weiß jemand, was expressionisten vor allem mit ihren Werken wollen?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Hallo

dafür gibt es mehrere Hintergründe:

  • technischer Fortschritt in der Maltechnik; es gab neue Pigemente und neue Ölfarben, den ersten Farb-Siebdruck. Damit wurde es möglich neue Maltechniken anzuwenden man konnte auch Weiss über Schwarz malen und es gab längere Topfzeiten. Auch die Mischmethoden waren besser und vor allem jeder konnte einfach Farben kaufen und drauf los malen. Vorher war die Farbherstellung noch eine Geheimwissenschaft welche vom Meister an die Schüler übertragen wurde. Und die Farbe bestimmte die Maltechnik bzw bei Fehlern ergab sich Ausschuss. Dadurch wurden Maler auch Produktiver im Sinn von Stückzahl.

  • technischer Fortschritt durch die Fotografie; Die Maler hatten als höchste Kunst dass Ziel die Realität abzubilden. Bis zur Reniseance war jedoch die Religion nicht an Realismuss interessiert. Erst über die Skulptur (Römische und Griechische Fundstücke sowie Michelangelo) kam Realismus langsam auf der Leinwand an. Nachdem die Fotografie um 1890 ausgreift war konnte die Malerei nicht mehr mit realistischen Bildern arbeiten es gab nur die Nische dass man die Schwarz Weiss Bilder farbig kopierte. Durch die Fotografie konnten die Maler zwar schneller arbeiten weil keiner mehr lange Model stehen musste aber die "Kunst" war aus der Malerei verschwunden. Der Expressionismus ist eine Reaktion wie man wieder Kunst in die Malerei bringt und man machte genau dass was man nicht durch Fotografie erzeugen kann.

  • technischer Fortschritt hat denn Wohlstand in der Bevölkerung gestreut womit es mehr Bandbreite an Käufern und deren Geschmack gab. Ein grosser Teil der Kunden wollte natürlich "schöne" Bilder und auch Prestige. Aber es entwickleten sich "Sonderlinge" und Mäzenatentum ohne die bisher bei Staat und Kirche gepflegte Zensur. Es gab neue Sujets wie der erotische Bereich oder "Sinnlose" Bilder.

  • technischer Fortschritt hat eine neue Art des Realismuss geschafen; Und zwar den Konstruktivismuss oder anderst gesagt technische Produkte wurden als technische Zeichnungen immer mehr Alltag für immer grössere Personenkreise. Damit beginnt eine neue Art ein Bild zu lesen und zu deciffrieren.

  • technischer Fortschritt im Druckwesen bringt eine Bilderflut: Vorher waren Bilder nur in Kirchen und bei Adelshäusern anzutreffen dann ging das runter bis zum Mittelstand. Mit der Drucktechnik wurden Bilder so preiswert das sich bald in jeder Famile Bilder befunden haben. Es gab zb die Tradition der "Hochzeitsbilder" bei der meist romatische Themen als Hochzeitsgeschenk über das Ehebett aufgehängt wurde. Dadurch wurden "realistische" Bilder und Rezitate von alten Klassikern "Gewöhnlich" (Kitsch) und waren damit keine Kunst an und für sich.

  • technischer Fortschritt ermöglichte nicht nur grausamere Kriege sondern auch diesen trotz Verwundung zu überleben. Viele Künstler sind in den Krieg gezogen (worden, weil Kriegsberichterstattung bezahlt wurde) und dann traumatisiert daraus zurückgekommen und mussten die Kriegserlebnisse "Aufarbeiten". Bei den meisten kamen dabei "Entartete" Werke raus (Zitat eines Soldaten der nach dem Krieg als Kitschidyllen-Maler scheiterte und dann in die Politik ging)

  • technischer Fortschritt ermöglichte schnelle Reisen womit Künstler durch die Welt pilgerten und "andere" Kunstformen kennenlernten bzw sich ausserhalb gesellschaftlicher Kontrolle "austoben" konnten.

  • technischer Fortschritt brachte die Glühbirne und damit konnte man länger malen bzw Heimmalerei so lange stehen lassen bis das Wetter die Aussenmalerei beendete. Kunstlicht führt zu Falschfarben und harten Kontrasten.

  • technischer Fortschritt ermöglichte die Verkaufstruktur wie Galerien und auch Museen und vor allem konnte man das Puplikum da hin bewegen. Durch die Fotografie und denn Druck gab es viele SchwarzWeiss Bilder die bei Interessenten die Neugier auf die farbigen Originale weckten. Zudem muss man noch dazurechnen das man in Frankreich nach der Revolution die Kunst aus den Palästen popularisierte und Kunstkenntnisse ein beliebtes Hobby in der Gesellschaft war und auch ein Thema bei Damenzirkeln oder Lesezirkeln. Aus der Situation ergibt sich das man immer wieder neuen Bilder braucht um neuen Gesprächstoff zu haben

  • technischer Fortschritt ermöglichte neue Architektur vor allem mit dem Einzug des Stahlbaus und dem Jugendstil haben sich neue Kathedralen bauen lassen meist wurden die Bahnhöfe zur Kirche des neuen Zeitalters. Anfangs gab es noch denn Zwang zur Dekoration aber schon im 1ten Weltkrieg wurde die Ökonomie bei der Herstellung dominierend. Der 1te Weltkrieg war einerseits der Hauptschub für die Massenproduktion anderseits wurden dort neue Materialen und neue Techniken vorangeschoben. ZB dass Aluminium oder die Edelstähle wurden Kriegswichtig und daher wurde die Produktion dafür angeschoben und die Verarbeitung wurde immer verbreiteter. Nach dem Krieg hat die Bauhausbewegung die Techniken genutzt und die postmoderne Architektur hat den Jugendstil abgelösst. Die Postmoderne braucht auch neue Bilder. tbc

IXXIac 23.06.2011, 16:19
  • technischer Fortschritt ermöglichte Massenprodukte und damit wird die Werbung immer wichtiger die sich gerne bei den Künstlern der Zeit bedient und durch Werbung eine Ikonigraphierung der Kunstform vorantreibt. Kunst wird zu Design und Design wird mit Kunst promotet wobei man immer "progressiv" ist also den Fortschritt betont. Und Werbung will Attention also Auffallen auch mit Kontroversen oder Skandalen (Das hat nicht Beneton erfunden)

Die Eingangsfrage;

was expressionisten vor allem mit ihren Werken wollen?

kann man nicht beantworten weil es dabei um den Kern von Kunst geht. Was treibt einen Menschen zur Kunst ? Dafür gibt es viele Gründe die schon immer bestanden haben und wohl immer bestehen werden und sei es nur das profane Einkommen damit zu generieren. Kunst ist im Kontext zu der Zeit zu verstehen und reflektiert primär denn "Zeitgeist" und die verfügbaren Techniken der Zeit.
Hätten die Höhlenmaler in Lascoult moderne Ölfarben gehabt würden wir heute trotzdem keine anderen Motive sehen weil der Höhlenmensch ja nur seine Erfahrung und seine Umwelt in der Kunst reflektieren konnte. Der Höhlenmensch hätte als höchste Kunst die Nachbildung der Realität angestrebt weil das nun mal einmalig geworden wäre. Aber dass ist keine "Kunst" (Wurde erst mitte der 60er mit dem Superrealismuss wieder Kunst) sondern nur gutes Handwerk. Aus heutiger Sicht ist die Realität hundertfach vorhanden und nichts unegwöhnliches und auch keine Kunst in der Herstellung (man hat ja ein Fotohandy). Dafür ist die Interpretation der Realität eine Kunst.

Bei den Exprssionisten ist es ähnlich und aus heutiger Sicht sind die wohl nicht mehr "verständlich" weil der Kontext zur Kunst verloren ist. Aber die Expressionisten haben die Realität interpretiert und mit neuen Handwerkstechniken gearbeitet.

Wenn wir noch mal den Höhlenmenschen betrachten dann war es für das Überleben der Menschen und der Sippe nicht relevant das der sich als "Künstler" in der Höhle verewigte. Also Kunst ist NUTZLOS and und für sich und gerdes deswegen ist Kunst der Beweiss von Intelligenz eben weil es Nutzlos ist und nur aus der Gedankenwelt entsteht.

Bis zum Expressionismus war Kunst keine Kunst weil immer ein Sinn und Auftraggeber dahinter gestanden hat.

Bei den Expressionisten wurde erstmal "Sinnloses" gegen den Mainstream der Gesellschaft erzeugt und Kunst hat sich damit vom "Markt" gelösst.

Grüsse

0

vor allem was schaffen, was nicht naturalistisch ist...

das wesentliche zeigen

Was möchtest Du wissen?