiesel [9]) verwenden. Auch für die Produktion von Plastikerzeugnissen und weiterer Materialien ist Hanföl geeignet [10]. Das faserreiche Hanfstroh eignet sich dagegen zur Herstellung von Faserpappen und Faserplatten sowie anderer Materialien für die Bauwirtschaft [11]. Die Auswirkungen einer solchen Umstellung von Holz auf Hanffaser sind weitreichend. Die Hersteller von Faserplatten behaupten, daß sie aus diesem Rohstoff jedes beliebige Baumaterial herstellen können, für das traditionell Holz verwendet wurde. Hinzu kommt, daß Hanf wesentlich kosteneffektiver gewonnen werden kann und daß negative Umwelteinflüsse so gut wie keine Rolle spielen. Der Anbau kann auf den vorhandenen Ackerflächen erfolgen. Die Umstellung auf diesen Rohstoff würde den teuren Bau von Forststraßen ebenso überflüssig machen wie die viel kritisierte Kahlschlagpraxis in den kanadischen Wäldern mit ihrem umweltschädigenden Einsatz von Schwermaschinen, den ökosystemaren Veränderungen und der Reduzierung der Biodiversität. Hinzu kommt, daß die Bastfaser ideal zur Herstellung von qualitativ hochwertigem Papier [12] geeignet ist, da bei der Verarbeitung der langen, fast farblosen Fasern deutlich weniger Bleichmittel notwendig sind als bei der üblichen Holzfaser. Entsprechend wird die Umweltbelastung durch Organochlorine reduziert. Der Einsatz von Hanf als international bedeutsamem alternativem Rohstoff für die Papierherstellung würde somit die Notwendigkeit des Einschlags der kanadischen Primärwälder reduzieren. Dies würde bedeuten, daß sich die Forstwirtschaft in stärkerem Maße auf nachhaltige und ertragsreichere, dabei gleichzeitig umweltschonendere Nutzungsformen konzentrieren könnte als bisher (Draper, 1998: 318).

Allerdings sind noch nicht alle Probleme gelöst. Die Herstellung von Papierbrei und die Bleichung ist offensichtlich nicht ganz so einfach, was in der speziellen physikalischen und chemischen Eigenschaft des Lignins begründet ist. Hier liegt eine Herausforderung für die Forschung, jedoch geht man davon aus, daß nach einer Experimentier- und Entwicklungsphase diese Probleme schon bald gelöst sein werden. Niemand hegt heute noch Zweifel daran, daß nach Überwindung der derzeit noch existierenden Schwierigkeiten mit dem Hanf ein echter alternativer Rohstoff vorliegen wird, dessen wirtschaftlicher Erfolg außer Frage steht, zumal abzusehen ist, daß auf seiner Grundlage ein qualitativ besseres Papier erzeugt werden kann als es derzeit durch die Verwendung von Holz möglich ist.

Das zweite Beispiel ist simples Weizenstroh , das ebenfalls als ein alternativer Rohstoff verwendet werden kann. So können beispielsweise Strohballen wie Hohlblocksteine [13] im Verbund aufgestapelt werden, um als Hauswände zu dienen. Die einzelnen Ballen können leicht durch Dübel aus Holz- oder Eisen miteinander verbunden werden. Sowohl von der Innen- wie von der Außenseite werden die Wände dann mit Mörtel oder Gips verputzt. Das Ergebnis ist ein dicke, gut isolierende Konstruktion. Die Energieausnutzung solcher Strohballenhäuser [14] ist der konventionell errichteter Häuser bei weitem überlegen und erlaubt erhebliche Einsparungen. Bei dem verwendete Rohstoff handelt es sich um ein Abfallprodukt aus der Landwirtschaft, das heute in Kanada und in vielen Teilen der Welt in großen Massen durch Verbrennen entsorgt wird. Dabei könnte es in wesentlich größerem Umfang als Baumaterial verwendet werden als bisher, und es würde nie versiegen, denn es wird alle Jahre wieder neu als Rohstoff erzeugt.

Zahlreiche andere Verwendungen des Strohs als Rohstoff werden z.B. von der Ryan Development Company [15] erprobt. So hat das Unternehmen ein Verfahren entwickelt, bei dem durch Erhitzung und Pressung aus Stroh Konstruktionselemente für die Bauwirtschaft hergestellt werden, die sog. Agriboards [16]. Bei dem Verfahren werden keinerlei toxische Chemikalien eingesetzt. Die gepreßten Bretter oder Platten können als vorgefertigte Konstruktionsteile verwendet werden, die in allen gewünschten Maßen und für alle möglichen Verwendungszwecke in der Bauwirtschaft [17] auf den Markt gelangen. Dieses Verfahren erlaubt die komplette Vormontage von Rohbauelementen im Haus- oder Industriebau, die dann mit Hilfe von Kränen [18] an Ort und Stelle montiert werden können. Eine Arbeit, die früher Wochen beanspruchte, kann auf diese Weise heute in wenigen Tagen oder Stunden erledigt werden. Der Bedarf an Bauholz kann bei Verwendung dieses Materials um bis zu 80 Prozent reduziert werden. Steigende Bauholzpreise und die wachsende öffentliche Sorge um die Vernichtung der Wälder haben die Nachfrage nach alternativen Rohstoffen gerade in der Bauwirtschaft erheblich vermehrt. Mit Agriboard wurde ein Produkt entwickelt, das sich sowohl durch außergewöhnliche Belastbarkeit als auch durch hohe Lärmdämmung und Wärmeisolierung auszeichnet. Mit einem Wort: es ist ein Produkt, das gleichzeitig der Landwirtschaft, der Bauindustrie, dem Verbraucher und der Umwelt dient [19].

Allein diese wenigen Beispiele zeigen, daß alternative Rohstoffe in großem Umfang zur Verfügung stehen und daß auch bereits die notwendigen Technologien entwickelt wurden, um diese Alternativen zu nutzen. Mehr als viele andere Maßnahmen bedeutet dies einen wichtigen Beitrag, um unsere Umwelt nachhaltig zu schützen.

http://www.geographie.uni-marburg.de/vgt/deutsch/canada/module/m3/U7.htm

Wie wäre es damit: http://www.baumfrei.de/ Die bieten derzeit Papier aus Zuckerrohrabfall und dem ultra schnell nachwachsenden Rohstoff Bambus an. Zu Papier aus Hanf haben sie auch etwas geschrieben, haben es aber wohl noch nicht im Angebot.

Papier wurde über Jahrhunderte nur aus Lumpen hergestellt. Ab 1850 kam Papierschliff ins Spiel. Seitdem wird Papier von Säure zerfressen. Ab 1970 wurde es wieder besser.

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