Weiß jemand, wo der Heilige Augustinus seine Ansichten zum Heiligen Krieg darlegt?

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Die Bezeichnung "Heiliger Krieg" gibt es bei Augustinus (354 - 430) nicht. Er hat eine Lehre vom gerechten Krieg (bellum iustum) vertreten. Diese ist eine wichtige Grundlage in der Theorie der christlichen Kirche geworden. Im Mittelalter kam es in Verbindung mit den Kreuzzügen zu der Bezeichnung „bellum sacrum“ (genaugenommen bedeutet dies „heiligender/heiligmachender Krieg“). Kriterien für einen gerechten Krieg waren für Augustinus:

  • Verteidigungskrieg, der dem Frieden dient und ihn wiederherstellt

  • gerechte Sache (richtet sich gegen schwerwiegendes Unrecht, das wegen feindlichen Verhaltens fortbesteht)

  • Anordnung durch eine legitime Autorität

  • Kriegsbefehl verstößt nicht gegen göttliche Gebote

Gegen „Feinde Gottes“ sind nach Augustinus Kriege erlaubt, um eine Ordnung zu verteidigen. Damit rechtfertigte er sogar einen Krieg zur Wahrung der Einheit der Kirche gegen Christen mit anderen Ansichten („Häretiker“, „Schismatiker“) wie die Donatisten. Ein Buch über seine Lehre vom gerechten Krieg ist am besten geeignet, um alle Textstellen zu finden (ein paar stehen bei http://www.jura.uni-wuerzburg.de/fileadmin/02160100/Lehrveranstaltungen/WS20072008/Rechtsphilosophie/arbbl_augustinus.pdf).

„Ich bin der Überzeugung, daß ein Soldat, der den Feind tötet, wie auch ein Richter und ein Henker, die einen Verbrecher richten, keine Sünde begehen; indem sie so handeln, befolgen sie das Gesetz.“ De libero arbitrio (Vom freien Willen) 1, 5, 12

„Der gleiche göttliche Wille, der nicht erlaubt, den Menschen zu töten, hat allerdings gewisse Ausnahmen zugelassen. In solchen Fällen befiehlt Gott zu töten, sei es durch ein gegebenes Gesetz, sei es in bezug auf eine bestimmte Person zu gegebener Zeit durch ausdrücklichen Befehl. [...]. Daher haben die, die auf Gottes Anraten hin Kriege führten oder als Träger der öffentlichen Gewalt gemäß göttlichen Gesetzes, das heißt im Auftrag der gerechtesten Vernunft, Verbrecher mit dem Tode bestraften, keinesfalls gegen das Gebot "Du sollst nicht töten" gehandelt.“ De civitate dei (Vom Gottesstaat) 1, 21

„Die Ungerechtigkeit des Gegners zwingt nämlich den Weisen zu gerechten Kriegen und so ist sie es jedenfalls, die der Mensch beklagen muß, weil sie des Menschen Laster ist, auch wenn aus ihr kein Zwang zum Kriegführen entstünde.“ De civitate dei (Vom Gottesstaat) 19, 7

„Wenn deshalb die Kirche kraft der Gewalt, die ihr Gott zu gegebener Zeit übertragen hat, mit Hilfe der religiösen und gläubigen Könige jene in ihren Schoß einzutreten zwingt, die sie auf den Wegen und an den Hecken findet, das heißt unter den Schismen und Häresien, so sollen sich jene nicht beklagen, daß man sie gezwungen hat, sondern sollen schauen, wohin man sie treibt.“ Epistula (Brief) 185, 24

„Um solche Ausschreitungen gerecht zu bestrafen, müssen oft die Guten selbst im Kriege streiten, sei es auf Geheiß Gottes, sei es auf Befehl einer rechtmäßigen Staatsgewalt [auctoritas], und gegen die Gewalttätigkeit ihrer Gegner kämpfen. [...] Aber die natürliche Ordnung, die den Frieden unter den Sterblichen will, verlangt, daß die Entscheidung und die Befugnis zur Kriegserklärung bei den Lenkern des Staates [civitas] liege.“ Contra Faustum Manichaeum (Gegen den Manichäer Faustus) 22, 74 - 75

„Gerechte Kriege pflegt man als solche zu definieren, die Unrecht ahnden; sei es, daß ein Volk oder ein Staat, die mit Krieg zu überziehen sind, es versäumen, das Unrecht wieder gut zu machen, das von den Ihrigen geschehen ist, oder zurückzugeben, was durch Unrecht weggenommen ist“. Quaestiones in Heptateuchum (Untersuchungen zum Heptateuch) 6, 10)

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