Wegen psychischer Krankheit ein Jahr von der Schule krankschreiben lassen?

9 Antworten

Einmal wirklich, auch wenn es komisch klingt - tief durchatmen.

Der Vorschlag deiner Mutter morgen zum Hausarzt zu gehen ist eine gute Entscheidung. Diese kann dir zum einen Anlaufstellen in deiner Umgebung benennen und eine erste Einschätzung geben, welcher Schritt nun angemessen wäre. Auch ist dieser, im Fall der Fälle, zuständig für nötige Überweisungen. 

Soweit ein guter und auch ein richtiger Schritt.

Ich gehe deinen Fragenkatalog jetzt in Ruhe durch.

"Geht das auch das ich dann ein Jahr krankgeschrieben bin? Und wie ist das mit dem Arbeitsamt? Meine Mutter bezieht Harz 4 (ist momentan auch krankgeschrieben weil sie es auch mit der Psyche hat) kann es sein das ich dann Probleme bekomme?"

Prinzipiell ist es nicht nötig das er dich krank schreibt. Es gibt viele, die sich nach der Schulzeit ein Jahr Auszeit nehmen um beispielsweise zu reisen oder einfach um nochmal "das Leben etwas zu genießen". Das ist also völlig legitim. Du und deine Mutter werdet auch keine Probleme mit der Arbeitsagentur bekommen - soviel ist sicher. 

Sollen Unsicherheiten oder Fragen diesbezüglich auftauchen, kann deiner Mutter sich auch beim Amt melden und sich dort direkt erkundigen - eine entsprechende Auskunft wird sie dort erhalten. Ihr werden aber keine Bezüge gestrichen und auf dich wird auch kein Zwang ausgeübt sofort eine Tätigkeit aufzunehmen. 

In diesem Punkt kannst du absolut unbesorgt sein.

"Wenn ich dann Medikamente bekommen würde hab ich iwie Angst das die meine Persönlichkeit verändern.. wird man von Medikamenten nicht abhängig?"

Medikamente mit einem hohen Abhängigkeitspotential, wie beispielsweise Benzodiazepine, werden nur noch unter sehr strengen Bedingungen und als "Notfallmedikation" verabreicht. Antidepressiva oder auch Neuroleptika, die meist als Medikament verschrieben werden, haben kein Abhängigkeitspotential. Das einzige was nur wichtig ist, ist das man sie schlussendlich ausschleichen lässt und nicht schlagartig absetzt.

Das sind aber Dinge, die dir der behandelnde Arzt auch erklären wird, sofern es zu einer Medikamenteneinstellung kommen sollte.

Deine Persönlichkeit wird durch diese Medikamente auch keine 180° Wende vollziehen. Was du aber eventuell bemerken wirst, ist das deine Stimmung sich stabilisiert und du wieder etwas mehr Antrieb verspürst. Das ist auch das Ziel. Diese Medikamente sollen dich nicht heilen, denn das können sie nicht, sie sollen dich nur dabei unterstützen eine Therapie wahrnehmen zu können. 

Sie sind eine Unterstützung, keine Heilung. 

"Ich habe Angst dann darauf angewiesen zu sein und das es mir ohne dann noch viel schlechter geht."

Das wird nicht passieren. Wie erwähnt ist das Ziel der Medikamente nur, dich bei einer Therapie zu unterstützen. Die Therapie ist schlussendlich das Mittel der Genesung. 

Wenn die Therapie anfängt "Früchte zu tragen" und du beginnst erste Fortschritte zu machen, dann brauchst du die Medikamente mit der Zeit auch nicht mehr. Deine Leistungen in dem therapeutischen Kontext ersetzen dann die Wirkung der Medikamente.

"Außerdem was darf ich machen wenn ich wegen der Psyche krankgeschrieben bin? Darf ich raus oder muss ich nur zuhause bleiben?"

Du darfst alles machen, was dir Freude bereitet. Es gibt keine Einschränkungen. Kino, Essen gehen, Freizeitparks, Spazieren gehen, Einkaufen - es gibt keine Einschränkungen. Natürlich ist es ratsam, diese Zeit zu nutzen, um eine Genesung voranzutreiben. 

Schlussendlich ist das Ziel, wieder auf die Beine zu kommen und für dieses Ziel stehen dir alle Möglichkeiten offen.

"Und ist es nicht so das ein Psychologe nicht alles nur schlimmer macht weil er das alles (meine ganzen Probleme und Erinnerungen) ja nur immer wieder raufholt? Wisst ihr was ich meine?"

Ja, ich verstehe deine Angst davor. Der Psychologe hat allerdings nicht zum Ziel, für dich alles schlimmer zu machen, indem er dich völlig wahllos an prägende negative Erlebnisse erinnert. 

Diese Therapieform, die du dort beschreibst, wäre auch die Psychoanalyse - für gewöhnlich ist das nicht die erste Wahl. In den meisten Fällen beginnt man mit einer Verhaltenstherapie. Dort lernst du, mit dir besser umzugehen, Techniken, die dich stabilisieren sollen und die dir helfen sollen, deinen Alltag zu meistern.

Dort findet das, was du beschreibst, nicht statt.

Natürlich kommt man nicht drum herum sich auch mit bestimmten Ereignissen zu beschäftigen, jedoch entscheidest du und nicht der Therapeut, wann ihr darüber redet und wie lang. Dieses Recht ist dir vorbehalten und niemand wird dich zu etwas zwingen, wenn du nicht bereit dafür bist.

Im Endeffekt soll dir die (Verhaltens-)Therapie erst einmal nur helfen, wieder eine "psychische Grundstabilität" zu erreichen. Der Rest, der psychoanalytische Ansatz, ist etwas, was man sich in Zukunft einmal überlegen kann aber das ist noch Zukunftsmusik.

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"Ich bin so eine Versagerin."

Nicht einmal Ansatzweise bist du eine Versagerin. Du hast die Schule gemeistert und du hast dich hingesetzt und einen ungemein ehrlichen Text geschrieben über deine Gefühle - das verlangt viel ab. Hinzu kommt, dass du einen Willen zeigst. "Ich will nicht das mir das mein ganzes Leben bleibt und ich nie wieder glücklich werde." - da steht es schon "Ich will" und genau dieser Wille ist etwas, was du dir erhalten solltest und das du in deiner Situation, mit diesen Ängsten, hast ist etwas, worauf du stolz sein kannst. 

Du hast in keiner Hinsicht versagt.

Gehe die Wege, die du und deine Mutter euch vorgenommen habt und es wird sich lohnen. Auch wenn es sich jetzt nicht so anfühlt, es dir schwer fällt das jetzt schon anzunehmen aber du zeigst die richtige Einstellung und das ist bereits die halbe Miete, für einen langfristigen Erfolg und eine Zukunft, in der du wieder glücklich bist.

Erhalte dir deinen Willen und mache ihn dir als "Mutspender" für die kommende Zeit zunutze. 

Wenn du noch Fragen hast oder sogar neue aufgetaucht sind, scheue dich nicht davor sie zu stellen - entweder als Kommentar oder auch persönlich. Sende mir für den zweiten Fall einfach eine Freundschaftsanfrage und ich bemühe mich so schnell wie möglich zu antworten.

Ich wünsche dir alles erdenklich gute für die Zukunft und viel Erfolg.

Liebe Grüße.

Das hast du sehr schön geschrieben! :)

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Viele Fragen - ein paar Antworten:

1. Klar, kannst du auch ein Jahr krank geschrieben werden. Allerdings glaube ich nicht, dass das nötig ist bzw. das ein Psychologe diese Maßnahme einfach so in Erwägung ziehen wird.

2. Wie das mit dem Arbeitsamt ist. Naja, krank geschrieben ist krank geschrieben. Ich meine ich kenne mich da nicht explizit aus, aber bei einer ernsthaften Erkrankung, weiß ich nicht wie das Amt sich da quer stellen will.

3. Kann sich bei Medikamenten deine Persönlichkeit verändern? Ja, klar. Ist das nicht der Sinn dahinter? Aber ja klar, kann das auch negative Konsequenzen haben. Aber ein Psychologe ist erst einmal ein Experte auf seinem Gebiet, der einen Vertrauensvorschuss deinerseits verdient. Gib ihm eine Chance dir zu helfen. Sprich ihn auch ruhig auf deine Bedenken an. (Ich habe aufgrund einer ADHS Behandlung in meiner Jugend ebenfalls Persönlichkeits-ändernde Medikamente bekommen - ich bin im Nachhinein allerdings dankbar, dass mir so ein halbwegs normales Leben ermöglicht wurde). 

4.Was du dann machen darfst. Prinzipiell alles was nicht deiner Genesung schadet. Nur zu Hause einschließen, dürfte auch aus psychologischer Sicht her nicht die Lösung sein. 

5. Schadet ein Psychologe? Klar, er konfrontiert dich mit deiner Vergangenheit, aber nur so kann man Probleme lösen. Natürlich kann ein Psychologe aber auch viele andere Dinge. 

6. Ja, ich weiß was du meinst. Und ich weiß auch (ja ohne dich zu kennen) das du sicherlich keine Versagerin bist. Und klar hast du Angst - sich auf einen Psychologen einzulassen ist etwas was Mut verlangt. Und Mut ist ein wichtiger Schritt Richtung glücklich sein. Also probier es wenigstens aus! Alles andere kann erstmal warten. 

Es mag jetzt ein wenig an deiner Frage vorbei gehen, aber wenn ich das hier lese, dann verliere ich langsam den Glauben. Mutter beim Psychologen, Tochter seit dem Alter von 10 mit psychischen Problemen, jetzt am besten auch zum Nervendoktor. Dazu 1000 Gründe und Krankheiten, weswegen man nichts dafür kann und nichts auf die Reihe kriegen muss.

Was ist, wenn ich dir jetzt sage, reiß dich mal zusammen, du bist jung. Du kommst auf eine neue Schule, die Karten werden neu gemischt. Entweder du kriegst das ganze irgendwann auf die Reihe oder du gehst in deinem Leben baden. Und das hängt ganz alleine von dir ab, von niemandem sonst.

Du legst jetzt die Grundsteine deines weiteren Lebend, entweder du beißt dich durch oder du findest immer für alles eine Entschuldigung und dann war es das.

Solch ein Dummgelaber hättest Du dir sparen können. 👎

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Der Text ist menschenverachtend. Das erkennst du auch gut an den Votings.

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Lieber AnglerAut, lange habe ich so gedacht wie du. Ich habe selber eine psychische Erkrankung und habe solche Sätze wie das man sich zusammenreißen muss und aufhören sollte rumzuheulen häufig zu mir selber gesagt. Ich war oft in einer Psychiatrie und irgendwann habe ich verstanden, dass psychische Probleme nichts mit 'sich zusammenreißen' zu tun haben, denn das sind alles Krankheiten. Ich gebe dir ein Beispiel. Ein Freund von mir ist an einer Depression erkrankt und er hat mich furchtbar genervt. Ich habe ihm oft ähnliche Dinge gesagt, wie du geschrieben hast. Aber nach einer Zeit habe ich verstanden, dass es nun mal wirklich eine Krankheit ist und man bei einem gebrochenen Bein auch zu niemandem sagen würde "Reiß dich zusammen, du kannst ruhig die Treppe nehmen." Mein Freund hatte keinerlei sonstige Probleme. Kein Mobbing, kein Stress in der Familie, Eltern lebten zusammen, er hatte einen Hund als Haustier, gute Noten, aber trz war da diese Antriebslosigkeit und diese allumfassende Traurigkeit. Da habe ich verstanden, dass psychische Krankheiten genauso schlimm sind wie körperliche Krankheiten und auch psychische Krankheiten tödlich enden können. Jeder kann psychisch erkranken du genauso wie jeder andere auch. Psychisch krank zu sein hat nichts mit einer schwachen Persönlichkeit oder einem schlechten Elternhaus zu tun. Ich kann deinen Ärger nachvollziehen, wenn du schreibst, dass es 1000 Gründe und Krankheiten gibt, weshalb man nichts dafür kann und nichts auf die Reihe kriegen muss. Aber ich denke, dass diese Menschen selber am meisten darunter leiden. Seit acht Monaten mache ich nichts und es ist jeder Tag schlimmer als der andere. Ich habe unendlich oft die Schule probiert und insg sechs Praktika gemacht, welche alle an meiner Krankheit scheiterten. Ich warte nun auf einen Klinikplatz. Solltest du irgendwann verstehen, dass es sich auch bei psychischen Erkrankungen um ernstzunehmende Probleme handelt, dann freue ich mich und hoffe, dass du dementsprechend hilfreich antwortest. Solltest du es nicht verstehen können oder wollen, dann bitte ich dich höflich und ohne dich beleidigen zu wollen, sowas nicht zu schreiben. Denn genau sowas nimmt einem die vielleicht letzte Hoffnung und gerade in so jungen 16 Jahren sollte man ihr Hoffnung geben und ihr auf ihrem Weg wenigstens alles Gute wünschen. Wenn sie eine Diagnose bekommt, dann beginnt ein langer Weg der Genesung, denn man natürlich schaffen kann. Liebe Fragestellerin, ich wünsche dir alles Gute und Menschen, die Ahnung haben wissen, dass deine psychischen Probleme keine Ausreden für irgendwas sind. Liebe Grüße an alle!

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@joellesta1

Hallo joellesta1,

vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und die darin enthaltenen Anregungen.

Deine Aussagen sind sehr richtig und ich bestreite auch nicht die Existenz von psychischen Krankheiten oder deren Ernsthaftigkeit. Der einzige Punkt, an dem ich von deiner Sicht abweiche ist mein im Laufe der Zeit gewonnener Eindruck, das es Personen gibt, die sich hinter einer Vielfalt von Begriffen verstecken, zu der sie weder eine Diagnose haben, noch wirklich wissen wovon sie reden.

Wenn jemand hier von einer mangelnden Leistung schreibt, dann steht immer dabei, dass es mindestens 5 Gründe gibt, die derjenige nicht beeinflussen kann, weswegen es nicht geklappt hat. Sowas wie, ich war faul und habe mich nicht angestrengt, was aus eigener Erfahrung oft der wahre Grund ist, gibt keiner zu.

Jetzt sagst du, ich darf eine Person, die schreibt, eine psychische Erkrankung zu haben (wohl ohne Diagnose) nicht auffordern sich zusammen zu reißen. Diese Meinung wird geteilt von der Mehrheit hier, keine Frage. Dies macht es aber jedermann sehr einfach, sich hinter der Aussage eine psychischen Krankheit zu verstecken, eben weil dies nicht in Frage gestellt werden darf.

Natürlich mag es auf den hier aktuellen Fall unangemessen gewesen sein, doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass es nicht immer sinnvoll ist, alles und jeden mit Samthandschuhen anzufassen. Ein Jahr Auszeit kann einem lange nachhängen, ein Wiedereinstieg wird dadurch nicht unbedingt leichter.

Die anderen Antworten hier gingen zudem alle klar in eine andere Richtung und alles was ich hier beitragen wollte, ist eine andere Sichtweise und eine andere Herangehensweise. Und persönlich finde ich es immer schade, wenn man Dinge per se nicht in Frage stellen darf, wenn die eine Seite für sich in Anspruch nimmt, Recht zu haben und jeder Widerspruch gleich als menschenverachtend gilt, wie es hier in einem Kommentar geschrieben wurde.

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Ja da hast du auch sehr recht. Und wie ich es ja schon sagte, kann ich dich nachvollziehen. Und recht hast du auch mit der Aussage, dass man nicht jeden mit Samthandschuhen anfassen sollte, man also von Fall zu Fall gucken muss. Dieses ganze Thema mit 'sich hinter psychischen Erkrankungen zu verstecken' ist schwierig, da man nichts wirklich beweisen kann und sich die Dinge eben in erster Linie im Kopf abspielen und man eben kein Verband oder Gips oder ähnliches zum Vorzeigen hat. Es war mir auch nur wichtig, der Fragestellerin kein schlechtes Gewissen oder ähnliches zu machen, denn (aus eigener Erfahrung) muss man manchmal erstmal lernen, dass man krank sein darf und im schlimmsten Fall ein Jahr Pause für sich braucht. Also ich wünsche euch allen noch eine gute Woche.

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