Weinen wollen, aber nicht können?

12 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hallo sickAngel,

als erstes ist es für Dich wichtig zu wissen, dass eine Depression (diese sollte jedoch immer ärztlich diagnonstiziert sein) zwar eine schwere Erkrankung ist, die jedoch behandelbar und sogar heilbar ist. Du brauchst also nicht zu verzweifeln! Außerdem kannst Du selbst eine Menge tun, damit Deine Depression irgendwann besiegt ist. Nachfolgend möchte ich Dir verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und Wege aus der Depression aufzeigen.

In der Regel verschreibt der Arzt Antidepressiva, die stimmungsaufhellend und antriebssteigernd wirken und nicht abhängig machen. Besonders in der ersten Einnahmephase muss man mit Nebenwirkungen rechnen, die in der Regel jedoch nach 2-3 Wochen abnehmen. Viele empfinden die Einnahme eines Antidepressivums als sehr wirkungsvoll, da es außerdem dabei hilft, Konzentrationsprobleme zu überwinden.

Beachte bitte: Die medikamentöse Behandlung sollte am besten von einem Facharzt (Nervenarzt oder Psychiater) durchgeführt werden, da er sich am besten mit der Wirkung und Anwendung von Psychopharmaka auskennt. Es kann auch sein, dass nicht gleich das erste Medikament anschlägt oder nicht gut vertragen wird und auf ein anderes gewechselt werden muss. Daher ist es es wichtig, dem Arzt immer wieder Rückmeldungen zu Wirkung und Nebenwirkungen des Medikaments zu geben. Solltest Du Dich mit einem bestimmten Medikament absolut nicht wohlfühlen, dann ist die Rücksprache beim Arzt unbedingt notwendig. Alles Weitere kann er dann entscheiden.

Was bei leichten bis mittelschweren Depressionen als pflanzliches Mittel sehr gut hilft ist Johanniskraut. Es ist nebenwirkungsarm und wird von den meisten gut vertragen. Allerdings sollte man sich ein entsprechend hochdosiertes Präparat vom Arzt verschreiben lassen - die frei verkäuflichen Präparate in Drogeriemärkten sind dagegen zu schwach in der Dosis.

Da Medikamente allein nicht dazu geeignet sind, eine Depression zu heilen, könntest Du Dich auch an einen Psychotherapeuten überweisen lassen. Ein sehr gutes und bewährtes Verfahren zur Behandlung einer Depression ist die sog. "kognitive Verhaltenstherapie", bei der Du lernen kannst, negative Gedanken und Gefühle zu überwinden. Sie wird in der Regel von einem psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt. Allerdings musst Du mit einer gewissen Wartezeit rechnen, bis Du mit der Therapie beginnen kannst.

Über die eben beschriebenen fachlichen Hilfen hinaus, kannst Du selbst einiges tun, um Deine Depression zu überwinden. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es nicht leicht für Dich ist, aktiv zu werden, da die Depression möglicherweise Deine Kräfte lähmt. Sich überhaupt zu irgendetwas aufzuraffen erfordert enorme Kraftanstrengungen, doch Du wirst sehen, es lohnt sich! Es gehört eben zum Wesen einer Depression, das Gefühl zu haben, nicht in der Lage zu sein, in irgendeiner Weise aktiv zu werden. Doch höre nicht auf Dein Gefühl! Dieses Gefühl betrügt dich, da es Dich nur noch tiefer in die Depression treibt. Fang doch mit ganz kleinen Schritten an, z.B. mit einem kurzen Spaziergang.

Es ist ganz verständlich, dass Du so schnell wie möglich wieder aus Deiner Depression herauskommen willst und Du machst Dir womöglich Vorwürfe, dass Du nicht mehr so leistungsfähig bist wie früher. Vielleicht sagst Du Dir innerlich immer öfter: "Ich bin doch zu nichts mehr zu gebrauchen". Doch mit solchen Selbstvorwürfen raubst Du Dir nur Dein Selbstwertgefühl und Du verschlimmerst Deine Depression.

Ganz wichtig ist es gerade jetzt, dass Du nachsichtig und geduldig mit Dir selbst bist. Mach Dir immer wieder klar, dass es eben Zeit braucht, aus Deinem Tief wieder herauszukommen und dass eine Depression nicht ewig dauert. Viele haben sie überwunden und sind wieder völlig gesund geworden.

Da die Depression vorübergehend Deine Leistungsfähigkeit hemmt, solltest Du Dir nie zu viel an einem Tag vornehmen. Lerne es, immer nur kleine Aktivitäten durchzuführen und belohne Dich , wenn Du sie geschafft hast.

Wenn man eine Depression hat, dann saugt man negative Gedanken quasi wie ein Staubsauger in sich auf. Außerdem drehen sich Deine Gedanken wahrscheinlich ständig um Deine eigene schlimme Situation und immer wieder kommt Dir Negatives in den Sinn. Was könntest Du gegen die Negativspirale tun, in der Du gefangen bist? Versuche doch einmal ganz bewusst über Folgendes nachzudenken: Gibt es etwas in Deinem Leben, wofür Du dankbar sein kannst? Welche Menschen sind für Dich da und lieben Dich? Gibt es weitere Menschen, die Dir helfen könnten? Gibt es etwas, was Dir guttun würde, um Dich für eine gewisse Zeit von Deinen negativen Gedanken abzulenken?

Manchen hilft es, wenn sie im Laufe des Tages mehrmals etwas Schönes und Angenehmes tun und es ganz bewusst wahrnehmen. Ein Beispiel: die geliebte Tasse Tee oder Kaffee in Ruhe trinken und versuchen, die damit verbundene Freude bewusst wahrzunehmen. Oder: In einer sonstigen angenehmen Situation verweilen und das Schöne daran eine ganze Zeitlang bewusst auf sich wirken lassen. Das wirkt wie Streicheleinheiten für Deine Seele! Probiere es doch einmal aus!

Bei der Behandlung einer Depression hat es sich sehr bewährt, sich möglichst mehrmals am Tag körperlich zu bewegen. Anfangs kann das ein kurzer Spaziergang sein, den Du im Laufe der Zeit etwas ausdehnen könntest. Das Laufen schafft das Gefühl, etwas geleistet zu haben und baut Dein Selbstwertgefühl auf. Ganz abgesehen davon, was die frische Luft und das Licht in Deinem Körper bewirken, wirst Du feststellen, dass beim Laufen Deine Grübeleien über Negatives nachlassen oder sogar ganz verschwinden. Andere Möglichkeiten der Bewegung wären z.B. Radfahren, Schwimmen oder Gartenarbeiten. Auch wenn es Dich anfangs große Überwindung kostet Dich in Bewegung zu setzen, wirst Du feststellen, dass sich Deine Stimmung mehr und mehr aufhellt.

Wenn man depressiv ist, dann sucht man verständlicherweise Hilfe und Trost bei anderen. Leider sind in unserer hektischen Zeit viele mit ihren eigenen Problemen und Sorgen beschäftigt und haben nicht immer die Gedanken frei, einem anderen mitfühlend und geduldig zuzuhören. Wenn Du das schon erlebt hast, dann kann das für Dich sehr verletzend sein.

Da ich in meinem Leben auch schon viele schlimme Dinge erlebt habe und nicht immer jemand da war, der mir hilfreich zur Seite stand, konnte ich dennoch erfahren, dass es jemanden gibt, der um den Schmerz des Herzens weiß und auf jeden Fall mit den Leidenden mitfühlt. Ja, ich spreche von Gott. Heutzutage haben viele den Gedanken an ihn verloren und erwarten keine Hilfe aus dieser Richtung. Wenn man sich jedoch mit seinem Wort, der Bibel, ein wenig beschäftigt, findet man dort viele sehr trostreiche Gedanken, die einem echt wieder Auftrieb geben können.

Ein Text, der mir besonders gut gefällt und mir sehr zu Herzen geht ist dieser: "Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir. Blicke nicht gespannt umher, denn ich bin dein Gott. Ich will dich stärken. Ich will dir wirklich helfen. Ja, ich will dich festhalten mit meiner Rechten der Gerechtigkeit" (Jesaja 41:10). Ja, wenn man Gott als Freund hat, dann gibt das einem im Leben großen Halt und Sicherheit. Darüber hinaus besteht gem. der Bibel die Aussicht, dass eines Tages sämtliche Krankheiten, wozu natürlich auch Depressionen gehören, sowie alle andere Leid für immer verschwinden werden. Sind das nicht sehr hoffnungsvolle Aussichten?

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du es mit Hilfe anderer schaffst, Deine Depressionen zu besiegen und wieder Freude am Leben findest! Alles Gute und viel Kraft!

LG Philipp

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Danke für deine sehr hilfreiche Antwort Philipp. Ich werde mein bestes geben. Und das dir Gott geholfen hat auf deinem schweren Weg aus der Depression, daran zweifle ich keinesfalls :) Ich werde mir Mühe geben.

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@sickAngel

Es freut mich, wenn Dir die Antwort weiterhilft! Ich finde es auch gut, dass Du entschlossen bist, Deinen Teil zu tun, um die Depression überwinden zu können! Mit der richtigen Unterstützung wirst Du das auch gewiss schaffen!

Ich selbst hatte zwar nie Depressionen, doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir Gott in anderen sehr schweren Momenten des Lebens beigestanden hat. So durfte ich mehr als einmal erleben, wie wahr die Worte des Apostels Paulus sind, der schrieb: "Wir werden auf jede Weise bedrängt, doch nicht bewegungsunfähig eingeengt; wir sind ratlos, doch nicht gänzlich ohne Ausweg;  wir werden verfolgt, doch nicht im Stich gelassen; wir werden niedergeworfen, doch nicht vernichtet" (2. Korinther 4:8,9).

Ich wünsche Dir viel Kraft auf dem Weg aus Deiner Depression! Alles Gute!

LG Philipp

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@Philipp59

Vielen Dank :) Ich wünsche dir alles schöne der Welt.

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@sickAngel

Gerne! Das wünsche ich Dich auch von ganzem Herzen! :-)

Und vielen Dank für den Stern und fürs Kompliment!

LG Philipp

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Kenne das sehr gut dieses Gefühl diesen schweren Kloss im Hals der einen so empfinde ich es wahnsinnig werden lässt.

Ich schaue mir einen traurigen Film an. Manchmal hilft es manchmal nicht.

Ich lenke mich auch oft ab mit spazieren gehen,Häkeln,Malen das hilft mir ab und an.

Ich wünsche Ihnen das Sie loslassen können und mal richtig alles aus Ihnen heraus kommt.

Alles alles gute!

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Wie lieb :( Dankeschön

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Du hast vor dich einem Psychotherapeuten anzuvertrauen das ist schonmal der wichtigste Schritt. Ansonsten such dir Dinge, die dich etwas vom Thema ablenken. Zeichnen, Sport, Malen, kochen - was auch immer du machst - es sollte was "handwerkliches" sein - etwas körperliches.

Musikhören würde ich vorsichtig sein. Musik weckt Gefühle und du hast im Moment oft genug mit Gefühlen zu tun in der Depression. Du brauchst etwas Abstand davon um wieder Luft zu kriegen. Setz dir so oft es geht Stunden an, in denen du etwas "tust" statt drüber nachzudenken. Ist sicher nicht einfach aber es befreit zumindest ein Weilchen.

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Du hast recht. Es wird wahrscheinlich noch dauern, bis ich einen Platz bekomme für eine Behandlung. Ich würde es nicht schaffen bis dahin vor mich hinzuvegetieren. Ich überlege mir was. Danke Kitharea :)

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@sickAngel

Und wenn du weinen willst mach genau das was ich geschrieben habe NICHT. Aber versuch es nicht die ganze Zeit. Fang einen traurigen Gedanken ein und arbeite mit ihm. Setz dich hin und lenk dich mit absolut nichts ab. Kein Handy, kein Radio, kein Fernsehen nichts. In absoluter Stille kommt genau das, was kommen muss. Wir Menschen versuchen halt ständig das zu unterdrücken weil es die wenigsten länger als 5 Min ohne Aktivität aushalten. Weil ihr Kopf anfängt zu rattern und sie das Gefühl nicht ertragen. Denk in dem Moment nicht an Dinge, sondern an das Gefühl was du hattest als...... was auch immer war. Nur Gefühle holen dich da raus genauso wie sie dich in die Situation brachten. Erinnere dich.

Aber Alles - zu seiner Zeit. Mal denken mal nicht. Mal handeln mal nicht. Meinetwegen mit Stoppuhr. Es ist ok wie es ist - es überrennt dich nur grade. Also setz dem Ganzen eine Frist. Und denk immer daran: ALLES wird gut. Nur nicht sofort jetzt.

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@Kitharea

Deine Antwort hat mich glücklich gemacht. Danke noch einmal. Ich will dir nicht zu nahe treten, aber ich lasse dir ein Herz da ...<3 ...

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Lg

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