Weimarer Republik: Warum haben die Bürger demokratische Parteien gewählt wenn sie gegen Demokratie waren?

...komplette Frage anzeigen

6 Antworten

Das ist auch so ein Mythos, dass die Mehrheit der Deutschen die Demokratie grundsätzlich abgelehnt hätten! Aber dem ist nicht so.

Man erinnere sich: schon zum Parlament des Norddeutschen Bundes und dann zum Reichstag des Kaiserreiches gab es in Deutschland das allgemeine, geheime und gleiche (Männer-)Wahlrecht. Bevor die Weimarer Republik begann, hatten zumindest die deutschen Männer schon einige Jahrzehnte demokratischer Erfahrung. Das erklärt auch, warum die Deutschen - in der Weimarer Republik hatten dann auch die Frauen das Wahlrecht - in der Weimarer Zeit mit großer Mehrheit demokratische Parteien gewählt haben. Selbst die Wahl der NSDAP deutet nicht auf undemokratisches, republikfeindliches Denken der Deutschen hin, denn, sind wir mal ehrlich, wie hätte der normale deutsche Bürger denn erkennen und wissen können, zu welchen Verbrechen die Nazis wirklich fähig sein würden? Bezeichnen sich nicht auch viele heutige Bürger als Demokraten, obwohl sie die AfD wählen (wollen)? Bei den Kommunisten lag der Fall anders: dort hatte man die Sowjetunion und die dortigen Verbrechen als Warnung vor Augen.

Ein wesentliches Problem für die Demokratie in der Weimarer Republik war eine üble Propaganda staats- und republikfeindlicher Kräfte, die, wie heute die AfD, damals mit "alternativen Fakten" die Bürger belogen und verwirrten (z. B. die "Dolchstoßlüge") sowie die staatstragenden demokratischen Parteien verunglimpften. Wirtschaftliche Schwierigkeiten verstärkten die Verunsicherung der Bürger noch, die Zweifel hegten, ob die demokratischen Politiker die politischen Probleme lösen könnten. Dabei konnten die Weimarer Demokraten durchaus eine respektable Erfolgsbilanz vorweisen, die aber in hetzerischer Propaganda unterging. Das sei uns heute ebenfalls eine Warnung!

Zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass nicht die Bürger, sondern die republikfeindlichen Kräfte, an ihrer Spitze der mächtige Reichspräsident Hindenburg, Hitler die Gelegenheit zur Machtergreifung und zur Errichtung eines diktatorischen Unrechtsregimes gegeben haben.

MfG

Arnold

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Menschen wählen selten (sozusagen abstrakt) "die Demokratie" oder beteiligen sich aus tiefer innerer Überzeugung an demokratischen Wahlen. Wähler/innen verbinden mit einer persönlichen Wahl bestimmte Erwartungen, die sie gegenüber den Kandidaten haben (z.B. bessere Arbeitsmarktchancen). Die Parteien in der Weimarer Republik haben die massiven sozialen Probleme nach dem verlorenen Krieg nicht in den Griff bekommen. Das hatte auch internationale Gründe (Weltwirtschaftskrise). Es kam dazu, dass viele Parteien neu gegründet waren und wenig Erfahrung hatten Aber auch ältere Parteien wie die SPD bezogen ihre Erfahrungen aus einem monarchischen Ständestaat, der durch Klassenkampfgegensätze geprägt war. Sie waren daher nicht vorbereitet auf eine Aufgabe, die erforderte, an das Ganze zu denken und nicht nur an die eigene Klientel.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Damals steckte die Demokratie in Deutschland noch in den Kinderschuhen, aber die Mehrzahl war schon dafür.
Zum Beispiel gab es noch keine 5% Hürde, sodass es sehr viele Parteien im Reichstag gab, teilweise waren vernünftige Regierungsbildungen nicht möglich.
Dann kam "Einer" der den Deutschen einen "Schuldigen" gab und das Blaue vom Himmel versprach... . Alles weitere solltest Du selber recherchieren, allerdings hoffe ich, dass ich Dir ein paar Anhaltspunkte geben könnte.
Ist ein sehr spannendes Thema!

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von kzumollegah
05.03.2017, 20:02

"aber die Mehrzahl war schon dafür." — Woher nimmst du die Behauptung? Die erklärten Antidemokraten NSDAP und KPD hatten zuletzt mehr als 50% der Stimmen. 

0

Wer sagt denn, dass die Menschen die Demokratie komplett abgelehnt hat? Die Nazis sind ja beispielsweise nie von der Mehrheit der Deutschen gewählt worden.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von xMyApple
05.03.2017, 19:49

Wie gesagt, kann sein dass ich einige Dinge missverstehe, aber ich habe halt oft als Grund für das Scheitern der ersten Demokratie in Deutschland gelesen, dass es unter anderem daran lag, dass die Demokratie in Deutschland nicht umbedingt sehr gut bei der Bevölkerung ankam. :D

0

Deine Frage ist vollkommen falsch gestellt. Die Mehrheit der Bevölkerung hat nicht die Demokratie abgelehnt, sondern die miserablen sozialen Mißstände abgestraft.


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Es haben zuletzt nicht 70% demokratisch gewählt. Wie du hier http://www.udo-leuschner.de/liberalismus/ddp3.jpg sehen kannst, hatten die Antidemokraten NSDAP und KPD zusammen 55,2%. D.h. die Demokraten waren in der Minderheit

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Tididirk
05.03.2017, 20:06

Das stimmt, allerdings sind die Meisten davon ausgegangen, dass diese Parteien demokratische Grundwerte haben.
Ich hoffe damit ist auch Dein Kommentar auf meine Antwort geklärt.

0
Kommentar von Tididirk
05.03.2017, 20:30

Gut ist, dass wir heute in einer Demokratie leben. Demokratie bedeutet auch, andere Ansichten und Meinungen zu respektieren.

0

Was möchtest Du wissen?